Bahn-Verkehrsstudie Ostdeutsche Städte sind schlechter erreichbar

Ein Forscherteam hat die Bahn-Anbindung von 80 deutschen Großstädten untersucht. Ergebnis: Auf den ersten 50 Plätzen ist keine ostdeutsche Stadt vertreten - vor allem in Sachsen hat die Infrastruktur demnach massive Mängel.

DPA

Dresden - Westdeutsche Städte sind überwiegend gut, ostdeutsche tendenziell eher schlecht mit der Bahn erreichbar. Das ist das Ergebnis einer Studie von Dresdner Verkehrswissenschaftlern, wie die TU Dresden am Mittwoch mitteilte. Co-Autor Christos Evangelinos sagte der Nachrichtenagentur dapd, es gebe ein "deutliches Ost-West-Gefälle". Ganz vorn landete demnach Frankfurt am Main, gefolgt von Düsseldorf, Hannover und Köln. Schlusslicht ist Trier. Die Mehrzahl der ostdeutschen Städte liegt beim Ranking abgeschlagen im letzten Drittel.

Eher schlecht erreichbar mit der Bahn sind zum Beispiel die meisten sächsischen Städte. Dresden landete demnach auf Platz 75, Chemnitz erreichte nur den 78. Platz. Noch schlechter ist die Bahnanbindung laut der Studie nur für Reisende aus Cottbus und eben Trier in Rheinland-Pfalz.

Von den zehn untersuchten ostdeutschen Großstädten schnitt Magdeburg - die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt - mit Platz 53 noch am besten ab. Insgesamt wurde die Anbindung der 80 größten deutschen Städte untersucht. In die Bewertung gingen verschiedene Faktoren ein, darunter auch die tatsächliche Reisezeit in Nachbarstädte im Vergleich zu einer Zeit bei einer perfekt ausgebauten Strecke.

Zentral gelegen Städte im Vorteil

Evangelinos sagte, die Forscher seien selbst überrascht gewesen von den Ergebnissen. Sie hätten nicht damit gerechnet, dass die Unterschiede so deutlich seien. Mit Ausnahme Berlins seien alle Städte in Ostdeutschland nur "unterdurchschnittlich bis sehr schlecht erreichbar".

Evangelinos räumte ein, dass Städte mit einer zentralen Lage bei der Untersuchung in der Regel besser weggekommen seien. So würde beispielsweise München mit seiner Randlage, das immerhin Platz 15 erreichte, nach seinen Angaben noch weiter vorne liegen, wenn nicht die Anbindung in Deutschland, sondern im europäischen Maßstab untersucht worden wäre.

Für Berlin, das auf Rang elf landete, habe die starke Konzentration von ICE-Strecken in der Vergangenheit zwar punktuell Verbesserungen gebracht. Allerdings sei dies "auf Kosten ostdeutscher Städte" geschehen. Das schlechte Abschneiden insbesondere der sächsischen Städte lasse dort auf eine "unterdurchschnittliche Qualität" der Schieneninfrastruktur schließen, hieß es.

Die Autoren der Studie empfehlen, künftig ein größeres Augenmerk auf die bundesweite Wirkung von Schieneninfrastrukturprojekten zu legen. Dabei muss es nach Ansicht der Verkehrsexperten auch darum gehen, noch bestehende Lücken im Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn zu schließen und weitere ostdeutsche Städte anzubinden.

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Lars Rischke, dapd



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Attlila 01.12.2011
1. <loriot> Ach? </loriot>
"Die Bahn" existiert nicht mehr. Es gibt lediglich profitorientierte Konzerntöchter unter dem "Dach" DB. Wenn es sich nicht wirtschaftlich "rechnet" wird nichts gemacht. Dazu kommt das aus Zeitgründen die Kopfbahnhöfe bei der Bahn unbeliebt sind (Leipzig, Dresden). Ergo: es muß profitabel sein und zeitlich schnell erreichbar. Alles andere fällt hinten runter.
Crom 01.12.2011
2. ...
Orte wie Chemnitz haben nicht mal nen ICE-Anschluss. Danke Deutsche Bahn!
BlakesWort 01.12.2011
3. ...
Die Erreichbarkeit entspricht eben der Bevölkerungsverteilung und ökonomischen Wichtigkeit der Städte. Im Osten wohnen weniger Menschen, die Industrie und Arbeitsplätze konzentrieren sich im Mittelstand. Außerdem finden sich mit Polen und Tschechien noch (!) weniger attraktive Nachbarn als die Benelux-Länder, Frankreich, Österreich und Schweiz. Das schlechte Abschneiden Sachsens hingegen ist verwunderlich, zumal man zum Beispiel Leipzig nicht gerade seine ungünstige Lage ankreiden kann; was auf Dresden schon eher zutrifft.
Annapurna 01.12.2011
4. ...
Dazu fällt mir nur ein, dass es in Zukunft wohl noch schlechter werden wird. Habe gestern gelesen, dass der Interregio-Express zwischen Nürnberg und Dresden nach 2013 eventuell/vielleicht/bestimmt eingestellt wird. Dann fährt nur noch ein Regionalexpress alle 2 Stunden, der in jedem zweiten Kuhkaff hält. ICE ist ja sowieso nicht drin auf dieser Strecke. Chemnitz ist tatsächlich schlecht zu erreichen. Das könnte mein Bruder bestätigen, der von Ba-Wü ab und an nach C. fährt und dabei über Leipzig reist.
thespiegelpoliceman 01.12.2011
5. Chemnitz
... ist die größte deutsche Stadt ohne Fernverkehr. Das ganze Drama gibts hier nachzulesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Sachsen-Franken-Magistrale#Betrieb Naja dafür gibts innovativen Nahverkehr.
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