Entschärfter Sicherheitshinweis Auswärtiges Amt rät nicht mehr von Ägypten-Reisen ab

Entwarnung für Ägypten-Fans: Das Außenministerium empfiehlt nun nicht mehr, auf Reisen in die Urlaubsgebiete des Krisenlandes zu verzichten. Der Veranstalter TUI reagierte prompt und nahm Ägypten wieder ins Programm.

Pyramiden von Gizeh: Vorsicht ist bei Reisen weiterhin geboten
REUTERS

Pyramiden von Gizeh: Vorsicht ist bei Reisen weiterhin geboten


Berlin - Das Auswärtige Amt in Berlin hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten entschärft. Es rät nicht mehr grundsätzlich von Reisen dorthin ab. Touristen sollten aber im ganzen Land - ausdrücklich auch in den Badeorten am Roten Meer - besonders vorsichtig sein, rät das Ministerium.

Weiterhin abgeraten wird von Reisen in das Nildelta außerhalb von Kairo und Alexandria sowie in das Niltal zwischen Kairo im Norden und Luxor im Süden. Besucher der Urlaubsgebiete am Roten Meer sollten die Orte an der Küste nicht verlassen. Von Ausflügen ins Hinterland rät das Auswärtige Amt ab. Dazu zählten auch Trips zum Katharinenkloster am Berg Sinai sowie Landausflüge nach Luxor und Assuan.

Auch von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara, vor allem in die Grenzregionen zu Libyen und zum Sudan, raten die Experten eindringlich ab. Für den Norden der Sinai-Halbinsel und das ägyptisch-israelische Grenzgebiet gilt weiterhin eine Reisewarnung.

Wochenlang riet das Auswärtige Amt von Reisen in alle Teile des Landes ab. Gründe waren immer neue Auseinandersetzungen zwischen politischen Gegnern, Hunderte Tote und die Verhängung des Ausnahmezustands durch die Regierung. Daraufhin sagten einige Reiseveranstalter ihre Reisen ab, andere boten kostenlose Stornierungen und Umbuchungen an.

Bereits in der vergangenen Woche kündigten DER Touristik und Thomas Cook an, ab dem 30. September wieder Reisen anzubieten. Am Mittwoch zog TUI als Reaktion auf den entschärften Reisehinweis ebenfalls nach. Ab sofort nähmen die Marken TUI, 1-2-Fly, Airtours und Discount Travel wieder Reisen ans Rote Meer ins Programm. Ob auch Luxor, Kairo und Nilkreuzfahrten wieder angeboten werden, prüfe der Veranstalter derzeit noch.

Was bedeuten die Hinweise des Auswärtigen Amtes?
Reisehinweise
Sie enthalten zum Beispiel Informationen über die Einreisebestimmungen, die medizinische Situation und straf- oder zollrechtliche Besonderheiten eines Landes. Solche Hinweise gibt das Auswärtige Amt für jedes Land.
Sicherheitshinweise
Solche Vermerke machen auf besondere Risiken für Reisende in einem Land und dort lebende Deutsche aufmerksam. Das betrifft zum Beispiel Gefahren durch Kriminalität oder Terrorismus. Das Auswärtige Amt kann wegen solcher Einschränkungen in einem abgestuften System von nicht unbedingt erforderlichen Reisen oder auch grundsätzlich von allen Reisen in ein bestimmtes Land abraten.

Reisewarnungen
Sie enthalten den "dringenden Appell", Reisen in ein Land oder in eine Region innerhalb des Landes zu unterlassen. Gewarnt wird dann, wenn "eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht", heißt es beim Auswärtigen Amt. Deutsche, die in dem betroffenen Land leben, werden dann zur Ausreise aufgefordert.

Haben die Hinweise rechtliche Bedeutung?
Die Hinweise des Auswärtigen Amtes seien teilweise undurchsichtig und nicht bindend, sagte Reiserechtler Ronald Schmid von den Technischen Universitäten Dresden und Darmstadt. Grundsätzlich müssten Veranstalter und Reisende auf der Grundlage seriöser Berichterstattung in den Medien im konkreten Einzelfall auch selbstständig prüfen, ob in der Urlaubsregion eine vorher nicht zu erwartende höhere Gewalt vorliegt.

Wird die Reise dadurch "erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt", können Urlauber den Vertrag laut Paragraf 651j des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) kündigen.

Es könne sich im Einzelfall schon um höhere Gewalt handeln, wenn noch keine "echte" Reisewarnung vorliegt, sondern nur von Reisen abgeraten wird, so Schmid. "Denn der Hinweis, nicht notwendige Reisen zu unterlassen, ist wohl eher als eine abgeschwächte Reisewarnung zu bewerten", sagte der Experte.

sto/dpa



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