Vermurkste Bauplanung Bahnhofstüren lassen sich nach Umbau nicht öffnen

Barrierefrei kann man das wohl nicht nennen: In Bad Bentheim wurde der Bahnsteig erhöht, um Rollstuhlfahrern den Zugeinstieg zu erleichtern. Dafür sind nun die Bahnhofstüren nicht mehr zu nutzen.

Bahnhof Bad Bentheim
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Bahnhof Bad Bentheim


Gut gemeint, schlecht geplant: Nach einem Umbau am Bahnhof Bad Bentheim können Passagiere nicht mehr auf gewohntem Weg von den Ticketautomaten zu ihrem Zug gelangen. Der Bahnsteig wurde erhöht, daher lassen sich die Türen des Gebäudes zu den Gleisen nicht mehr öffnen.

Reisende können über einen Stuhl durch ein geöffnetes Fenster klettern oder um das Gebäude herumgehen. Durch die Erhöhung des Bahnsteigs um circa 40 Zentimeter wurde erreicht, dass der Einstieg in die Züge für Rollstuhlfahrer leichter wird.

Bei Twitter kursieren schon Fotos vom Pannenbahnhof und amüsierten Kommentare:

Was aussieht wie ein Schildbürgerstreich, ließ sich nach Auskunft des Bürgermeisters von Bad Bentheim, Volker Pannen, nicht verhindern. "Es muss erst schlechter werden, bevor es besser wird", sagt der SPD-Politiker. "Die große Mehrheit der Leute nimmt es mit Humor."

Grund für das Planungsdesaster sind unterschiedliche Auftraggeber: Für die Arbeiten rund um die Gleise ist die Deutsche Bahn zuständig, Eigentümerin des historischen Bahnhofs ist zurzeit noch die Stadt. Sie will ihn an die Verkehrsgesellschaft Bentheimer Eisenbahn verkaufen, sobald Fördermittel der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LVNG) in Höhe von 1,1 Millionen Euro bewilligt worden sind. Dann könne der Umbau des Gebäudes starten, für den 3,3 Millionen Euro veranschlagt sind, berichtet Pannen.

Die Aufstockung des Bahnsteigs habe von der Bahn nicht später terminiert werden können, erläutert der Bürgermeister. 4,6 Millionen Euro investieren die DB, der Bund und die LNVG in den Umbau des Bahnhofs des Kurortes an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. Der Boden des Gebäudes sowie der Vorplatz sollen erhöht werden. Die Arbeiten werden nach seiner Einschätzung bis Ende 2017 dauern.

"Mehr ein Notausstieg"

Die Arbeiten seien mit dem Eigentümer des Bahnhofsgebäudes abgestimmt gewesen, sagt die Sprecherin der Deutschen Bahn (DB), Sabine Brunkhorst. Sie findet die Situation gar nicht lustig. "Ich halte es wegen der Unfallgefahr für völlig absurd, Leute durchs Fenster zu lassen", meint sie. "Wir werden den Eigentümer und den Nachnutzer des Gebäudes eindringlich darauf hinweisen, dafür zu sorgen, dass die Reisenden ausschließlich den sicheren und barrierefreien Weg um das Gebäude herum zum Bahnsteig nehmen."

Schon seit April sind die Türen zu den Gleisen zugemauert. Erst berichtete die Lokalpresse, in der vergangenen Woche brachte das NDR-Satiremagazin "Extra 3" einen Fernsehbeitrag in der Rubrik "Realer Irrsinn." Darin sind Senioren zu sehen, die ein Ticket ziehen, dann erst ihre Koffer durchs Fenster hieven und hinterherklettern.

Lara Wiencke, die regelmäßig von Enschede in ihre Heimat Hamburg pendelt, macht es auch so. "Ich finde es eher lustig. Mir macht das nichts aus", sagt die Studentin. Walter Eberhard aus Nordhorn meint: "Meine Frau ist sportlicher als ich, die springt auch durchs Fenster." Bürgermeister Pannen selbst ist Bahnfahrer, aber noch nicht durchs Fenster geklettert. "Das ist auch mehr ein Notausstieg", sagt er.

abl/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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pommbaer84 30.08.2016
1. Bitte korrigieren
Bentheim liegt nicht im Emsland, sondern in der Grafschaft Bentheim. - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. Redaktion Forum
apestuipe 30.08.2016
2. und dieses Dilemma
hat natürlich während der Bauarbeiten keiner kommen sehen können. Kein Wunder, dass es mit dem Flughafen nicht klappt;-)
fehleinschätzung 30.08.2016
3. Alter Hut
kam schon bei Extra3 - trotzdem lustig.
eigene_meinung 30.08.2016
4.
Alkohol, Drogen, oder einfach nur Schwachsinn?
Sleeper_in_Metropolis 30.08.2016
5.
Tja - irgendwas is' ja immer.
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