Bahn-Informationssystem Schneller wissen, was los ist

Weniger die Verspätungen selber, vielmehr die mangelnden Auskünfte der Bahn verärgern die Kunden, meint das Unternehmen und investiert Millionen in ein Reisenden-Informationssystem. Mit Hightech-Einsatz soll die Verkehrslage transparenter werden.


Begehrtes Gut Information: Das Service-Personal soll mit Hilfe des RIS genauere Auskünfte geben können
AP

Begehrtes Gut Information: Das Service-Personal soll mit Hilfe des RIS genauere Auskünfte geben können

Berlin - "Wir wollen unsere Kunden zeitnah und zuverlässig über außerordentliche Vorkommnisse informieren und ihnen die innere Unruhe nehmen", sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn. Viele Bahnfahrer hätten Verständnis für Störungen. "Aber sie wollen schnell wissen, was los ist und wie es weitergeht."

In das neue Satelliten gestützte Reisenden-Informationssystem (RIS) wird die Deutsche Bahn in den kommenden Jahren rund 220 Millionen Euro investieren. Ein Zentralrechner soll rund um die Uhr die aktuellen Positionen fast aller Fern- und Nahverkehrszüge in Deutschland speichern und auswerten. Bisher wurden täglich rund tausend Fernzüge auf diese Weise überwacht. Bis Ende des Jahres sollen alle Züge auf den Hauptstrecken mit der Technik ausgestattet werden und bis zum Jahr 2008 bis zu 30.000 Züge am Tag mit RIS ausgerüstet sein - davon 70 Prozent auf Nahverkehrsstrecken.

Der Zentralrechner gibt dann beispielsweise Verspätungsmeldungen online an Ansager, Servicestellen oder die Bahn-Webseiten im Internet weiter. Das Zugpersonal kann die Änderungen auf Mini-Computern, den so genannten Communikatoren, abrufen und den Reisenden im Zug detaillierte Auskunft über Betriebsstörungen und neue Anschlüsse geben. Per SMS können die Mitarbeiter sich aber auch selber in die Fahrplankorrektur einklinken und bewirken, dass ein Anschlusszug wartet. Über das Internet können sich die Kunden zeitgleich mit dem Bahn-Personal über eventuelle Verspätungen ihrer geplanten Zugverbindung informieren. Noch in diesem Jahr werden auf Grund des RIS auf den großen Bahnhöfen genauere Durchsagen zu hören sein, teilte die Bahn mit.

Mehdorn gab sich "sicher, dass wir damit einen großen Sprung in der Verbesserung unserer Informationssysteme" machen. Er stellte als besonderes Problem des deutschen Bahnnetzes heraus, dass es nicht wie in anderen Ländern mehr oder weniger sternförmig auf eine große Stadt ausgerichtet, sondern mit 36 großen Knotenbahnhöfen multizentrisch angelegt sei. Die damit verbundene große Komplexität mache das System anfälliger.



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