Markiertes Diebesgut Bahn überführt Kabeldiebe dank "künstlicher DNA"

6400 Züge hatten dieses Jahr bereits Verspätung, weil sich Kabeldiebe an den Leitungen der Deutschen Bahn bedient hatten. Im Kampf gegen die Verbrecher nutzt das Unternehmen moderne Technik - und überführte zwei Männer dank einer unsichtbaren Markierung.

"Achtung - unsichtbare Markierungen": Die Bahn schützt Kabel und Schienen vor Dieben
DPA

"Achtung - unsichtbare Markierungen": Die Bahn schützt Kabel und Schienen vor Dieben


Berlin - Mit neuer Sicherheitstechnik will die Deutsche Bahn seit einiger Zeit Metalldiebe abschrecken - nun präsentiert sie einen Ermittlungserfolg: Erstmals sind nach Unternehmensangaben Kabeldiebe durch sogenannte künstliche DNA überführt worden. Als zwei Männer im saarländischen Neunkirchen einem Händler gestohlene Kabel anboten, schöpfte dieser Verdacht und meldete es der Bundespolizei, wie die Bahn mitteilte. Anhand der künstlichen DNA auf den Kabeln sei dann festgestellt worden, dass es sich um Bahneigentum handelt. Die Verdächtigen seien festgenommen worden und säßen in Haft.

"Der Einsatz künstlicher DNA wirkt und das Risiko für Diebe nimmt zu, geschnappt zu werden", erklärte Gerd Neubeck, der bei der Bahn für Konzernsicherheit verantwortlich ist. Bei der künstlichen DNA, die das Unternehmen seit Herbst vergangenen Jahres als weltweit erstes Eisenbahnunternehmen einsetzt, handelt es sich um eine Spezialflüssigkeit, die mikroskopisch kleine Metallplättchen mit Angaben zum Herkunftsort enthält. Die Bahn markiert damit bundesweit Kabel oder Schienen.

Die Substanz und die Plättchen sind für das bloße Auge nicht zu erkennen und werden erst unter einem speziellen UV-Licht sichtbar. Nach Angaben der Bahn werden Kabel und andere Metallteile mit ihr besprüht, außerdem lagert sich die Markierung auch auf Haut oder Kleidung von Verdächtigen ab. Diese können dadurch identifiziert werden, wenn sie ihre Diebesbeute etwa bei Schrotthändlern zum Verkauf anbieten wollen.

Metalldiebstähle an Gleisen und Signalanlagen verursachen bei der Bahn immer wieder Zugverspätungen und erhebliche Kosten, weil Strecken für Reparaturarbeiten gesperrt werden müssen. Nach eigenen Angaben zählte das Unternehmen im vergangenen Jahr 3000 Fälle, im ersten Halbjahr 2012 waren die Zahlen etwas rückläufig. Trotzdem verursachten Diebstähle in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 77.000 Verspätungsminuten. 6400 Züge seien betroffen gewesen. Grund für die Metalldiebstähle sind die in den vergangenen Jahren angestiegenen Weltmarktpreise für Metalle wie Kupfer.

jus/AFP/dpa



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