Neue Zugverbindung Mit Hochgeschwindigkeit von Frankfurt nach Marseille

Lyon, Avignon und Aix-en-Provence: Diese Städte können Zugreisende jetzt noch schneller erreichen. Am Freitag starten die deutsche und die französische Bahn ihre Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Frankfurt am Main und Marseille.

TGV-Hochgeschwindigkeitszug aus Frankreich: Bereits 9000 Platzreservierungen
dapd

TGV-Hochgeschwindigkeitszug aus Frankreich: Bereits 9000 Platzreservierungen


Berlin - In weniger als acht Stunden von Frankfurt am Main bis ans Mittelmeer fahren - ab Freitag ist dies möglich. Ab diesem Tag bietet die französische Staatsbahn SNCF gemeinsam mit der Deutschen Bahn (DB) eine direkte Hochgeschwindigkeitsverbindung von der Main-Metropole in die südfranzösische Stadt Marseille an - via Mannheim, Karlsruhe, Baden-Baden, Straßburg, Besançon, Lyon, Avignon und Aix-en-Provence.

Zunächst ist täglich eine Hin- und Rückfahrt im Programm. Der doppelstöckige französische TGV mit acht Waggons startet um 14 Uhr in Frankfurt, die Ankunft in Marseille ist für 21.46 Uhr geplant. Für die Rückfahrt in Richtung Norden startet der Zug um 8.14 Uhr am Bahnhof St. Charles mitten in der Marseiller Altstadt und erreicht Frankfurt kurz vor 16 Uhr.

Ab Straßburg rollt der bis zu 320 Kilometer schnelle Zug auf der neuen Hochgeschwindigkeitsverbindung TGV-Rhin-Rhône, die im Dezember in Betrieb genommen wurde. Dank dieser Trasse, die südlich vom Elsass ins Rhône-Tal führt, verkürzt sich die Fahrzeit zwischen Frankfurt und Marseille um rund 90 Minuten.

Die Resonanz auf das neue Angebot sei gut, versichert ein Sprecher der Deutschen Bahn, die das Projekt gemeinsam mit der SNCF betreibt. Seit Beginn des Vorverkaufs am 24. Dezember seien in Deutschland gut 9000 Plätze reserviert worden. Jeweils drei Monate vor dem Reisedatum können sich Kunden ein Ticket kaufen - für die Hauptferienzeit im Juli und August hat dieser Reservierungszeitraum also noch nicht begonnen.

"Mit Beginn der Ferien wird die Auslastung der Züge sicher stark ansteigen", sagt der DB-Sprecher. Zumal die Preise selbst gegenüber Billigfliegern günstig seien. Die billigste Fahrt Frankfurt-Marseille ist mit dem Angebot "Europa-Spezial" bei früher Buchung ab 39 Euro zu haben. Auch Rabatte mit der deutschen Bahncard gelten im TGV. Der reguläre Preis für ein Ticket kann allerdings bis auf 142 Euro klettern.

Die Bahngesellschaften setzen mit diesem Angebot vor allem auf Touristen. Die DB wirbt daher gezielt mit Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. In einem Flyer verweist sie etwa auf die Altstadt von Lyon, deren Renaissance-Bauten von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurden, auf den ehemaligen Papstsitz Avignon mit seiner berühmten Brücke, das malerische Aix-en-Provence oder den alten Hafen von Marseille mit seinen Cafés und Restaurants. Die SNCF wiederum wirbt mit einem angebissenen Lebkuchenherz und dem Slogan "Ich liebe Dich" für Deutschland als Reiseziel für Franzosen.

Kunden auf die Schiene holen

Beide Bahngesellschaften haben bereits Erfahrung mit der Kooperation: Seit fast fünf Jahren verkehren TGV-Züge zwischen Paris, Stuttgart und München. Die DB nutzt die im Juni 2007 fertiggestellte Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Paris und Ostfrankreich ebenfalls: Sie schickt deutsche ICE-Züge via Saarbrücken und Metz in die Seine-Metropole. Bisher haben laut DB rund sechs Millionen Reisende dieses Angebot genutzt.

Ein solches Ergebnis dürfte die neue Verbindung Frankfurt-Marseille freilich nicht bringen, zumal sie für Geschäftsreisende kaum interessant ist. Wirtschaftlich profitiert vor allem die SNCF von der Kooperation, da sich nur 200 der insgesamt gut tausend Kilometer langen Strecke auf deutschem Boden befinden. Die Deutsche Bahn sieht das neue Angebot denn auch in erster Linie als Teil ihrer Strategie, den grenzüberschreitenden Bahnverkehr weiter auszubauen und vor allem dem Flugverkehr Kunden abzujagen.

Dazu hat sie sich mit den Bahngesellschaften in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz in dem Bündnis "Railteam" zusammengeschlossen. Einen Rückschlag musste die Bahn allerdings bei ihrem Prestige-Projekt, der geplanten ICE-Verbindung nach London, hinnehmen. Der 2013 vorgesehene Startbeginn musste verschoben werden, weil sich die Auslieferung der 16 neuen ICE-Züge durch Siemens verzögert.

Siemens-Chef Peter Löscher hat vor kurzem erklärt, er gehe fest davon aus, dass bis zum Winterfahrplan 2012/13 bis zu zehn der 16 Züge zur Verfügung stehen. "Wir müssen warten, bis diese Züge geliefert werden", sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage. Einen neuen Termin gebe es noch nicht.

Neben der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Frankreich gibt es allerdings eine weitere europäische Fernverbindung, die dieses Jahr eröffnet wird: Am 6. Juni soll der Eurocity Berlin-Danzig starten, kurz vor der Fußball-Europameisterschaft 2012. Rund sieben Stunden dauert die Fahrt in den EM-Spielort.

jus/AFP/dapd



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Seite 1
Robert_Rostock 22.03.2012
1.
Zitat von sysopdapdLyon, Avignon und Aix-en-Provence: Diese Städte können Zugreisende jetzt noch schneller erreichen. Am Freitag starten die deutsche und die französische Bahn ihre Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Frankfurt am Main und Marseille. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,822954,00.html
Ob Journalisten jemals lernen, zwischen Bahnstrecke und Zugverbindung zu unterscheiden? Es wird keine Strecke neu eröffnet, die von diesem Zug genutzten Strecken sind alle schon da. Es verkehrt jetzt "nur" erstmals ein durchgehender TGV von Frankreich in die Provence. Wenn eine neue Buslinie von Hamburg nach Berlin aufmacht, schreiben Sie doch hoffentlich auch nicht von der Eröffnung einer neuen Autobahn?
chunky 22.03.2012
2. Da haben wir ja Glück gehabt...
... dass nur 200km der Strecke im Bereich der Deutschen Bahn liegen. Die bringt es tatsächlich fertig, auf diesen 200km an drei Bahnhöfen anzuhalten! Das soll eine Hochgeschwindigkeitsverbindung sein? Zum Vergleich: Auf dem 800km langen französichen Teil der Strecke wird gerade vier mal angehalten.
zebigbos 22.03.2012
3. feine Sache
Zitat von chunky... dass nur 200km der Strecke im Bereich der Deutschen Bahn liegen. Die bringt es tatsächlich fertig, auf diesen 200km an drei Bahnhöfen anzuhalten! Das soll eine Hochgeschwindigkeitsverbindung sein? Zum Vergleich: Auf dem 800km langen französichen Teil der Strecke wird gerade vier mal angehalten.
Da sollte man aber auch mal nach einem Grund fragen. 1.) Die Strecke zwischen FRA und SXB ist ohnehin keine 300km/h Strecke 2.) Solche Fernverbindungen sind schon immer so aufgebaut gewesen, dass am Anfang 2-3 Halte in kurzer Entfernung sind, und am Ende das gleiche. 3.) Ich weiß ja nicht, wo ich sonst in F noch auf der Strecke anhalten wollte?! Da IST ja auch einfach NICHTS. Gerade die Highspeed Strecken Rhin-Rhone und TGV Méditerrannée sind so aufgebaut, dass es keine Bahnhöfe dort gibt. Sonst wären die 320km/h ja auch sinnlos. Ich selber bin schon vor 15 Jahren, damals noch über Paris ans Mittelmeer mit dem Zug gefahren. In F sind diese "Touristen-Züge" ganz normal. Um 11h in Paris-GdL los, um 17h in Marseille, um 19h in Fréjus. Der hat bis Marseille nicht EINMAL angehalten. Damals war TGV Méditerrannée noch nicht fertig. Heute der gleiche Zug in 4h30 nach Fréjus. Das sind fast 900km!! Aber in F wachsen halt auch wenig Berge, und die Strecken sind TGV exklusiv. Da fahren weder Bummelbahnen
Robert_Rostock 22.03.2012
4.
Zitat von zebigbosDa sollte man aber auch mal nach einem Grund fragen. 1.) Die Strecke zwischen FRA und SXB ist ohnehin keine 300km/h Strecke 2.) Solche Fernverbindungen sind schon immer so aufgebaut gewesen, dass am Anfang 2-3 Halte in kurzer Entfernung sind, und am Ende das gleiche. 3.) Ich weiß ja nicht, wo ich sonst in F noch auf der Strecke anhalten wollte?! Da IST ja auch einfach NICHTS. Gerade die Highspeed Strecken Rhin-Rhone und TGV Méditerrannée sind so aufgebaut, dass es keine Bahnhöfe dort gibt. Sonst wären die 320km/h ja auch sinnlos. Ich selber bin schon vor 15 Jahren, damals noch über Paris ans Mittelmeer mit dem Zug gefahren. In F sind diese "Touristen-Züge" ganz normal. Um 11h in Paris-GdL los, um 17h in Marseille, um 19h in Fréjus. Der hat bis Marseille nicht EINMAL angehalten. Damals war TGV Méditerrannée noch nicht fertig. Heute der gleiche Zug in 4h30 nach Fréjus. Das sind fast 900km!! Aber in F wachsen halt auch wenig Berge, und die Strecken sind TGV exklusiv. Da fahren weder Bummelbahnen
Ich bin letztes Jahr mit dem TGV von Hendaye an der Biskaya nach Paris gefahren, und der hielt ähnlich oft wie der ICE von Hamburg nach München. [QUOTE=zebigbos;9867904]Aber in F wachsen halt auch wenig Berge, und die Strecken sind TGV exklusiv. Da fahren weder Bummelbahnen
zebigbos 22.03.2012
5.
das war dann auch kein Touristen Zug. Ich sage nur, dass die Franzosen a) viel mehr Touristen-Züge haben b) viel mehr Exklusiv-Strecken haben c) Berge haben, aber um an die signifikanten Orte zu kommen, eben nicht. oder schon mal mit dem TGV mit 320 nach Chamonix gefahren? Paris-Lyon-Marseille : keine Berge. Champagne, Bourgogne, Rhonetal Paris-Bordeaux: noch weniger Berge Deutschland ist einfach durchsetzt von Mittelgebirgen und viel dichter besiedelt. Nicht zu vernachlässigen die Verkehrsinfrastrukturen müssen durch langwierige Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren. In F wird zur Not auch schon mal enteignet und das Thema "Grüne" gibts dort eigentlich nicht. In Deutschland gibt es genau 2 ICE Sprinter Strecken. B-F und HH-F. Diese wird genau 1x am Tag bedient. Das ist ein einfach ein bisschen wenig.
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