Bagan Burma verbietet Touristen das Klettern auf Tempel

Die letzten Selfies vom Sonnenuntergang-Spotting in Bagan sind gezählt. Denn in Burma ist das Besteigen der berühmten Tempel ab März verboten - weil sich Touristen mal wieder nicht benehmen konnten.

DPA

Für Touristen ist es einer dieser unvergesslichen Momente: in der historischen Königstadt Bagan auf einem Tempel sitzen und der Sonne beim Auf- oder Untergehen zuschauen. Doch damit ist es bald vorbei. Burma verbietet ab dem 1. März das Besteigen der Hunderte Jahre alten Bauwerke, wie das Kultusministerium mitteilt. Das Kulturerbe des Landes müsse geschützt werden, hieß es.

Auslöser war offenbar ein Video von einer Firmenveranstaltung mit Tanz und Gesang auf einer Pagode, das in sozialen Medien Empörung auslöste. Es wurde inzwischen gelöscht.

"Menschen, die Pagoden besteigen, benehmen sich oft schlecht", schreibt das Ministerium auf seiner offiziellen Facebook-Seite. Das Verhalten sei geradewegs schändlich, etwa wenn Touristen unpassende Kleidung trügen, auf den Denkmälern tanzten oder dort schliefen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Touristen in ihrem Urlaubsland den Groll auf sich ziehen, nachdem sie sich unangemessen verhalten haben. Im vergangenen Jahr war es an manch einem asiatischen Reise-Hotspot offenbar en vogue, sich die Kleider vom Leib zu reißen, um dann für ein Foto zu posieren. Im Sommer wurde in Malaysia gegen zwei Kanadierinnen, einen Niederländer und einen Briten wegen unsittlicher Entblößung ermittelt. Sie hatten den höchsten Gipfel des Landes - den Kinabalu, der als heiliger Berg verehrt wird - bestiegen und sich dort nackt ausgezogen. Und vor gut einem Jahr hatten zwei US-Amerikanerinnen in der kambodschanischen Tempelanlage Angkor Wat Nacktfotos von sich gemacht.

Nun kam es auch in Burma zu einem frevelhaften Fauxpas mit Folgen. Die Bagan-Ebene am Ostufer des Irrawaddy mit mehr als 3000 Tempeln und Pagoden ist eine der bedeutendsten Ansammlungen alter Bauwerke in Südostasien. Die ältesten Gebäude stammen aus dem 11. Jahrhundert. Allerdings ließ die Junta der einstigen Militärdiktatur viele in den Neunzigerjahren mit Zement und Ziegeln reparieren. Historiker beklagen, dass dabei alle Regeln authentischer Restauration verletzt wurden.

Die Tourismusindustrie kritisiert das Kletterverbot. Den Sonnenuntergang von der Terrasse eines Tempels aus anzuschauen, gehöre zu den Highlights jeder Bagan-Tour, sagte der Vorsitzende der Fremdenführergilde in Bagan, Win Zaw Cho. "Das wird die Touristen verärgern." Am Abend drängen sich regelmäßig Hunderte Touristen auf den schmalen Tempelstufen. Die Zahl der Bagan-Besucher hat sich seit dem Ende der Militärjunta 2011 auf 250.000 im Jahr verdoppelt.

jus/dpa

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