Ausstand der GDL Unbefristeter Bahnstreik hat begonnen

"Es ist losgegangen", bestätigt die Bahn: Der neunte Streik der GDL hat begonnen. Reisende müssen über Pfingsten mit starken Einschränkungen rechnen. Die Gewerkschaft lässt offen, wann die Lokführer wieder arbeiten.

DPA

Die Lokführer der Deutschen Bahn haben in der Nacht ihren Streik auf den Personenverkehr ausgeweitet. Die Bahn bestätigte, dass der Ausstand wie von der Gewerkschaft GDL geplant am Mittwoch um 2 Uhr begonnen habe. "Es ist losgegangen", sagte eine Bahnsprecherin. Bereits am Dienstagnachmittag hatten die Lokführer der Güterzüge die Arbeit niedergelegt.

Für Millionen Bahnfahrgäste bedeutet der Arbeitskampf starke Einschränkungen. So werden voraussichtlich etwa zwei Drittel der Fernzüge ausfallen und je nach Region 40 bis 85 Prozent der Nahverkehrszüge. Auch die S-Bahnen sind vom Streik betroffen. Die Bahn hat Ersatzfahrpläne für den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr für Mittwoch und Donnerstag (bisher nur Fernverkehr) veröffentlicht. Sie sind nach Angaben der Bahn verlässlich. Im Regionalverkehr sind vor allem die östlichen Bundesländer betroffen.

Ersatzverkehr am Mittwoch: Geplante Züge
Deutsche Bahn

Ersatzverkehr am Mittwoch: Geplante Züge

Die Notfallfahrpläne für die folgenden Tage werden jeweils für den Fernverkehr zwei Tage zuvor und für den Nahverkehr ein Tag zuvor veröffentlicht. Die für Freitag geplanten Fernzüge zum Beispiel sind damit ab Mittwoch gegen 12 Uhr, die Regionalzüge ab Donnerstag am frühen Nachmittag im Internet abrufbar.

Anders als bei den bisherigen acht Streikrunden hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) das Ende diesmal offen gelassen. Sollte es keine Annäherung geben, werde der Streik "etwas länger" dauern als Anfang Mai, hatte GDL-Chef Claus Weselsky angekündigt. Damals waren es knapp sechs Tage. Nun soll der Ausstand nach Ankündigungen der Gewerkschaft über die Pfingstfeiertage andauern. Das Enddatum soll 48 Stunden im Voraus mitgeteilt werden.

Im Video: Schon wieder Streik, das Ende ist nicht in Sicht

Bahn und GDL wollen Gespräche fortsetzen

Der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes (DBB) Klaus Dauderstädt hat der Darstellung widersprochen, dass sein Verband der streikenden Lokomotivführergewerkschaft GDL die finanzielle Unterstützung entzogen habe. "Ich weiß nicht, wo die 'Bild'-Zeitung diese Information herhat", sagte er dem Deutschlandfunk zu einem entsprechenden Bericht. "Diese Aussage ist auch gar nicht im Raum."

Die GDL, die dem Beamtenbund angehört, habe für den laufenden Arbeitskampf gar keinen Antrag auf Streikgeldunterstützung gestellt. Für frühere Runden seien solche Anträge teilweise gestellt worden, die der DBB bewilligt, aber noch nicht abgerechnet habe. Es gebe aber die Zusage, dass die GDL diese Gelder erhalten werde.

Bild" hatte berichtet, die GDL erhalte keine finanzielle Unterstützung vom DBB mehr. Ein Streiktag koste die GDL bis zu 200.000 Euro. DBB und GDL dürften bislang rund acht Millionen Euro an die Lokführer gezahlt haben, hieß es weiter. Dauderstädt nannte diese Zahlen "deutlich zu hoch". Ob er aktuell einen Antrag der GDL unterstützen würde, ließ er offen.

Zugleich bekräftigte er, dass der Beamtenbund inhaltlich "fest an der Seite der GDL" stehe. Dauderstädt äußerte die Hoffnung, dass die Sondierungsgespräche zwischen der Deutschen Bahn und der GDL unter Einbeziehung eines neutralen Arbeitsrechtlers den Weg für eine Schlichtung freimachen. Er hoffe, "dass das heute gelingt und dass damit auch der Arbeitskampf vielleicht vorzeitig beendet werden kann".

Bis zuletzt hatten Bahn und GDL bei Gesprächen in Frankfurt versucht, eine Lösung zu finden, um den Streik doch noch abzuwenden. Bei dem Termin loteten Vertreter von Unternehmen und Gewerkschaft die rechtlichen Bedingungen einer möglichen Schlichtung aus. Als unabhängige Instanz nahm der frühere Bundesarbeitsrichter Klaus Bepler teil. "Es ist Vertraulichkeit verabredet worden", sagte eine Bahn-Sprecherin. Die Gespräche sollten "kurzfristig fortgesetzt" werden.


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Bahnstreik ab Mittwoch, 20. Mai

syd/abl/dpa/AFP/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 289 Beiträge
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WernerT 20.05.2015
1. Die Presseabteilung der Bahn hat gesprochen
Einfacher Borschlag veröffentlicht, wie hoch der Werbeanteil der Bahn ist und jeder Leser kann sich ein Bild machen, wieviele Mitarbeiter des Spiegels direkt von der Bahn bezahlt werden. Sonst einfach mal die bisherigen Urteile in dem Tarifkonflikt veröffentlichen und mit dem Angebot der Bahn vergleichen, in den USA säßen Grube, Weber, Dobrin und Gabriel bereits längst im Knast - wegen Missachtung des Gerichts und der Konflikt wäre beendet.
alfons88 20.05.2015
2. Warum immer GDL Bashing??
Ich bin Pendler und nutze täglich die Bahn, aber ich verstehe das GDL Bashing nicht! Ihr Medien - stärkt doch bitte den Streikenden mal den Rücken und fordert ein WEITER SO!!! Das was die GDL und ihre Mitglieder macht ist mutig und richtig! Legal ist es auch, sonst wäre die Bahn nicht vor den Gerichten abgeblitzt. Also: Wir müssen da jetzt durch und auch wenn noch 20 weitere Tage gestreikt wird - die GDL hat Recht!! Die Bahn will das Thema eh nur bis Sommer verschleppen und auf bessere rechtliche Regelungen hoffen. Kein wirkliches Interesse den Konflikt beizulegen. Daher liebe GDL von mir: WEITER SO! Wir als Gesellschaft gewinnen letztendlich dadurch!
rmuekno 20.05.2015
3. Recht so GDL bleib dran
Zeigt dem desaströsen Bahnmanagement wo der Hammer hängt. Bei der Bahn darf kein Zug mehr fahren, nur so bekommt man die in die Knie. Weiter so und wenn ich zu Fuß gehen muss.
tangoxy 20.05.2015
4. Grundrechte
Streikrecht ist ein Grundrecht, soviel steht fest. Das wichtige ist, dass man mit Rechten in einer Gesellschaft verantwortungsvoll umgeht. Die GDL tut genau das nicht. "Gib einem Mann etwas Macht und du erkennst seinen Charakter" GDL Gewerkschafter sind machtgierig, verantwortungslos und verstecken sich hinter ihren "Rechten".
t dog 20.05.2015
5. Schlimm schlimm
Wann hört diese Nötigung des Bahnvorstandes gegenüber der Gdl endlich auf? Die wollen nur verschiedene Berufsgruppen vertreten dürfen. Genauso wie es im Grundgesetz Artikel 9 garantiert wird, genauso wie es IG Metall und Verdi auch tun. Herr Gabriel sollte als Schlichter einschreiten und den Bahnvorstand zur Ordnung rufen. An die Gesetze sollte sich jeder halten müssen. Auch die hohen Herren.
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