Baby an Bord Immer in der ersten Reihe

Eine Flugreise mit Baby ist unproblematischer, als viele Eltern denken. Die meisten Airlines haben sich auf kleine Fluggäste eingestellt und bieten vom Babybett bis zur Windel einen umfangreichen Service am Boden und an Bord - allerdings zu sehr unterschiedlichen Preisen.

Von Marion Schmidt


Flug LH 502 nach Buenos Aires ist startklar; der Jumbo steht einstiegsbereit am Gate des Frankfurter Flughafens. Als Erste dürfen Francesca Pillitteri und ihr sechs Monate alter Sohn Filip an Bord gehen. Bis zur Flugzeugtür dürfen sie ihren Kinderwagen schieben, von dort wird er zusammengeklappt und im Gepäckraum verstaut.

Byebye Flieger: Mit Kindern ist eine Flugreise einfacher, als viele Eltern denken
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Byebye Flieger: Mit Kindern ist eine Flugreise einfacher, als viele Eltern denken

An Bord wartet ein Babybett auf den kleinen Fluggast, der gleich mit seinem ersten Flug eine Reise um die halbe Welt antritt. Gut 24 Stunden wird die Reise dauern, dreimal wird das Flugzeug gewechselt werden - das kann anstrengend sein. Doch der kleine Filip bleibt entspannt und schläft allein zwischen Frankfurt und Sao Paulo fast sieben Stunden in seinem Babykörbchen.

Das Fliegen mit Babys ist unproblematischer als viele Eltern denken. "Je kleiner, desto besser", meint Francesca Pillitteri. Weil die Kleinen noch recht viel schlafen und nicht so schnell ungeduldig werden, wenn sie mal zwei Stunden nicht bewegt werden. "Jedes gesunde Kind kann fliegen", sagt auch der Flugmediziner und Hobbypilot Torsten Pollmann aus Dortmund, "und zwar schon ab dem 8. Lebenstag".

Fliegen sei für Kinder weder schädlich noch gesundheitsgefährdend, selbst Langenstreckenflüge seien unproblematisch, sofern sie nicht gerade monatlich stattfinden würden. Nur wenn die Kinder Zahnschmerzen haben oder Atemwegserkrankungen wie Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung sollte man besser aufs Fliegen verzichten. Die Eltern sollten sich bei den Flugzeiten, wenn möglich, am Schlafrhythmus ihrer Jüngsten orientieren.

Nuckeln zum Druckausgleich

Um den Babys den Druckausgleich zu erleichtern, sollten sie bei Start und Landung trinken oder nuckeln. Bei Schnupfen empfiehlt Torsten Pollmann, den Kleinen spätestens eine halbe Stunde vor Start und Landung Nasentropfen zu geben. Und ansonsten darauf zu achten, dass die Sprösslinge auch während des Fluges genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Ins Handgepäck gehören unbedingt Fläschchen und Schnuller, dicke Söckchen gegen kalte Füße, eine Kuscheldecke, Windeln, Feuchttücher zum Saubermachen und kleines Spielzeug oder ein Bilderbuch gegen Langeweile.

Daneben tun auch die Fluggesellschaften einiges, um jungen Eltern das Fliegen so stressfrei wie möglich zu machen. Das beginnt mancherorts schon am Boden, einige Flughäfen wie München und Zürich haben spezielle Spielecken für Kinder eingerichtet. In aller Regel ist es möglich und üblich, den Kinderwagen bis zur Flugzeugtür mitzunehmen. An Bord werden Familien mit Kleinkindern selbst bei Billigfliegern bevorzugt in der ersten Sitzreihe untergebracht; wenn möglich, sollte diese sogenannte Eltern-Kind-Reihe vorab reserviert werden.

Bei längeren Flügen ist es möglich, im Vorfeld ein Babybett zu bestellen, das an der Wand vor den Sitzen aufgehängt wird. Dieser Service gilt jedoch nur für Kinder bis zu einem Jahr und bei der Lufthansa etwa auch nur auf Langestrecken, bei Air Berlin dagegen schon auf einem Flug nach Mallorca. Für die kleinen Gäste halten manche Fluglinien kleine Annehmlichkeiten bereit. Bei Air Berlin beispielsweise gibt es einen Beutel mit Windel, Fläschchen und Lätzchen, bei der Lufthansa gibt es eine Spielrassel. Auf Wunsch wärmen Stewardessen Gläschen auf und bereiten Wasser für Fläschchen zu. Der Wickeltisch in der engen Bordtoilette allerdings, kritisiert Francesca Pillitteri, "ist zu klein und unhandlich".

Baby-Gepäck bis 20 Kilogramm

Die Zeitschrift "Ökotest" hat im vergangenen Jahr den Familienservice von 20 Charter- und Linienfluggesellschaften unter die Lupe genommen. Untersucht wurden Kinderermäßigung, Check-in, Freigepäckmengen, Kindermenüs, Babybett-Reservierung und Abgabe bzw. Empfang von Kinderwagen. Vier Airlines schnitten mit sehr gut ab: Condor, Hapag Lloyd, LTU und KLM. Weitere acht Fluggesellschaften erhielten ein "gut", darunter Air Berlin und Lufthansa. "Mangelhaft" attestierten die Tester dem Anbieter Germanwings. In der Tat, die meisten Airlines legen sich für die Kleinsten ins Zeug, Testsieger LTU beispielsweise bietet einen eigenen Check-in-Schalter für Familien an, außerdem erhalten auch Babys eine Freigepäckmenge von 20 Kilogramm.

Bei anderen Fluggesellschaften lässt der Service hingegen zu wünschen übrig. Der Billiganbieter Ryanair etwa nimmt Kinderwagen nur mit, wenn die Eltern zuvor schriftlich auf jegliche Ersatzansprüche bei Beschädigung oder Verlust verzichten. Große Unterschiede gibt es auch beim Preis: Während HLX Kleinkinder bis zu zwei Jahren für neun Euro pro Strecke transportiert und Air Berlin lediglich zehn Prozent vom Erwachsenen-Flugpreis kassiert, bei beiden inklusive aller Steuern und Gebühren, verlangt die Lufthansa zwar auch nur zehn Prozent vom Flugpreis, doch dazu die gesamten Gebühren und zusätzlich die Ticket Service Gebühr von zehn Euro.

Doch egal wie gut der Familienservice oder der Preis auch sind - für Eltern können lange Flugreisen mit Baby dennoch stressig sein. Als Familie Pillitteri-Gustafsson nach gut 24 Stunden ihr Ziel, Cordoba, erreicht, schiebt Francesca Pillitteri den Sohn Filip wieder aus dem Flugzeug. Der Kleine blinzelt fröhlich ausgeruht in die argentinische Sonne. Die Eltern hingegen sind fertig - Francesca Pillitteri hat 24 Stunden kein Auge zugetan.



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