Anti-Schnarch-Hotel in Hamburg: Ein Bett im Magnetfeld

Von Nora Gantenbrink

Der Schnarcher ist des Schläfers Feind - und wer will schon im Urlaub um seine Nachtruhe gebracht werden? Eine Hotelkette versucht, des Problems mit einem speziell eingerichteten Zimmer Herr zu werden. Doch Anti-Schnarch-Utensilien wie Magnetfeld-Kissen sind umstritten.

Anti-Schnarch-Hotelzimmer: Mit Magnetfeld gegen Säger Fotos
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Hamburg - Das Geräusch, welches Silke Krüger und ihre Hotelkette ausmerzen wollen, ist ein nervtötendes Sägen - und wie nervtötend es sein kann, das kann Krüger sogar empirisch belegen.

Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Hotel Crowne Plaza in Auftrag gab, haben knapp 70 Prozent der 1000 befragten Deutschen einen Partner, der jede oder fast jede Nacht schnarcht. Jeder Fünfte schläft deswegen sogar in einem anderen Zimmer, und 20 Prozent der Paare standen wegen des Schlafmangels, laut der Umfrage, schon kurz vor der Trennung. Vier von zehn Betroffenen beschweren sich, dass das Schnarchen des Partners den Urlaub massiv störe. Die Auswertung der Hotelstudie zeigt, dass der Feind des Schläfers der Schnarcher ist.

Silke Krüger ist Marketing-Managerin der Hotelgruppe Intercontinental, zu der das Crowne Plaza gehört. Und sie sagt, dass der Service nicht am Abendbuffet aufhören dürfe, sondern bis ins Bett gehen müsse. Die Zeiten werden immer stressiger, dann solle zumindest der Schlafkomfort steigen.

Düsteres Ambiente in Schwarz-Grau

Darum fand Krüger es gut, dass die Zentrale in London nach der Auswertung der Schlafstudie die Einrichtung eines "Anti-Schnarch-Raums" vorschlug. Es sollte ein Versuch sein. In Deutschland ist ein solcher Raum nun im Hamburger Crowne Plaza Hotel zu besuchen und zu buchen. "Vier Sterne plus", sagt Frau Krüger über das Hotel, also gehobene Preiskategorie. "Und hier ist es, das Anti-Schnarch-Zimmer!" Etwas düster ist es, denn an den Wänden klebt Dämmmaterial in Schwarz-Grau. Es hat ein bisschen was von einem Doppelbett im Tonstudio. Oder einer Gummizelle.

"Na ja, an der Optik müsste man feilen", gibt Krüger zu. Aber es sei ja alles noch in der Pilotphase. Außer den Dämmplatten gibt es noch ein Keilkissen, welches verhindern soll, dass Schnarchgefährdete in Rückenlage nächtigen. Denn das fördert das Sägen des Schnarchers.

Dann gibt es noch ein viereckiges Magnetfeld-Kissen, welches eher aussieht wie ein Tuch. Das soll sich der Hotelgast unter oder über den Kopf legen. "Seltene Neodymium-Magnete öffnen die Atemwege und fixieren den Gaumen", sagt Krüger und erklärt: Das Schnarchgeräusch entstehe meistens durch flatternde Bewegungen des Gaumens und des Zäpfchens. Je älter und dicker man werde, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit schnarchen zu müssen. Generell treffe es mehr Männer als Frauen.

Der Clou des Raumes ist ein unscheinbares, beige-farbenes Ding, welches aussieht wie ein Brandschutzmelder. "Das ist ein Gerät, das 'weißes Rauschen' erzeugt, um das Schnarchen zu übertönen", sagt Krüger. Das Geräusch besteht aus der Mischung aller für das Ohr wahrnehmbarer Frequenzen. Es wird auch bei Tinnituserkrankungen eingesetzt. Das "weiße Rauschen" klingt ein bisschen wie Meer bei Wind.

Weltweiter Schnarch-Zimmer-Test

Thomas Penzel, wissenschaftlicher Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin, findet die Anti-Schnarch-Zimmer-Idee gut. Allerdings sei die Wirksamkeit von manchen Mitteln wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Die vom "weißen Rauschen" zum Beispiel. Und das Magnetkissen findet er "obskur".

Das Anti-Schnarch-Zimmer wird nicht nur im Hamburger Haus, sondern auch in acht weiteren Crowne Plaza Hotels in Europa und dem Mittleren Osten getestet. Denn das Schnarchproblem ist international. Wenn die Gäste das Zimmer verstärkt nachfragen und die Resonanz gut ist, dann soll es dauerhaft eingerichtet bleiben.

Jeder Mensch, sagt Thomas Penzel, schnarche mal. Zum Beispiel wenn er erkältet sei oder zu viel Alkohol getrunken habe. "Wenn Sie nicht mal mehr geradeaus laufen können, ist es wahrscheinlich, dass auch Ihre Halsmuskulatur beeinträchtigt ist", sagt Penzel. Woher aber dauerhaftes Schnarchen kommen kann, das ist eine Wissenschaft für sich.

Bislang ist die Resonanz auf die "Anti-Schnarch-Räume" gut. In Hamburg ist das Zimmer erst einmal ausgebucht. Krügers Vater, der auch schnarcht, hat einen anderen Weg gewählt: Er ging zum Arzt und der riet ihm abzuspecken. 14 Kilogramm Fett sind bereits weg. Das Schnarchen auch.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Seltene Neodymium-Magnete öffnen die Atemwege und fixieren den Gaumen
mm2112 06.07.2011
Wow, war mir gar nicht bewußt dass die Atemwege magnetische, möglicherweise sogar ferromagnetische Eigenschaften haben! Mal ehrlich, wer sich etwas mit der Materie auskennt kommt schnell zu dem Schluß, dass dreimal vor dem Schlafengehen gen Norden verbeugen so ungefähr den gleichen Effekt aufs Schnarchen hat wie Neodym-Magnete (die übrigens nicht so selten sind). Hier will wohl einer sein Geschäft unter den Esoterikern ankurbeln....
2. Doch, doch, das geht...
wdiwdi 06.07.2011
Zitat von mm2112Wow, war mir gar nicht bewußt dass die Atemwege magnetische, möglicherweise sogar ferromagnetische Eigenschaften haben!
Na ja, wenn das Magnetfeld nur stark genug ist, braucht man keinen Ferromagnetismus (http://www.livescience.com/5688-mice-levitated-lab.html), da reicht schon der allgegenwaertige Diamagnetismus. (Klar weiss ich, dass das ganz andere Groessenordnungen als durch "seltene" Standard-Seltenerdmagnete erreichbare sind).
3. Nicht zur Nachahmung empfohlen!
DerLautePöbel 06.07.2011
Da stecke ich meinen Kopf doch lieber 10 Minuten in die laufende Mikrowelle um abzunehmen.
4. "Seltene Neodymium-Magnete öffnen die Atemwege und fixieren den Gaumen"
sonobox 06.07.2011
Klaro :-). Warum musste ich daran denken: http://www.calamitiesofnature.com/archive/?c=555 :-).
5. Ecojet-Magnete versprechen wundersame Energievermehrung
syracusa 06.07.2011
Zitat von wdiwdiNa ja, wenn das Magnetfeld nur stark genug ist, braucht man keinen Ferromagnetismus (http://www.livescience.com/5688-mice-levitated-lab.html), da reicht schon der allgegenwaertige Diamagnetismus. (Klar weiss ich, dass das ganz andere Groessenordnungen als durch "seltene" Standard-Seltenerdmagnete erreichbare sind).
Nehmen Sie das hier: http://www.ecojet.com. Da glauben sogar Ingenieure von Evonik Industries und Hartz Energie dran. Aber das dürfte doch eher mit dem Verfall des deutschen Bildungssystems zu tun haben, als mit einem echten Effekt :-)
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