Alleinreisende Frauen Aber sicher!

Eine neue Studie benennt die zehn unsichersten Länder für Frauen - gut zu wissen. Doch interessanter ist das Gegenteil: Wohin können Frauen ohne große Bedenken reisen?

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Eine Horror-Hitparade der Stiftung Thomson Reuters macht die Runde: Eine Liste der angeblich riskantesten Länder für Frauen. Es ist ein Verzeichnis, das von Säureattacken und Verstümmelungen als "Strafe" berichtet, von genitalen Beschneidungen und erzwungener Kinderheirat, von der Tötung weiblicher Säuglinge, Zwangsheirat und -prostitution, von ungeahndeten sexuellen Übergriffen.

Damit sind natürlich vor allem Risiken für Frauen gemeint, die in dem jeweiligen Land leben. Einige der abgefragten Faktoren machen aber auch das Reisen dort zu einer heiklen Sache für Frauen.

Die Journalistenstiftung mit Sitz in Großbritannien befragte insgesamt 548 auf Frauenthemen spezialisierte Expertinnen und Experten - von Forschern und Mitarbeitern von Hilfs- und Gesundheitsorganisationen bis zu Journalisten und Politikern. Eine Meinungsumfrage also, die sich allerdings auf sehr informierte Quellen stützt.

Auch die USA rutschten 2018 in diese beschämende Liste - ein Resultat der zahlreichen Berichte über sexuelle Diskriminierungen und Straftaten, die durch die #MeToo-Bewegung an die Öffentlichkeit kamen.

Die "Top Ten" der gefährlichsten Länder für Frauen:

1. Indien
2. Afghanistan
3. Syrien
4. Somalia
5. Saudi Arabien
6. Pakistan
7. Demokratische Republik Kongo
8. Jemen
9. Nigeria
10. USA

Die Ergebnisse decken sich mit denen anderer Studien und Befragungen: Auch das Auswärtige Amt spricht für die meisten der aufgeführten Länder Reisewarnungen aus.

Alleinreisende Frauen: ein Trend

Das Thema alleinreisende Frauen ist von wachsender Relevanz. Statistiken über das Reiseverhalten sind zwar selten repräsentativ und häufig sehr widersprüchlich. Zumindest tendenziell lassen sich über die vergangenen Jahre aber drei kräftige Trends beobachten:

  • Immer mehr junge Leute gehen auf Reisen;
  • Immer mehr junge Leute tun dies allein;
  • Immer mehr junge Frauen reisen allein - einigen Statistiken zufolge reisen inzwischen mehr Frauen als Männer ohne Begleitung.

In der Vorbereitung solcher Reisen ist es relativ einfach, Warnungen über spezifische Länder zu finden. Empfehlungen sicherer Reisegebiete gibt es dagegen weniger häufig.

Dafür gibt es einen einfachen Grund: Warnungen sind sicherer zu belegen als Empfehlungen. Die Warnung macht sich an belegbaren Gefährdungen oder aktuellen Ereignissen fest. Die Entwarnung oder Empfehlung ist stets eine Einschätzung und kann durch Ereignisse widerlegt werden. Wie aber kommt man dann zu einer verlässlichen Liste sicherer Reiseziele?

Blogs, Apps und Services

Nur mit Abstrichen: Absolute Sicherheit kann niemand garantieren. Individuelles Unglück ist nie auszuschließen - im Extremfall kann man in einer Mönchsrepublik vom Auto überfahren werden. Dennoch lässt sich erfassen, wo Reisenden besonders wenig passiert.

Der bekannteste Ansatz ist die Travel Risk Map von International SOS. Die Organisation bietet auch eine kleine Broschüre mit elementaren Sicherheitsgrundregeln für weibliche Reisende an. Der Sicherheitsdienstleister ist eigentlich darauf spezialisiert, Geschäftsreisende abzusichern - mit Vorbereitungen, Tracking und im Notfall weiteren Maßnahmen. Er gehört deshalb, ähnlich wie der Absicherungs- und Lokalisierungsdienstleister Safeture, zu den bestinformierten Beobachtern der weltweiten Sicherheitslage für Reisende.

Travel Risk Map: Die Ampellogik erklärt sich von selbst
Travelriskmap.com

Travel Risk Map: Die Ampellogik erklärt sich von selbst

Ganz ähnlich funktioniert der Safe Cities Index des britischen Wirtschaftsmagazins "Economist". Auch hier steht die Sicherheit von Businessreisenden im Vordergrund - mit Faktoren wie Sicherheit der Infrastrukturen im Katastrophenfall, Verkehr, Kriminalität oder Gesundheitsversorgung. All das ist aber auch für Touristinnen relevant, das Städteranking dementsprechend ein Indikator dafür, wo Frauen sich ohne zu große Bedenken frei bewegen können.

2017 sahen die Top 5 des Rankings der sichersten Städte so aus:

1. Tokio
2. Singapur
3. Osaka
4. Toronto
5. Melbourne

Dreimal Asien, dazu Kanada und Australien - alles Fernreiseziele mit gutem Leumund. In Befragungen über ihre Bedrohungsgefühle äußern deutsche Reisende deutlich andere Präferenzen. Sie fühlen sich offenbar umso sicherer, je näher sie ihrer Heimat bleiben.

Auch das ist aber durchaus richtig: Europa gilt vor allem in seinen westlichen und nördlichen Teilen als sichere Reiseregion. Wer eine Reise nur nach dem Kriterium der persönlichen Sicherheit plant, braucht aber oft Regenkleidung und Wollsocken, denn die sichersten Reiseländer der Welt sind:

  • Island
  • Norwegen
  • Dänemark
  • Finnland
  • Grönland

Schweden gilt ebenfalls als sehr sicher, liegt aber in mehreren Indizes noch hinter Luxemburg.

Südostasien: Stressfreie Zone für alleinreisende Frauen

Ein ähnliches Cluster von Ländern, in denen entspanntes Reisen für Frauen möglich ist, liegt in Südostasien: Vietnam, Laos, Kambodscha und Thailand liegen nah beieinander und haben neben Pho-Suppen weitere Gemeinsamkeiten. Die auffälligste: Sie teilen in der Regel eine Kultur der Unaufdringlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber dem Gast. Aus weiblicher Perspektive heißt das: Man wird normalerweise nicht belästigt, bedrängt oder angebaggert.

Als weitgehend sichere Reiseländer gelten zudem Neuseeland, Kanada, Australien, Japan, Malaysia und Singapur.

Erhöhen lässt sich die persönliche Sicherheit auch, wenn man bei vertrauenswürdigen Gastgebern unterkommt. Es gibt kommerzielle Anbieter, die so etwas organisieren - aber auch freie Netzwerke wie das spendenfinanzierte 5W, in dem Frauen anderen Frauen Unterkunft gewähren. Ähnliches versucht Bungeegirl auf App-Basis.

Dazu kommen zahlreiche Travel-Apps, die aktualisierte Sicherheitsinformationen bieten. Einen interessanten Weg geht dabei die App Geosure, in deren Datenbestand Infos von App-Nutzern einfließen - der "Schwarm" sorgt dafür, dass die App dazulernt.

Auch das Auswärtige Amt beobachtet aktuelle Entwicklungen weltweit - und informiert reisende Bürger darüber: Sicher Reisen ist eine kostenlose Reise-App, in die bis in die Tagesaktualität hinein die Warnungen des Außenministeriums einfließen.

Manche Länder sind sicher, weil das in ihrer Kultur angelegt ist; andere, weil Gesetzeslagen vor Ort drakonisch streng sind - wer sich danebenbenimmt, setzt sich dann selbst erheblichen Sicherheitsrisiken aus. Höchst gefährlich ist in einigen asiatischen Ländern beispielsweise Drogenbesitz: Im Extremfall droht die Todesstrafe bei Haschischkonsum.

Auch in anderer Hinsicht kann der Sicherheitsbegriff relativ sein. So dürfen sich alleinreisende Frauen in Vietnam so sicher fühlen wie sonst an kaum einem Ort der Welt. Zugleich setzt sich jede Reisende in dem südostasiatischen Land einem der weltweit höchsten Risiken aus, im Straßenverkehr zu Schaden zu kommen. Sicherheit ist also immer Abwägungssache, die von vielen Faktoren abhängt.

Video: Urlaub in islamischen Ländern - Als Frau in Iran?

dbate.de


insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
mangolover 28.06.2018
1. Zu Vietnam
Sicher vor sexuell motivierter Belästigung, aber nicht vor Diebstahl, Raub und Betrug.
Rosenhag 28.06.2018
2.
Einfach nur lächerlich, wg. metoo die USA als gefährlich für alleinreisende Frauen hinzustellen. Im übrigen war jedenfalls in meiner Jugend die Gefahr ein Teil des Reizes. Wie wär's dann mit einem Cluburlaub in Südostasien, zu Hause kann man sich dann mit dem Nimbus der erfahrenen Weltreisenden umgeben. Möglichst schweigen und erhaben gucken wirkt da schon, jedenfalls auf die Selbstwahrnehmung.
Bondurant 28.06.2018
3. Also so richtig
verstehen kann man das Auch die USA rutschten 2018 in diese beschämende Liste - ein Resultat der zahlreichen Berichte über sexuelle Diskriminierungen und Straftaten, die durch die #MeToo-Bewegung an die Öffentlichkeit kamen. ohne weitere Erklärung nicht. Vielleicht einmal zur Begrifflichkeit Sexuelle Diskriminierung ist zwar Unrecht, birgt aber keine Gefahr für eine Touristin.
Atheist_Crusader 28.06.2018
4.
Zitat von Bondurantverstehen kann man das Auch die USA rutschten 2018 in diese beschämende Liste - ein Resultat der zahlreichen Berichte über sexuelle Diskriminierungen und Straftaten, die durch die #MeToo-Bewegung an die Öffentlichkeit kamen. ohne weitere Erklärung nicht. Vielleicht einmal zur Begrifflichkeit Sexuelle Diskriminierung ist zwar Unrecht, birgt aber keine Gefahr für eine Touristin.
Das war nicht bloß Diskriminierung, sondern auch handfeste Belästigung und Schlimmeres. Dennoch, dass dies in den USA schlimmer sein soll als in Nordafrika oder Osteuropa halte ich für dezent fragwürdig. Nicht zuletzt: dass man überhaupt groß darüber spricht ist ja schon ein Anzeichen eines Problembewusstseins - in anderen Ländern (und nicht nur den Top 9) fällt das noch unter "Die Schlampe soll sich mal nicht so anstellen, was zieht sie sich auch so nuttig an?".
liquimoly 28.06.2018
5. Widersprüchliche Angaben
Unter den Top10 der gefährlichsten Staaten werden die USA aufgeführz. Auf der Map hingegen sind die Vereinigten Staaten gelb.
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