04. Februar 2013, 16:49 Uhr

Neuheiten für die Piste

Ein Ski für alle Fälle

Morgens auf die Piste, am Nachmittag ins Gelände, am nächsten Tag auf Skitour: Immer mehr Winterurlauber brauchen universell einsetzbare Bretter für das perfekte Schneeerlebnis. Auf der Sportmesse Ispo präsentieren die Hersteller daher Hybridmodelle - und immer leichtere Skier.

München - Manchmal ist es eine Frage von Gramm, manchmal aber auch von Kilos: An jedem noch so kleinen Detail tüfteln die Entwickler, um die neuesten Ski immer leichter zu machen. Was in den vergangenen Jahren bei den klassischen Pistenski angefangen hat, geht nun bei den Exemplaren für das Gelände weiter, wie sich bei der Internationalen Sportartikelmesse (Ispo) in München zeigt.

"Früher wurden schwere Platten montiert, heute muss alles leichter sein", sagt Andreas König vom Deutschen Skiverband (DSV), "Schuhe, Bindung, Ski." Bei der Gewichtsreduktion dürfe jedoch keine der Komponenten an Performance verlieren.

Einer der Vorreiter ist dabei Völkl. Das Modell "V-Werks Katana" wurde von einer Expertenjury der Messe zum Produkt des Jahres gewählt: Ein Paar Ski wiegt rund 900 Gramm weniger als die bisherige Ausführung. Möglich macht das der Werkstoff Kohlefaser.

Der Hersteller Rossignol dagegen hatte eine andere Idee, um gewichtsmäßig mitzuhalten: Air Tip heißt die Technologie, bei der Skispitzen und -enden mit Luft gefüllt werden. Zunächst wurde diese Idee zwar nur beim hochpreisigen Freeride-Produkt umgesetzt, sie soll nach Angaben einer Unternehmenssprecherin aber auch auf andere Serien ausgeweitet werden. Salomon geht einen ähnlichen Weg und hat eine Bienenwabenstruktur eingebaut, die ebenfalls mit Luft gefüllt ist. Blizzard verwendet Leichtholz.

"Rocker sind mittlerweile selbstverständlich"

Das große Thema der vergangenen Jahre war die Rocker-Technologie. Rockerski sind vorne und teilweise auch hinten nach oben gebogen. Dadurch sollen sie in tieferem Schnee mehr Auftrieb und damit ein sichereres Fahren ermöglichen. Längst hat sich die Technik etabliert. DSV-Experte König schätzt, dass zwischen 80 und 90 Prozent aller verkauften Ski damit ausgestattet sind. Manch ein Hersteller setzt sogar zu 100 Prozent darauf. "Es gibt keinen Ski mehr bei uns, der nicht gerockt ist", sagt Herbert Buchsteiner von Atomic.

"Rocker sind mittlerweile selbstverständlich, selbst im Riesenslalom-Weltcup", sagt Andreas Mann von Völkl. Salomon hat gerade eine neue Rennserie mit Rockertechnik herausgebracht. Auch K2 hat fast komplett auf Rocker umgestellt und selbst Head, lange Zeit etwas zurückhaltender gegenüber der neuen Technik, setzt laut Marketingchef René Harrer lediglich im Rennbereich noch auf klassische Ski.

Ein Problem hatten Rocker-Ski bislang jedoch: Die Skispitzen waren weniger stabil als bei normalen Carvern. Daran haben die Firmen gefeilt. Head verwendet ein stabilisierendes Außenskelett. Völkl baut seine Uvo-Technologie in die Ski ein: Eine bewegliche Masse in einem Silikonbett an der Spitze des Skis soll Schwingungen absorbieren.

Die Grundregel lautet: Je mehr Gelände, desto mehr Krümmung. Doch die Grenzen zwischen den einzelnen Segmenten sind mittlerweile fließend. Piste, Tourengeher, Freerider: "Die einzelnen Bereiche nähern sich immer stärker an, irgendwann werden die Segmente verschmelzen", prognostiziert Andreas Mann von Völkl. "Es gibt keine klassischen Trennlinien mehr", sagt auch ein Sprecher von K2.

"Der Schneespaß wird mehrdimensional"

Der Grund liegt auf der Hand: "Es gibt immer mehr Skifahrer, die morgens auf die Piste wollen, am Nachmittag ins Gelände und am nächsten Tag eine Skitour planen", erklärt eine Sprecherin von Rossignol. Freerider wollen auch mal bergauf gehen, Tourengeher auch mal eine ordentliche Abfahrt hinlegen", ergänzt ein Sprecher von Blizzard. Doch kaum jemand will und kann sich natürlich für jeden Bereich extra Ski und Schuhe kaufen.

Fast alle Hersteller haben deshalb Ski im Angebot, die theoretisch für mehrere Bereiche einsetzbar sind. Auch bei den Bindungen und vor allem den Schuhen gibt es immer mehr Hybridmodelle. "Ski, Schuhe und Bindung sollen alles können", hat Kerstin Garstenauer von Fischer beobachtet.

Überhaupt ist Tourengehen und Freeriden ein Wachstumssegment im ansonsten eher stagnierenden Skimarkt. "Der Schneespaß wird mehrdimensional", erklärt Christoph Ebert vom Kompetenzzentrum Sport, Gesundheit und Technologie in Garmisch-Partenkirchen. Früher sei man einfach mit dem Lift rauf- und mit den Ski runtergefahren. "Heute ist bei den Leuten angekommen, dass man die Bergwelt auf die unterschiedlichsten Arten erleben kann."

Splitboard: Zwitter aus Ski und Snowboard

Darum sind auch Splitboards weiter auf dem Vormarsch. Im Grunde handelt es sich um in der Mitte längs durchgeschnittene Snowboards. Für den Aufstieg werden sie auseinandergenommen und bieten zwei Tourenski mit entsprechenden Bindungen. Auf dem Berg werden sie mit wenigen Handgriffen zusammengesteckt und wie ein Snowboard genutzt.

Erste Splitboards gab es bereits Ende der achtziger Jahre. Sie setzten sich jedoch nicht durch. Vor drei Jahren tauchten sie auf der Ispo dann wieder auf - seither entwickeln die Hersteller die Modelle weiter. K2 hat bei seinem "Kwicker" vor allem an der Bindung gearbeitet. Sie ist laut einem Unternehmenssprecher 1,4 Kilogramm leichter als bei einem normalen Splitboard. Daneben seien der Schuh sowie die Ummontage deutlich verbessert worden.

Rossignol hat in sein Splitboard einen sogenannten Tip-Tail-Rocker eingebaut, sprich das Brett ist hinten und vorne aufgebogen und bietet auch bei schwierigen Schneeverhältnissen gute Fahreigenschaften.

Ob Ski, Snow- oder Splitboard: Viele der großen Hersteller tragen dem Alles-in-einem-Trend bereits seit einigen Jahren Rechnung - andere ziehen nach. Fischer hat zum Beispiel auf der Ispo erstmals eine komplette Ausstattung für Tourenskifahrer vorgestellt: vom Ski über Bindung und Schuhe bis hin zu den Fellen. Und auch Head ist in das Segment eingestiegen. "Es geht einfach ums Schneeerleben - egal ob auf oder neben der Piste", formuliert es König.

Michael Zehender/dpa/jus


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