Aschewolke Deutscher Luftraum bleibt bis Mittwoch 8 Uhr weitgehend gesperrt

Der Asche-Alarm am deutschen Himmel dauert jetzt fast sechs Tage. Die Schließung des Luftraums ist bis mindestens Mittwoch 8 Uhr verlängert. Ausnahmen sind die Flughäfen Bremen, Hamburg, Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld. Für alle anderen ist der An- und Abflug nur nach Sichtflugregeln gestattet.

Lufthansa-Flugzeuge in Frankfurt: Maschinen müssen weiter am Boden bleiben
DDP

Lufthansa-Flugzeuge in Frankfurt: Maschinen müssen weiter am Boden bleiben


Brüssel/Frankfurt - Wieder ist die Luftraumsperrung über Deutschland wegen der Aschewolke aus Island verlängert worden: Die Deutsche Flugsicherung hat den Luftraum bis Mittwoch 8 Uhr geschlossen. Sichtflüge sind allerdings weiterhin möglich, "wenn die Wetterbedingungen dies zulassen". Nur die Flughäfen Bremen, Hamburg, Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld seien davon ausgenommen und können vorerst nach Instrumentenflugregeln an- und abgeflogen werden, teilte die Luftfahrtbehörde im hessischen Langen in der Nacht zu Mittwoch mit.

Am Dienstag war der Luftverkehr in Deutschland nach der Lockerung des Flugverbots über Europa nur langsam wieder in Gang gekommen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) rechne für Dienstag mit 700 bis 800 Sichtflügen, sagte ihr Sprecher Axel Raab. Dies entspreche etwa sieben Prozent des normalen Verkehrsaufkommens. Dennoch wurden bereits Zehntausende gestrandete Touristen wieder nach Deutschland zurückgeholt.

In den Nachbarstaaten entspannte sich die Lage stärker: "Die Situation hat sich heute verbessert", erklärte die Flugsicherungsbehörde Eurocontrol in Brüssel. Inzwischen sei der gesamte Luftraum in Europa oberhalb von 20.000 Fuß (6100 Metern) für den Luftverkehr freigegeben. Ausgenommen sei lediglich Finnland, wo noch ein vollständiges Flugverbot gelte, teilte die Behörde am Dienstagabend mit. In knapp 75 Prozent des Luftraums über Europa seien alle Beschränkungen aufgehoben worden.

In 19 europäischen Ländern sowie auf dem Balkan durften Flugzeuge wieder starten. Allerdings gebe es noch erhebliche Einschränkungen für den unteren Luftraum in Nordwesteuropa. In Deutschland und im Norden Frankreichs waren Flüge mit strengen Auflagen möglich. Von den planmäßigen 28.000 Flügen des Tages würden 13.000 gewährleistet, teilte die Agentur weiter mit.

Fotostrecke

8  Bilder
Luftraum-Freigabe: Mehr Flüge über Europa
Seit Donnerstag fielen laut Eurocontrol mehr als 95.000 Flüge aus. Die meisten Belastungen gab es am Wochenende, als der Luftverkehr zu mehr als 75 Prozent stillgelegt war. In Paris hob auf dem Airport Charles de Gaulle die erste Maschine seit fünf Tagen ab. Es werde aber noch Tage dauern, bis sich der Luftverkehr völlig normalisiert habe, teilten die Behörden mit.

Die Lufthansa will ihren Flugverkehr an Mittwoch deutlich ausweiten. "Es wird wieder die gesamte Langstrecke fliegen können", sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels am Dienstagabend in Frankfurt. Das Kurz- und Mittelstreckenangebot werde ausgeweitet. Die genauen Flugzeiten will das Unternehmen über Nacht ins Internet stellen. Dabei setzt das Unternehmen bei den Starts und Landungen in Deutschland weiter auf die genehmigten Flüge auf Sicht, sofern die üblichen Flüge nach Instrumenten unmöglich sind. Am Dienstag bot Deutschlands größte Fluggesellschaft rund 200 Flüge an, wie Bartels weiter sagte. Einen großen Teil der üblichen Langstreckenflüge habe man sicherstellen können.

Cockpit: Verantwortung auf Piloten abgewälzt

In Berlin will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am Mittwoch eine Regierungserklärung zur Situation im Flugverkehr abgeben. Die SPD warf dem CSU-Politiker katastrophales Krisenmanagement vor. Es sei unglaublich, dass der seit Donnerstag tagende Krisenstab nicht im Verkehrsministerium, sondern bei der Deutschen Flugsicherung in Langen angesiedelt sei. Dort arbeite das Gremium offenbar völlig losgelöst von der politischen Führung. Überraschend klare Rückendeckung erhielt Ramsauer dagegen von den Grünen, die erklärten, der Krisenstab sei bei der Deutschen Flugsicherung genau richtig angesiedelt.

Auch die Piloten-Gewerkschaft Cockpit kritisierte Ramsauer: Sie sieht die Risiken der neuen Sichtflug-Regelungen auf die Piloten abgewälzt. Kurz vor dem ersten Messflug am Montagnachmittag habe man "schnell die Lufträume durch juristische Winkelzüge geöffnet, um dann loszufliegen", erklärte Sprecher Jörg Handwerg auf n-tv.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bestätigte die Existenz der Vulkanaschewolke über Deutschland. Bei ihrem Testflug am Montag über dem ganzen Bundesgebiet hätten die DLR-Experten deutliche Braunfärbungen der Luft gesehen. In der Atmosphäre befänden sich in unterschiedlicher Konzentration und in regional unterschiedlicher Ausbreitung Partikel von Vulkanasche, teilte das Bundesverkehrsministerium in Berlin mit.

Nach Erkenntnissen niederländischer Forscher wurde die Bewegung der Vulkanaschewolke aus Island mit Hilfe von Computermodellen weitgehend präzise berechnet. Das hätten Untersuchungen der Wolke von einem Flugzeug aus ergeben, teilte das niederländische Zentrallabor für Luftfahrttechnik mit. Der Flugzeugbauer Airbus stellte bei zwei langen Testflügen nach eigenen Angaben keine Einflüsse der Vulkanasche auf Maschinen und Flugsysteme fest.

230.000 deutsche Urlauber von Sperrungen betroffen

Die deutschen Reisekonzerne holten unterdessen mehr als 30.000 im Ausland gestrandete Touristen mit einer gigantischen Luftbrücke in die Heimat zurück. Insgesamt waren bisher mehr als 230.000 deutsche Urlauber von den Flugstreichungen nach dem Vulkanausbruch betroffen.

Allein die führenden Reisekonzerne TUI und Thomas Cook haben rund 50 Flugzeuge losgeschickt. TUI brachte am Dienstag 20.000 festsitzende Urlauber zurück, Konkurrent Thomas Cook will bis Mittwoch zehntausend Gäste mit Sonderflügen abholen. Laut TUI-Mitteilung müssen vor allem um das Mittelmeer nur noch wenige Touristen ausharren, sie sollen am Mittwoch heimkehren.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) forderte schnelle und unbürokratische Hilfe für Veranstalter und Fluggesellschaften in Deutschland, denen hohe Verluste entstanden seien.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
m.barufke 20.04.2010
1.
Ach das ist doch total der Hohn. Was hat die Messung des DLR-Flugzeugs jetzt eigentlich genau ergeben ?
timewalk 20.04.2010
2. Yo
---Zitat--- Aschewolke beschädigt Kampfjet der Nato Ein F-16 Kampfjet hat nach einem Testflug über Europa Beschädigungen erlitten. Im Triebwerk wurde nach der Landung Glas gefunden. Das kann aus Vulkanasche entstanden sein. Die Ansammlung von Glas im Triebwerk gilt als sehr gefährlich. Die Nato hat weitere Flüge über Europa abgesagt. ---Zitatende--- http://www.welt.de/vermischtes/article7245866/Aschewolke-beschaedigt-Kampfjet-der-Nato.html Luftfahrts Firmen wollen aus profitgier weiter fliegen, zu lasten der Sicherheit.
timewalk 20.04.2010
3. Bilder
Bilder zur Entstehung der *Aschewolke*. http://www.boston.com/bigpicture/2010/04/more_from_eyjafjallajokull.html
Barath 20.04.2010
4. Wow!
Zitat von timewalkBilder zur Entstehung der *Aschewolke*. http://www.boston.com/bigpicture/2010/04/more_from_eyjafjallajokull.html
Sehr beeindruckende und wunderschöne Bilder. Danke für den Link. Ich habe keine Ahnung von Vulkanen, kann mir jemand erklären wie die Blitze entstehen?
EGA 20.04.2010
5. Wo bleiben präzise Daten
Zitat von m.barufkeAch das ist doch total der Hohn. Was hat die Messung des DLR-Flugzeugs jetzt eigentlich genau ergeben ?
Es wäre wirklich gut, wenn mal präzisere Daten veröffentlicht würden. ppm in der Aschewolke und ab welcher Konzentration ein Triebwerk Probleme bekommt. Es sollte doch für die Triebwerkhersteller möglich sein binnen weniger Tage an den Testständen an denen normalerweise Triebwerke geprüft und entwickelt werden ähnliche Situationen wie derzeit in der Aschewolke zu erzeugen. Ein Verkehrsminister der nicht in der Lage ist diese Daten zusammentragen und interpretieren zu lassen (von ihm selbst verlangt das ja niemand) ist wirklich fehl am Platz.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.