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13. Dezember 2014, 13:32 Uhr

Dauerstreit über Armfreiheit im Flugzeug

Friedensangebot halbe Lehne

Einsteigen, setzen, Ellenbogen ausfahren: In der Luft tobt seit eh und je der Kampf um die Armlehnen-Hoheit. Jetzt soll ein Stück Plastik Frieden stiften.

Fliegen könnte ja so schön sein, wenn nur die Mitreisenden nicht da wären, die sofort die Armlehne für sich beanspruchen oder den Sitz so weit nach hinten stellen, dass beim Hintermann klaustrophobische Anfälle drohen. Wer das Pech hat und den mittleren Sitz in einer Dreierreihe bekommt, kann da schon mal die Nerven verlieren.

Zwar gibt es nach Aussagen von Flugbegleitern das ungeschriebene Gesetz, dem Passagier in der Mitte die Armlehne zu überlassen. Aber das hilft ja nicht weiter, wenn die Mitreisenden es nicht kennen oder ignorieren. Also stellen Designer in schöner Regelmäßigkeit Konzepte vor, wie das friedliche Arm-Miteinander funktionieren könnte.

Die neueste Idee: Soarigami. Ein Stück Plastik, das die Armlehne an beiden Seiten etwas verbreitet und über einen Mittelkamm Körperkontakt verhindern soll. Die Lehne wird salomonisch geteilt. Man habe Jahre daran gearbeitet, den Ellbogenkrieg zu beenden, schreibt der Hersteller auf seiner Webseite, aber die früheren Prototypen seien klobig und nicht nutzerfreundlich gewesen. Da faltete, so die schöne Firmen-Saga, die Co-Gründerin die Designskizzen zu Papierfliegern, um sie davonsegeln zu lassen: Und die vom Origami inspirierte, an ein umgedrehtes Papierflugzeug erinnernde Armlehnentrennung war geboren. Wem da nicht warm ums Herz wird, der kämpft wohl auch erbittert um jeden Zentimeter Ellbogenplatz.

Streitende Passagiere des Flugzeugs verwiesen

Wer die Lehnenteilung anstrebt, muss sich den Trenner selbst kaufen, im Zweifel doppelt für Mittelsitz-Flüge. Und ihn den Mitreisenden schmackhaft machen. Ob die sich mit der halben Lehne zufriedengeben, wenn sie durch geschickten Ellbogeneinsatz die ganze haben können, ist erstmal dahingestellt. Zudem verkleinert die nun überstehende Lehne ja den Sitzraum beider Reisenden und nicht jeder wird begeistert sein, wenn sich plötzlich ein Stück Plastik in die Flanke bohrt.

Eine andere Idee für den Frieden über den Wolken hatte ein Designer aus Hongkong präsentiert: Die Paperclip-Armlehne, eine Doppeldecker-Stütze mit zwei übereinanderliegenden Ablageflächen. Körperkontakt allerdings nicht ausgeschlossen.

Wer versucht mit einem wie auch immer aussehenden Gadget seine Arm- und Beinfreiheit zu gewährleisten, muss allerdings auf einiges gefasst sein: Erst im August legte ein Flieger einen ungeplanten Zwischenstopp ein, nachdem der Streit zwischen zwei Passagieren eskaliert war. Mit einem "Knee Defender" hatte ein Reisender der Frau vor ihm verwehrt, ihren Sitz nach hinten zu stellen. Beide wurden des Flugzeugs verwiesen.

wbr

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