Atlas-Geschenktipp: "Inseln machen nichts Gutes mit den Menschen"

4. Teil: Antipoden-Insel - wo die Gegenfüßler leben

Antipoden-Insel: Ein gespiegelter Ort, hoffte Captain WaterhouseZur Großansicht
Judith Schalansky / mareverlag

Antipoden-Insel: Ein gespiegelter Ort, hoffte Captain Waterhouse

Pazifischer Ozean
Antipoden-Insel (Neuseeland)
Englisch ursprünglich Isle Penantipode [Penantipodeninsel]
21 Quadratkilometer | unbewohnt

26. März 1800 entdeckt von Henry Waterhouse

Die Sehnsucht nach einem heimlichen Doppelgänger, der auf der anderen Seite der Erde lebt, kopfüber, seine Füße unseren Füßen zugewandt, von der Schwerkraft an dieselbe Kugel gekettet. Unsere Gegenfüßler wohnen in den gleichen Längen, aber entgegengesetzten Breiten, ihre Jahreszeiten sind den unseren gegenüber, ihre Stunden verschoben: Unsere Antipoden haben Sommer, wenn wir Winter, und Mitternacht, wenn wir Mittag haben. Doch hier auf der Antipodeninsel leben keine Menschen; zwischen den Felsen lungern nur ein paar Seebären und Pinguine mit buntem Schopf.

Das Land liegt dem Nullmeridian von Greenwich fast genau gegenüber, berechnet Captain Henry Waterhouse, als er auf dem Weg von Port Jackson nach England diese Inseln entdeckt. Ein gespiegelter Ort, denkt er, ein winziger Doppelgänger der Britischen Inseln. Seine Geburtsstadt London ist von hier so weit entfernt wie der Nord- vom Südpol; und es wäre völlig egal, welche Route er dorthin nimmt. Weiter weg vom Zentrum der Welt kann er nicht sein. England und dieser Ort sind zwei Endpunkte desselben Kugeldurchmessers, eine gedachte Linie durch den Mittelpunkt der Erde.

Doch die Rechnung geht nicht auf. Seine Heimat sieht anders aus. Das Land hier ist bergig und baumlos, das Klima kalt, stürmisch und rau. Es fehlt die weiche Luft des Golfstroms. Die Rinder, die hergebracht werden, sterben schnell und still in der falben Steppe aus Gras. Und in den Höhlen der ausgefransten Küste verhallt ungehört das donnernde Echo der brechenden Wogen.

Auszug aus "Atlas der abgelegenen Inseln" von Judith Schalansky

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insgesamt 17 Beiträge
lejupp 22.12.2009
Mit sieben bis 21 Quadratmeter wären mir diese Inseln deutlich zu klein. Sind vielleicht Quadrat*kilo*meter gemeint?
Mit sieben bis 21 Quadratmeter wären mir diese Inseln deutlich zu klein. Sind vielleicht Quadrat*kilo*meter gemeint?
herbert 22.12.2009
Nicht bewohnbares Erdreich oder erloschene Vulkane aus dem Meer zu betrachten ! Da gibt es jede Menge Steinhaufen auf der Erde. Würde Helgoland mitten im Atlantic liegen, würde es keinen interessieren. Da man die Insel [...]
Nicht bewohnbares Erdreich oder erloschene Vulkane aus dem Meer zu betrachten ! Da gibt es jede Menge Steinhaufen auf der Erde. Würde Helgoland mitten im Atlantic liegen, würde es keinen interessieren. Da man die Insel wirtschaftlich am Leben hält únd es Deutschlands einzigste Hochseeinsel ist, wird es interessant. Um auf einer Insel zu leben, braucht man eine gewisse Grösse und vor allem Süsswasser. Ohne dem geht nichts! Aber es gibt wunderbare Inseln auf der Welt. Hier dürfte der Pacific wohl die schönsten haben mit Samoa, Tonga, Kiribati, Fidschi, Cook Island mit Aitutaki. Tahiti und Morea, Bora Bora nicht zu vergessen. Die Osterinseln liegen wieder etwas tiefer und nicht so im tropischen Bereich. Die Insel ist rauh und mit wenig Bäume. Nur die riesigen Steinfiguren locken die Touristen an. Habe noch die wudnerschönen Inseln Palau, Ponape, Marshall Is, Salomon Is. vergessen. Auf manchen Inseln benutzt man den kleinen Flughafen als Süsswassersammelbecken. Das sind aber alles Inseln die eine gewisse Grösse haben und wo alles wächst, was man braucht. Das Buch würde mehr einen Sinn ergeben, wenn man ein Mix von den vielen Inseln macht. Einmal die unbewohnbaren und bewohnbaren Inseln. Wiederum haben noch größere Inseln wie Mauritius, Madagaskar etc. die Grösse für einen eigenen Staat. Wo das Leben nie langweilig wird.
Steppenwoolf 22.12.2009
Stimmt! Sylt ist ein gutes Beispiel!
Stimmt! Sylt ist ein gutes Beispiel!
stephan1967 22.12.2009
Da schreibt ein Mädel über Inseln, von denen sie selbst zugibt, keine einzige jemals gesehen zu haben... Und das Allerbeste: SPON macht auch noch ein Interview daraus...was für eine billige Art der Bücherwerbung :-(
Da schreibt ein Mädel über Inseln, von denen sie selbst zugibt, keine einzige jemals gesehen zu haben... Und das Allerbeste: SPON macht auch noch ein Interview daraus...was für eine billige Art der Bücherwerbung :-(
echo167 22.12.2009
Der gleiche Gedanke ist mir auch gekommen...;)
Zitat von stephan1967Da schreibt ein Mädel über Inseln, von denen sie selbst zugibt, keine einzige jemals gesehen zu haben... Und das Allerbeste: SPON macht auch noch ein Interview daraus...was für eine billige Art der Bücherwerbung :-(
Der gleiche Gedanke ist mir auch gekommen...;)
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  • Datum: Dienstag 22.12.2009 | 11:18 Uhr
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Zur Person
Petra Koßmann
Judith Schalansky, 1980 in Greifswald geboren, hat Kunstgeschichte und Kommunikationdesign studiert. Sie lebt als freie Autorin und Gestalterin in Berlin. 2008 erschien ihr erster Roman, "Blau steht dir nicht", im Hamburger mareverlag. Für den "Atlas der entlegenen Inseln" hat sie nicht nur die Texte verfasst, sondern auch Illustrationen, Satz und Layout gestaltet.
Buchtipp
Judith Schalansky / mareverlag

Judith Schalansky:
Atlas der abgelegenen Inseln
Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde.

mareverlag; 143 Seiten; 34 Euro.

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