Flughäfen Australien will Passagiere komplett elektronisch checken

Keine Bordkarten, kein Stempel im Pass: Die australische Regierung plant, ihre Flughäfen mit modernsten Technologien auszustatten. Sie setzt dabei voll auf biometrische Daten.

Am Flughafen in Sydney:
Getty Images/Bloomberg

Am Flughafen in Sydney:


Wer in Australien landet, muss am Flughafen vielleicht bald keinen Pass mehr vorzeigen und sich in keiner Schlange anstellen: Die australische Regierung plant, die Ein- und Ausreise fast komplett elektronisch abwickeln zu lassen, wie die Zeitung "Sydney Morning Herald" am Sonntag berichtet.

Die Einreise- und Grenzschutzbehörde wolle in den kommenden Jahren in allen Flughäfen Technologien installieren, die Bordkarten überflüssig machen und Passkontrolleure mit elektronischen Stationen ersetzen, heißt es in dem Bericht.

Die Pläne wären deutlich weitreichender als die elektronischen Passlesegeräte, die es seit einigen Jahren an australischen wie auch an deutschen Flughäfen gibt. Stattdessen sollen Reisende mithilfe von biometrischen Daten, also zum Beispiel anhand von Fingerabdruck, Iris oder Gesichtszügen erkannt werden.

Das Projekt "Seamless Traveller" laufe schon seit 2015 mit einem Budget von umgerechnet rund 70 Millionen Euro über fünf Jahre, schreibt die Zeitung. Im Juli solle zunächst der Flughafen in Canberra umgerüstet werden. Bis März 2019 sollen alle Flughäfen entsprechend modernisiert sein.

Riesige Mengen an Passagierdaten

Welche Technologien zum Einsatz kommen, sei noch nicht entschieden, sagte eine Sprecherin der Einreisebehörde. John Coyne vom Thinktank Australian Strategic Policy Institute sagte, denkbar seien spezielle Korridore, in denen die biometrischen Daten der Fluggäste abgeglichen würden, ohne dass diese anhalten müssten.

Die Hoffnung dahinter: Mitarbeiter und Grenzschützer könnten sich an den Flughäfen auf solche Passagiere konzentrieren, die als Problemfälle gelten.

Australien sei "den meisten Ländern um Meilen voraus", was Technologien an Flughäfen betreffe, zitierte die Zeitung John Coyne. Die Innovation sei möglich, weil riesige Mengen an Passagierdaten - wie Reiseverlauf und Kriminalstatistik - global gespeichert und im Hinterzimmer analysiert werden könnten.

In Deutschland sind solche Projekte im Hinblick auf Datenschutz und Wahrung von Persönlichkeitsrechten höchst umstritten. Die Einführung der ersten Körperscanner 2010 wurde von vielen als Einbruch in die Privatsphäre kritisiert. Bis heute läuft der Einsatz der Geräte nicht immer reibungslos.

lov

Mehr zum Thema
Newsletter
Die schönsten Reiseziele: Nah und Fern


insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kumi-ori 22.01.2017
1.
Sehr praktisch. In Zukunft wird jeder wissen, wer wann wo vorbeigegangen ist. Dank biometrischer Erkennung der Gesichtszüge.
dorffburg 22.01.2017
2.
Brave New World wird Wirklichkeit. 1984 haben wir ja schon.
ffmfrankfurt 22.01.2017
3.
Finde ich sehr gut. Ich habe nichts zu verbergen, die Einreise für mich erleichtert sich, die lästigen Warteschlange nach langen Flügen fallen weg – tolle Idee. Australien, ich komme wieder.
DrStrom66 22.01.2017
4. Überall
ich denke das passiert überall schon, es ist nur noch nicht öffentlich gemacht worden.Selbst in Deutschland wird bestimmt schon solcher Abgleich gemacht.
PeterVietz 22.01.2017
5. ffmfrankfurt hat nichts zu verbergen
Teilen Sie uns bitte ihren Bankdaten mit, so wie das Passwort für das Onlinebanking. Ich will kein Geld überweisen etc., mich interessiert nur Ihre Kontobewegungen. Ihr realer Name wäre auch interessant, so dass dieser sichtbar ist. Wenn Sie dies nicht machen, haben Sie doch was zu verbergen. Fragt sich nur was?! Wenn Sie jetzt sagen, dies sei ja was anderes - warum bringen Sie dann den Spruch "Ich habe nichts zu verbergen", wenn Sie dann doch was zu verbergen haben!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.