Flugchaos Klagewelle gegen Airlines erreicht Amtsgerichte

Das Flugchaos des Sommers 2018 hat viele Menschen dazu bewegt, juristisch gegen Airlines und Veranstalter vorzugehen. Das Amtsgericht Düsseldorf meldet mehr als doppelt so viele reiserechtliche Klagen wie im Vorjahr.

Anzeigetafel am Flughafen in München (Symbolbild)
DPA

Anzeigetafel am Flughafen in München (Symbolbild)


Flugpassagiere und Pauschalreisende versuchen bei Ausfällen und anderen Mängeln verstärkt ihr Recht vor Gericht durchzusetzen. Die Amtsgerichte in Düsseldorf und Köln haben im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der entsprechenden Klagen verzeichnet. Beim Amtsgericht Düsseldorf sind 2018 mehr als 12.000 Klagen aus diesem Rechtsbereich eingegangen, wie eine Gerichtssprecherin am Montag sagte. Im Jahr davor habe es nur 5000 neue Klagen mit Bezug auf Flug- und Reiserecht gegeben.

Der WDR hatte bereits in der vergangenen Woche über die Zunahme der Klagen in Düsseldorf berichtet. Rund 4000 Klagen richteten sich den Gerichtsangaben zufolge allein gegen die Fluggesellschaft Eurowings.

Eine Unternehmenssprecherin verwies darauf, dass die Airline klarer Marktführer in Düsseldorf und Köln sei. Nach den Problemen in Sommer 2018 hätten alle Airlines ein erhöhtes Beschwerdevolumen abzuarbeiten. Mittlerweile sinke bei Eurowings der Eingang der Beschwerden aber kontinuierlich. Eurowings gehöre seit Beginn des Winterflugplans wieder zu den pünktlichsten Airlines in Europa.

Auch eine Sprecherin des Kölner Amtsgericht berichtete über einen deutlichen Anstieg der Klagen, nannte aber keine Zahlen. Zu möglichen Gründe für den Anstieg machten die Sprecherinnen keine Angaben.

Grund zum Ärgern hatten Reisende im vergangenen Jahr allerdings genug. Im Sommer 2018 hatte es europaweit erhebliche Probleme im Flugverkehr mit Ausfällen und Verspätungen gegeben. Die Fluggesellschaften machten Engpässe bei den Flugsicherungen, Fluglotsenstreiks, lange Wartezeiten bei den Passagierkontrollen und eine Häufung von Unwettern dafür verantwortlich. Hinzu kamen die Folgen der Pleite der einst zweitgrößten Fluglinie Air Berlin im vorigen Jahr.

Bei der Lufthansa fielen 2018 nach eigenen Angaben im Schnitt pro Tag mehr als 60 Flugverbindungen aus. Konzernweit seien etwa 18.000 Flüge gestrichen worden

Sorge vor erneutem Flugchaos

Damit sich so ein Szenario nicht wiederholt, habe die Luftfahrtbranche inzwischen viel getan, um den Flugbetrieb stabiler abwickeln zu können, sagte vor wenigen Tagen Klaus-Dieter Scheurle, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Dennoch erwartet er in den kommenden Ferienzeiten erneut viele Ausfälle und Verspätungen von Flügen. "Wir müssen damit rechnen, dass der Sommer 2019 auch schwierig werden wird", sagte Scheurle.

Von einem Anstieg von Beschwerden hatte Ende des Jahres auch die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) berichtet. Noch nie hätten sich so viele Reisende über Airlines und die Deutsche Bahn beschwert wie 2018 - vor allem wegen der großen Probleme im Flugverkehr. "2018 erwarten wir rund 32.000 Schlichtungsanträge und damit doppelt so viele wie im Vorjahr", sagte SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe im Dezember.

Die bei Flügen und Zugreisen "besonders häufig aufgetretenen Probleme, einen planmäßigen Verkehr zu gewährleisten", gehörten zu den Hauptgründen für die sprunghaft gestiegene Fallzahl, stellte Klewe fest. Die Reisenden wüssten zunehmend um ihre Rechte und forderten sie ein.

"Aus den Klagen wegen annullierter oder verspäteter Flüge ist inzwischen eine regelrechte Industrie geworden", heißt es in dem WDR-Beitrag zur aktuellen Klagewelle. Dienstleister übernehmen gegen Gebühr das Eintreiben der Entschädigungen, sofern man sich nicht selber darum kümmern möchte. Für ausgefallen Flüge erhalten Reisende bis zu 600 Euro zurück. Lesen Sie hier, was Passagiere über Fluggastrecht-Portale wissen müssen.

jus/dpa

insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cs01 11.02.2019
1.
Das liegt auch daran, dass die Airlines es selbst bei glasklaren Fällen auf eine Klage ankommen lassen. Hatte ich als Anwalt auch schon oft. Auf die Frage an den Kollegen, warum man es zu Klage kommen lässt, kam nur ein Schulterzucken. Höchstwahrscheinlich machen noch zuwenig Leute ihre Rechte geltend, dass sich der Aussitzversuch noch lohnt.
dagmar1308 11.02.2019
2. Von 19 Personen haben nur 4 wegen
einem Flugausfall und damit 6 Stunden Verspätung Ansprüche gegen die LH geltend gemacht von je 400 € plus 25 Verpflegung. Die LH hat problemlos gezahlt und ich habe alle anderen ermuntert dies auch zu tun. Bei allen hat es dann auch geklappt. Das zeigt die Quote, mit der die Gesellschaften kalkulieren. Eurowings gehört zur LH. Warum da Klagen entstehen??
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.