Bahn-Zwischenfall ICE wegen ungewöhnlicher Geräusche gestoppt

Er sollte von München nach Berlin fahren, aber in Augsburg endete die Reise: Die Deutsche Bahn hat einen ICE gestoppt - wegen "ungewöhnlicher Geräusche". 170 Fahrgäste mussten umsteigen, der Zug soll in einer Werkstatt überprüft werden.


Augsburg/Berlin - Auf der Strecke von München nach Augsburg hörte ein Bahn-Mitarbeiter "ungewöhnliche Geräusche" im ICE 690 - deshalb sei der Zug gestoppt worden, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn und bestätigte damit einen Bericht der "Augsburger Allgemeinen".

170 Fahrgäste mussten der Sprecherin zufolge in Augsburg in einen anderen Zug in Richtung Berlin umsteigen. Der betroffene ICE der ersten Baureihe fuhr leer zurück nach München. Dort soll er in einer Werkstatt untersucht werden. Eine Bahnsprecherin sagte dem Blatt: "Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme."

Erst am Freitag hatte die Bahn einen ICE in Eisenach wegen einer angezeigten Störung an den Bremsen stoppen und überprüfen lassen. Die Fahrgäste mussten wegen der Überprüfung in einen anderen Zug umsteigen.

Unterdessen stellte das Bündnis "Bahn für Alle" knapp einen Monat nach dem ICE-Unfall im Kölner Hauptbahnhof Strafanzeige gegen den Bahn-Vorstand. "Die Deutsche Bahn sorgt nicht ausreichend für die Sicherheit ihrer Kunden", begründete das Bündnis, dem Globalisierungskritiker, Umweltorganisationen und Gewerkschaften angehören, den Schritt. "Um Geld zu sparen und um die wirtschaftlichen Bilanzen zu verbessern, wurden in den letzten Jahren die Zeiträume zwischen den Überprüfungen der Radsatzwellen der ICE-3-Züge mehrfach verlängert", hieß es weiter.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln konnte den Eingang einer Anzeige am Montag nicht bestätigen. Die Behörde hatte nach dem Unfall am 9. Juli ihrerseits Ermittlungen "wegen des Verdachts auf Gefährdung des Bahnverkehrs" eingeleitet. Wann erste Ergebnisse vorlägen, sei noch unklar, sagte der Sprecher der Behörde, Tino Seesko.

Bei dem Unfall war ein ICE 3 wegen einer defekten Radsatzwelle aus den Schienen gesprungen. Personen waren nicht zu Schaden gekommen.

Daraufhin rief die Bahn fast alle Züge der Baureihe zur Überprüfung in die Werkstätten. Es kam zu zahlreichen Zugausfällen, von denen Zehntausende Bahnkunden betroffen waren.

hen/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.