Verspätung wegen Sturm Zehntausende Bahn-Fahrer bekommen Geld zurück

Passagiere mussten im ICE übernachten, einige Strecken bleiben bis Mittwoch gesperrt. Die Folgen des Orkans "Christian" sorgen noch immer für Behinderungen im Schienenverkehr. Selbst wenn die Bahn nicht schuld ist am Unwetter - für Verspätungen muss sie Entschädigung zahlen.

DPA

Hamburg/Berlin - Der Höhepunkt des Orkans "Christian" liegt rund 24 Stunden zurück, doch noch immer sind die Folgen des Unwetters zu spüren. Bis Mittwoch sollen viele Bahnstrecken gesperrt bleiben, weil Mitarbeiter sie von umgestürzten Bäumen befreien müssen.

Am Montag waren wegen des Orkans "Christian" Zehntausende Reisende und Pendler in Norddeutschland verspätet oder gar nicht ans Ziel gekommen. In Hamburg und Berlin mussten gestrandete Fahrgäste in je zwei ICE-Zügen übernachten. In Bremen stellte die Bahn einen Intercity eigens zum Schlafen zur Verfügung, das DRK stellte eine Notunterkunft. In der Nacht auf Dienstag setzte die Bahn noch einen zusätzlichen Zug von Hamburg nach Hannover ein. Erst am Dienstagmorgen nahmen die Züge auf einigen Strecken ihren Dienst wieder auf.

All jenen, die durch das Verkehrschaos Verspätungen in Kauf nehmen mussten, steht eine Teilerstattung des Ticketpreises zu. So sieht es das europäische Recht vor. 25 Prozent des Fahrpreises gibt es ab 60 Minuten Verspätung, 50 Prozent ab 120 Minuten.

Die Höhe des Sachschadens und die genaue Zahl der Betroffenen könne man noch nicht angeben, sagte ein Bahn-Sprecher. Das Unternehmen versicherte, alle von den Verspätungen betroffenen Fahrgäste erhielten die Entschädigung, die ihnen laut den Fahrgastrechten zustünde.

Zugreisende haben seit Juli 2009 Anspruch darauf, dass ein Viertel des Fahrpreises erstattet wird, wenn ein Zug am Zielort mindestens 60 Minuten Verspätung hat. Unter bestimmten Umständen werden auch Taxikosten bis maximal 80 Euro erstattet - etwa dann, wenn ein Fahrgast wegen einer Verspätung anders nicht mehr an seinen Zielort käme. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte Ende September entschieden, dass auch bei höherer Gewalt - wozu Unwetter zählen - Bahnunternehmen Entschädigungen zahlen müssen (Rechtssache C-509/11).

Ein ganzer Wald auf den Schienen

Aus Sicht des Fahrgastverbandes Pro Bahn haben sich die Deutsche Bahn und ihre Konkurrenzunternehmen bei Zugausfällen nach Unwettern "bisher weitgehend korrekt verhalten". Die Bahn habe sich in solchen Fällen auch selten auf höhere Gewalt berufen, sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff. Zum aktuellen Umgang mit Fahrgästen, die wegen des Herbststurms am Montag verspätet oder gar nicht ans Ziel kamen, habe der Verband noch keine Informationen.

Frühestens am Mittwoch sollten Reisende wieder mit der Bahn von Hamburg in Richtung Kiel, Flensburg, Dänemark und an die Nordseeküste fahren können, sagte ein Bahn-Sprecher. Bereits am Montagabend wurden die unterbrochenen Linien Hamburg-Berlin, Hannover-Hamburg, Hannover-Bremen und Hamburg-Lübeck wieder in Betrieb genommen.

Im Fernverkehr fuhren auch am Dienstag auf den Strecken Hamburg-Niebüll-Sylt, Hamburg-Flensburg sowie Hamburg-Kiel keine Züge. Nur einzelne Fernzüge wurden auf den Verbindungen Bremen-Hannover, Bremen-Oldenburg-Leer, Rheine-Leer-Emden eingesetzt. Fahrgäste mussten Regionalzüge benutzen.

Der Herbststurm hatte in Schleswig-Holstein besonders schwer gewütet. Bahn-Mitarbeiter waren am Dienstag damit beschäftigt, beschädigte Oberleitungen zu reparieren und umgestürzte Bäume von den Gleisen zu holen. "Bei Owschlag liegen 20 Bäume an einer Stelle", berichtet der Bahn-Sprecher. Ähnlich sei das Bild an der Nordseeküste, "zwischen Wilster in Dithmarschen und Husum soll ein ganzer Wald auf den Schienen liegen".

bon/dpa



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Seite 1
fliffis 29.10.2013
1. muss das sein?
Auch wenn ich nicht in allen Belangen ein Freund der DB bin - das kann ich nicht nachvollziehen. Nicht ohne Grund sind doch "höhere Gewalt" in vielen Bereichen ausgeschlossen - häufig in Versicherungen - oder nur gegen entsprechenden Aufpreis. Die Bahn muss also nicht nur die Schäden an der Infrastruktur reparieren (auch wenn es ordentlich Zuschuss vom Bund gibt) - sondern auch noch den Kunden die Verspätung ersetzen (die - führen sie mit dem Auto ggfls auch nicht oder verspätet ankämen). Das ist doch nicht mehr kalkulierbar für den Konzern. Die Folge wird sein, dass dieses Ausfall- bzw Rückzahlungsrisiko in die Preise eingepflegt wird (bzw wahrscheinlich schon enthalten ist). Ich käme nicht auf den Gedanken, nach einer Verspätung wg. solcher Witterungsbedinungen eine Fahrpreis-Rückerstattung zu verlangen. Vielleicht, wenn man irgendwo "strandet" und erst am nächsten Tag weiterkommt...
Robert_Rostock 29.10.2013
2.
Zitat von fliffisAuch wenn ich nicht in allen Belangen ein Freund der DB bin - das kann ich nicht nachvollziehen. Nicht ohne Grund sind doch "höhere Gewalt" in vielen Bereichen ausgeschlossen - häufig in Versicherungen - oder nur gegen entsprechenden Aufpreis. Die Bahn muss also nicht nur die Schäden an der Infrastruktur reparieren (auch wenn es ordentlich Zuschuss vom Bund gibt) - sondern auch noch den Kunden die Verspätung ersetzen (die - führen sie mit dem Auto ggfls auch nicht oder verspätet ankämen). Das ist doch nicht mehr kalkulierbar für den Konzern. Die Folge wird sein, dass dieses Ausfall- bzw Rückzahlungsrisiko in die Preise eingepflegt wird (bzw wahrscheinlich schon enthalten ist). Ich käme nicht auf den Gedanken, nach einer Verspätung wg. solcher Witterungsbedinungen eine Fahrpreis-Rückerstattung zu verlangen. Vielleicht, wenn man irgendwo "strandet" und erst am nächsten Tag weiterkommt...
Das sehen Sie völlig falsch. Erstens ist es ja gesamtgesellschaftlicher Grundkonsens, dass die Bahn generell immer schuldig ist, und zwar an allem. Und zweitens denken Sie zu kurz: Durch das genannte Urteil ergeben sich für den Fahrgast ungeahnte Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel den Fahrpreis kräftig reduzieren durch kreative Benutzung der Notbremse. Is ja auch höhere Gewalt. Man darf sich nur nicht erwischen lassen.
sudiso 29.10.2013
3.
finde es einfach ein Unding, dass Leute Geld zurückverlangen nur weil ein Zug aufgrund von "Wetter"chaos Verspätung hat. Das Dumme daran ist nur, das genau diese Leute es nicht begreifen, dass sich dies im Fahrpreis niederschlagen wird und diese Leute sich genau dann wieder darüber aufregen, dass die Bahn wieder teuerer wird und sie noch tiefer in die Tasche greifen müssen und dann wiederum vielleicht ein persönlicher Ruin daraus wird...... Schade das es manche Leute einfach nicht kapieren....... oder einfach nur zu blöde dafür sind, sich mal Gedanken darüber zu machen
jdm11000 29.10.2013
4. Höhere Gewalt löst Entschädigungsanspruch aus?
Zitat von sysopDPADer Sturm "Christian" brachte am Montag den Schienenverkehr in Norddeutschland zum Stillstand. Auch am Dienstag blieben Strecken gesperrt. Selbst wenn Bahnunternehmen nicht schuld sind am Unwetter - für Verspätungen müssen sie einen Teil des Ticketpreises erstatten. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/bahn-muss-entschaedigung-fuer-verspaetungen-bei-sturm-zahlen-a-930662.html
Wegen einer höheren Gewalt gibt es eine Entschädigung? Man merkt nur zu deutlich, wie dumm und dämlich die EU ist! Selbst das Wetter und Katastrophen reichen nicht aus, um eine Einsicht hervorzurufen: Wir sind Mitlebende einer Gesamtwelt! Wie dump muss man sein, das ignorieren zu können? Ein anständiger Jurist würde das eben kennen: Die Welt kennt kein Geld!
spiegelleser987 29.10.2013
5. Gesellschaftlich korrekter ....
Zitat von Robert_RostockDas sehen Sie völlig falsch. Erstens ist es ja gesamtgesellschaftlicher Grundkonsens, dass die Bahn generell immer schuldig ist, und zwar an allem. Und zweitens denken Sie zu kurz: Durch das genannte Urteil ergeben sich für den Fahrgast ungeahnte Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel den Fahrpreis kräftig reduzieren durch kreative Benutzung der Notbremse. Is ja auch höhere Gewalt. Man darf sich nur nicht erwischen lassen.
Gesellschaftlich korrekter ist es, wenn Sie eine Bahnfahrt erst planen, wenn im Wetterbericht am Vortag eine Katastrophenprophezeiung kam.
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