Ausfälle und Verspätungen ICE-Verkehr auch nächste Woche gestört

Verspätungen und Zugausfälle werden ICE-Passagiere auch in der kommenden Woche ertragen müssen. Die Kontrollen der Schnellzüge werden fortgesetzt. Bahn-Chef Mehdorn hat den Herstellern ein Ultimatum gestellt.


Berlin - Der Fernverkehrsfahrplan der Bahn droht wegen der Sicherheitsrisiken mit den ICE-Achsen vorerst Makulatur zu werden. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn setzte der Bahnindustrie am Freitag ein Ultimatum, "so schnell wie möglich" verbindliche Aussagen über die Haltbarkeit der Achsen zu treffen. Hintergrund ist, dass die zahlreichen Achsprüfungen der mehr als 130 ICE-3- und ICE-T-Züge entgegen den Hoffnungen der Bahn AG auch nach dem Wochenende den Betriebsablauf erheblich stören werden.

In der zu Ende gehenden Woche war es zu häufigen Zugausfällen gekommen, weil die Züge rund um die Uhr wegen verkürzter Prüfintervalle in die Werkstatt mussten. Teils fiel die Hälfte des Platzangebots weg, auf einzelnen Verbindungen mussten Busse eingesetzt werden.

"Um einen zuverlässigen Fahrplan im Fernverkehr in nächster Zeit noch sicherstellen zu können, brauchen wir von den ICE-Herstellern endlich klare und verbindliche Aussagen über die Haltbarkeit und Prüfintervalle der ICE-Achsen", zitierte eine Bahn-Sprecherin den Vorstandschef. Er hat nach Informationen der Nachrichtenagentur AP am Freitag mit den Spitzen der Hersteller Siemens und Bombardier gesprochen. Der ICE wird unter anderem auch von Alstom gebaut. Die Radsätze stammen unter anderem von der Georgsmarienhütte-Tochter Bochumer Verein.

Offiziell gab es keine Angaben darüber, welche Konsequenzen die Bahn zieht, wenn sich die Hersteller nicht vor Wochenbeginn zu einer belastbaren Aussage bereit erklären. Denkbar wäre aber, die fraglichen Typen in diesem Fall aus dem Verkehr zu ziehen und die Einnahmeausfälle den Herstellern in Rechnung zu stellen. Diese hatten für die Achsen nach Bahn-Angaben Prüfintervalle von 480.000 Kilometern Laufleistung vorgesehen; nach dem Unfall mit einer gebrochenen Achse im Juli in Köln verfügte das Eisenbahn-Bundesamt jedoch die Intervalle auf 30.000 Kilometern. Das erreichen die Züge etwa alle drei Wochen.

"Es kann nicht so weitergehen, dass wir hier ständig mit veränderten Fakten und Einschätzungen konfrontiert werden", wurde Mehdorn zitiert. "Die DB bemüht sich daher im Interesse unserer Kunden intensiv darum, so schnell wie möglich belastbare Aussagen der Industrie zu bekommen."

abl/AP/Reuters



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