Aufstand in den Großstädten: Auswärtiges Amt rät von Ägypten-Reisen ab

Das Auswärtige Amt hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten verschärft, rät vor allem von Reisen nach Kairo ab. In den Tourismuszentren am Roten Meer ist die Lage ruhig - die Reiseveranstalter bieten dennoch kostenlose Umbuchungen für Ägypten-Urlauber an.

Ägypten: Land der Pharaonen - und der Urlauber Fotos
REUTERS

Frankfurt/Berlin - Das Auswärtige Amt hat den Reisehinweis für Ägypten am Sonntagabend überarbeitet und rät nun wegen der andauernden Unruhen von Reisen in das nordafrikanische Land ab. Dies gelte insbesondere für Kairo, Alexandria und Suez sowie für die urbanen Zentren im Landesinnern und im Nildelta, heißt es.

Die Lage in den Touristenzentren am Roten Meer sei derzeit ruhig. "Jeder Reisende wird jedoch gebeten, sich vor Reiseantritt gründlich über die Sicherheitslage am konkreten Zielort der Reise zu informieren", erklärte das Auswärtige Amt.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage aber vor allem in der ägyptischen Hauptstadt haben mehrere Länder Vorbereitungen getroffen, ihre Staatsbürger von dort auszufliegen. Das Auswärtige Amt teilte mit, der Krisenstab und die Botschaft Kairo stünden im Kontakt mit Reiseveranstaltern und Flugunternehmen und seien bemüht, Deutschen bei der Ausreise behilflich zu sein. Erste Deutsche hätten Kairo bereits verlassen, für Montag werde an weiteren Möglichkeiten, einschließlich Transporten zum Flughafen, gearbeitet.

Das Auswärtige Amt hat bereits die Lufthansa um einen zusätzlichen Linienflug gebeten, um Menschen aus dem Land zu fliegen. Die Sondermaschine ist am Montagmorgen um kurz nach 8 Uhr von Frankfurt aus nach Kairo gestartet, wie der Flughafenbetreiber Fraport und die Lufthansa mitteilten. Nach der Landung in Ägypten soll das Flugzeug am Nachmittag dort wieder abheben und zurückkehren. Die Flugzeit zwischen der Mainmetropole und der ägyptischen Hauptstadt beträgt rund vier Stunden. Unklar ist noch, wann die Maschine erneut in Frankfurt ankommen wird.

Veranstalter empfiehlt, Reisen nicht anzutreten

Die deutschen Veranstaltern bieten ihren Kunden zurzeit kostenlose Umbuchungs- und Stornierungsmöglichkeiten an. Bei den Großen der Branche, Thomas Cook und TUI, sind diese für Ägypten-Reisen bis zum 7. Februar kostenlos möglich. Bei Thomas Cook gilt dies für die Kunden der Marken Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute, Air Marin, Öger Tours und auch für Fluggäste des Ferienfliegers Condor.

TUI hat außerdem Reisen nach Kairo und Luxor inklusive der dort beginnenden Nilkreuzfahrten, mit Anreise bis 7. Februar abgesagt und empfiehlt laut seiner Website allen Gästen, ihre Reiseabsichten zu überprüfen und wenn möglich auf ein anderes Reiseziel umzubuchen. Der Leiter des Krisenstabs, Ulrich Heuer, sagt: "Auch wenn es derzeit für unsere Urlauber vor Ort keine Einschränkungen gibt, können wir künftig unter Umständen nicht sicherstellen, dass wir unsere Reiseleistungen in Ägypten weiterhin in vollem Umfang erbringen können."

Der Veranstalter Rewe empfiehlt seinen Gästen, die einen Ägypten-Urlaub mit einer Anreise bis zum 7. Februar 2011 gebucht haben, ihre Reise nicht anzutreten. Wie das Unternehmen mit den Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg am Montagmorgen mitteilte, wolle es dadurch zur Entlastung der Infrastruktur vor Ort beitragen. Umbuchungen oder Stornierungen seien kostenfrei.

Aktuell befinden sich rund 3100 Touristen von Rewe Touristik in den Ferienorten Hurghada, Scharm al-Scheich, Marsa Alam und Luxor. Die Gäste seien gelassen, die Lage sei ruhig, sagte ein Sprecher der Rewe Touristik. Aufgrund des Sicherheitshinweises des Auswärtigen Amts geht der Veranstalter davon aus, dass die Gäste vor Ort ihren Urlaub planmäßig verbringen und abschließen könnten.

FTI hat Reisen nach Kairo bis 15. Februar, nach Luxor sowie die Nilkreuzfahrten bis 7. Februar abgesagt. Für die Badeorte am Roten Meer seien Umbuchungen und Stornierungen bis zum 7. Februar kostenlos möglich, teilte das Unternehmen mit.

Veranstalter: Im Notfall ist Infrastruktur bereit

Die deutschen Reiseveranstalter versprechen, ihre Kunden im Ernstfall so rasch wie möglich aus einem Unruhegebiet wie Ägypten zu holen. "Wir haben die Infrastruktur, wir haben die Flugzeuge", sagte Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) am Sonntag in Berlin. "Im Notfall können wir das alles nutzen", betonte er und fügte hinzu: "Dann wird alles in Bewegung gesetzt, auch in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt."

Das gelte aber unabhängig von der Lage derzeit in Ägypten: "Wir haben es ja in Tunesien gesehen, wie schnell wir da sofort reagiert haben." Innerhalb von zwei Tagen habe man seinerzeit mit mehr als 30 Sonderflügen alle Kunden ausgeflogen. "Das würde genauso hier auch passieren, genauso wenn in England was passieren würde oder sonst wo." Bis Ende des Sonntags sollten nach Schäfers Worten alle Kunden deutscher Reiseveranstalter die Hauptstadt Kairo verlassen haben.

Aktuell sind laut Reiseverband mehrere tausend Kunden deutscher Veranstalter in dem Land. 2009 reisten dem Verband zufolge insgesamt 1,2 Millionen Deutsche nach Ägypten, in der Mehrzahl Touristen, aber auch Geschäftsreisende.

Gedränge auf dem Kairoer Flughafen

Deutlich schwieriger als für Kunden von Reiseveranstaltern ist es derzeit für Individualreisende: Zwei Flüge vom Frankfurter Flughafen nach Kairo wurden am Sonntag gestrichen. Betroffen war jeweils ein Flug von Lufthansa und Egypt Air - auch die Rückflüge aus Ägypten fielen damit aus.

Auf dem Flughafen in Kairo berichtete ein Augenzeuge von einem "fürchterlichen Gedränge" auf dem Airport. Es warteten vor allem viele US-Bürger, Türken und Italiener auf ihren Abflug; sie waren vor Chaos und Plünderern auf den Airport geflüchtet. Ein Mitarbeiter der Flughafenverwaltung sagte im ägyptischen Fernsehen, der Airport versuche, einen normalen Betrieb aufrechtzuerhalten.

Eine genauen Überblick über die Zahl der auf dem Flughafen wartenden Deutschen hatte am Sonntag niemand. Viele Deutsche machten sich am Sonntag aus Außenbezirken Kairos auf den Weg in Richtung des Stadtteils Zamalek, der als Insel im Nil liegt und deswegen von der ägyptischen Armee besser geschützt werden kann. Dort liegen auch zahlreiche Botschaften und ausländische Stiftungen. Vor Beginn der Proteste lebten etwa 5000 bis 7000 deutsche Staatsbürger im Großraum Kairo.

Viele Länder bringen Bürger heim

Zahlreiche Staaten haben am Montag damit begonnen, ihre Bürger aus Ägypten auszufliegen. Neben der deutschen Lufthansa und Air India organisierten auch die USA und Türkei zusätzliche Flüge, um Staatsangehörige die Möglichkeit zur Heimkehr zu bieten. China schickte zwei Flugzeuge nach Kairo, um 500 am Flughafen gestrandete Staatsangehörige abzuholen, wie Air China und Hainan Air mitteilten.

Auch Japan ließ nach Angaben des Außenministeriums rund 500 Bürger in der ägyptischen Hauptstadt einsammeln und nach Rom bringen. Das griechische Außenministerium erklärte, mindestens zwei Militärmaschinen stünden bereit. Die australische Regierung schickt ein Flugzeug, das am Mittwoch in Kairo landen und australische Bürger kostenlos entweder nach Frankfurt oder London bringen soll. Auch die irakische Regierung schickte ein Flugzeug auf den Weg.

Einige europäische und asiatische Unternehmen begannen damit, ihre Mitarbeiter abzuziehen, darunter der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch Shell und das italienische Energieunternehmen Eni. Die Philippinen, Thailand und das asiatische Sultanat Brunei trafen Vorkehrungen für einen besseren Schutz ihrer Bürger in Ägypten. Sie holten die Staatsangehörigen in ihre Botschaften oder forderten sie auf, sich mit Lebensmittelvorräten zu versorgen und das Haus möglichst nicht zu verlassen.

Die seit Dienstag andauernden Proteste gegen den ägyptischen Staatschef Husni Mubarak waren auch am Sonntag fortgesetzt worden. In den Straßen von Kairo forderten Tausende Menschen seinen Abtritt, die Armee riegelte das Zentrum der Hauptstadt mit Panzern ab. Bei den landesweiten Protesten starben bisher mindestens 125 Menschen. Ägypten versinkt zunehmend in Chaos, am Wochenende zogen vielerorts plündernde Banden durch die Straßen.

abl/dpa/AFP

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insgesamt 20 Beiträge
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1. aber keine "Reisewarnung"
gh_tweets 31.01.2011
Das Auswärtige Amt kann sich aber nicht zu einer echten Reisewarnung durchringen. So bleibt der Kunde auf die freiwilligen Angebote einiger Reiseveranstalter angewiesen. Westerwelle steht sicher unter Druck von Lufthansa und Co. und traut sich nicht.
2. Hier könnte Ihre Werbung stehen
Pepito_Sbazzagutti 31.01.2011
"Das Auswärtige Amt hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten verschärft, rät vor allem von Reisen nach Kairo ab." Ach, wenn wir das Auswärtige Amt nicht hätten. Angehende Touristen wären von allein nie darauf gekommen.
3. Das ist irgendwie der Oberhammer, oder etwa nicht?
hannovernews 31.01.2011
Letztens wird noch so getan, als seien Reisen nach Ägypten bis auf einige Bereiche relativ ungefährlich und es wird alles runtergespielt und es gab keine allgemeine Reisewarnung, http://www.finanznews-123.de/kann-ich-meinen-urlaub-in-agypten-stornieren-zahlt-dann-die-reiserucktrittsversicherung/ und jetzt plötzlich ist alles anders. Wachen wir etwa langsam auf im Auswärtigen Amt?
4. Link einfügen!
mattheo1707 31.01.2011
Bitte doch in Fällen, wo es um den präzisen Wortlaut einer zitierten Quelle geht, den Weblink dorthin in den Artikel einfügen - hier also zu den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes in Sachen Ägypten. Dies gilt vor allem deshalb, weil gerade bei SPIEGEL-Artikeln nicht immer genau zwischen Sachinformation und redaktioneller Meinung unterschieden werden kann. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/AegyptenSicherheit.html
5. ... naja, wenn der Herr Außenminister
bürgerin_klein 31.01.2011
erst vor ein paar Tagen von seinem Urlaub am Roten Meer zurückgekehrt ist, sind die guten Erinnerungen an schöne Ferientage noch so präsent, dass man seinen guten Freunden dort nicht nach ein paar Demonstrationen schon das Geschäft vermiesen möchte. Da unterbleibt halt mal eine echte Reisewarnung vor der Hand.
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Hilfe für Ägypten-Urlauber
Deutsche Vertretungen
Krisenstab des Auswärtigen Amts: 030-50003000

Deutsche Botschaft in Kairo
Telefon: (0020 2) 27 28 20 00
Bereitschaftsdienst in dringenden Notfällen: 012 213-6538
Honorarkonsulat in Alexandria: (002-03) 486-7503
Honorarkonsulat in Hurghada: (002-065) 344-3605, (002-065) 344-5734
Hotlines der Reiseveranstalter
TUI: 0511-567 8000 (9 bis 20 Uhr)
Neckermann Reisen und Thomas Cook: 06171-65 65 190
Bucher Reisen: 06171-65 65 400
Air Marin: 01805-36 66 36
Öger Tours: 01805-24 25 58
Condor: 01805-767757
Rewe (ITS, Jahn Reisen, Tjaereborg, Condor): 02203-42 800
FTI: 0800-2525444 (9 bis 22 Uhr)
5vorFlug: 0800-2525113 (9 bis 20 Uhr)
L'tur: 0800-21 21 21 00 (8 bis 24 Uhr)

Fluggesellschaften
Lufthansa: Sonder-Telefonnummer, unter der Flüge ausschließlich ab Kairo gebucht werden können +49-30-50570341

Ab sofort können freie Plätze auf Flügen von Air Berlin und Condor von Scharm el-Scheich, Hurghada und Marsa Alam nach Deutschland gebucht werden.
Air Berlin: www.airberlin.com oder per Telefon unter +49-1805-737 800
Condor: www.condor.com oder per Telefon unter +49-180-5767757

Was bedeuten die Hinweise des Auswärtigen Amtes?
Reisehinweise
Sie enthalten zum Beispiel Informationen über die Einreisebestimmungen, die medizinische Situation und straf- oder zollrechtliche Besonderheiten eines Landes. Solche Hinweise gibt das Auswärtige Amt für jedes Land.
Sicherheitshinweise
Solche Vermerke machen auf besondere Risiken für Reisende in einem Land und dort lebende Deutsche aufmerksam. Das betrifft zum Beispiel Gefahren durch Kriminalität oder Terrorismus. Das Auswärtige Amt kann wegen solcher Einschränkungen in einem abgestuften System von nicht unbedingt erforderlichen Reisen oder auch grundsätzlich von allen Reisen in ein bestimmtes Land abraten.

Reisewarnungen
Sie enthalten den "dringenden Appell", Reisen in ein Land oder in eine Region innerhalb des Landes zu unterlassen. Gewarnt wird dann, wenn "eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht", heißt es beim Auswärtigen Amt. Deutsche, die in dem betroffenen Land leben, werden dann zur Ausreise aufgefordert.

Haben die Hinweise rechtliche Bedeutung?
Die Hinweise des Auswärtigen Amtes seien teilweise undurchsichtig und nicht bindend, sagte Reiserechtler Ronald Schmid von den Technischen Universitäten Dresden und Darmstadt. Grundsätzlich müssten Veranstalter und Reisende auf der Grundlage seriöser Berichterstattung in den Medien im konkreten Einzelfall auch selbstständig prüfen, ob in der Urlaubsregion eine vorher nicht zu erwartende höhere Gewalt vorliegt.

Wird die Reise dadurch "erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt", können Urlauber den Vertrag laut Paragraf 651j des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) kündigen.

Es könne sich im Einzelfall schon um höhere Gewalt handeln, wenn noch keine "echte" Reisewarnung vorliegt, sondern nur von Reisen abgeraten wird, so Schmid. "Denn der Hinweis, nicht notwendige Reisen zu unterlassen, ist wohl eher als eine abgeschwächte Reisewarnung zu bewerten", sagte der Experte.

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Chaos in Kairo: Ausschreitungen, Schüsse, Plünderungen