Warnung von Konzernchef: Die Bahn kommt... demnächst wieder später

Kunden der Bahn können sich freuen. Selten zuvor war es um die Pünktlichkeit der Züge so gut bestellt wie im Moment. Doch Unternehmenschef Rüdiger Grube rechnet damit, dass Verspätungen wieder zunehmen. Der Grund: mehr Baustellen.

Anzeigentafel im Düsseldorfer Hauptbahnhof: Planmäßige Verspätungen Zur Großansicht
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Anzeigentafel im Düsseldorfer Hauptbahnhof: Planmäßige Verspätungen

Berlin - Drei große Ziele hat die Bahn: Sie will pünktlicher, umweltfreundlicher und profitabler werden. Bis 2020, so hatte es Bahnchef Rüdiger Grube im März versprochen, will er den Konzern umgekrempelt haben. Um Ziel Nummer eins ist es aber vorerst eher schlecht bestellt: Die Bahn rechnet in nächster Zeit mit mehr Verspätungen.

"Wir haben in diesem Jahr besonders viele Baustellen, weil wir viel Geld in unser Schienennetz stecken, rund sechs Milliarden Euro allein 2012", sagte Grube der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Was langfristig gut für die Infrastruktur und somit für die Kunden der Bahn ist, hat kurzfristig negative Auswirkungen auf die Pünktlichkeit. Mehr Baustellen bedeuten leider auch mehr Verspätungen."

Dabei verzeichnet die Bahn derzeit gute Pünktlichkeitswerte. Sie lagen nach eigenen Angaben von Januar bis April im Monatsdurchschnitt zwischen 94,3 und 96,5 Prozent. Die Züge seien derzeit "mit einer der höchsten Pünktlichkeiten in der Geschichte der Deutschen Bahn" unterwegs, sagte Grube.

Wie bisher schnitt der Fernverkehr - ICE, Inter- und Eurocitys - deutlich schlechter als der Nahverkehr ab: Er kam in den ersten vier Monaten auf Werte von 80,9 bis 86,4 Prozent.

Für das vergangene Jahr errechnete die Bahn für alle Personenzüge einen Durchschnittswert von 92,9 Prozent nach 91,0 Prozent im Jahr 2010. Im Fernverkehr lag der Durchschnittswert 2011 bei 80,0 Prozent (2010: 72,4), im Nahverkehr bei 93,2 Prozent (2010: 91,5).

Seit September 2011 veröffentlicht die Bahn monatlich die Pünktlichkeitswerte für den Fern- und Nahverkehr. Dabei werden rund 800.000 Fahrten von Personenzügen berücksichtigt, davon 780.000 im Nahverkehr, einschließlich aller S-Bahnen, und 20.000 im Fernverkehr. Züge, die einen Bahnhof bis zu 5:59 Minuten nach Fahrplan erreichen, gelten nach Bahn-Definition noch als pünktlich.

Hamburg gilt übrigens als der Bahnhof mit den meisten Zugverspätungen. Im Januar hatte die Stiftung Warentest ein Pünktlichkeitsranking aufgestellt. In Hamburg waren dem Test zufolge im vergangenen Jahr 31 Prozent der Züge im Fernverkehr sechs Minuten oder mehr verspätet. Schlechte Werte erreichten auch Berlin und Kassel-Wilhelmshöhe (jeweils 27 Prozent). Im Durchschnitt der 20 getesteten Bahnhöfe kamen 24 Prozent der Züge unpünktlich.

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Pünktlichkeitsranking der Bahn: Hamburg ist Schlusslicht

cib/dpa

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Bahnpünktlichkeit im Jahr 2011
Platz Bahnhof Fern (in %) Regional (in %)
1 Stralsund 15 10
2 Freiburg 18 8
3 Leipzig 18 10
4 Magdeburg 20 12
5 Nürnberg 20 13
6 Stuttgart 22 10
7 München 22 11
8 Frankfurt Flughafen 22 15
9 Hannover 23 13
10 Frankfurt am Main 23 14
11 Mannheim 24 9
12 Erfurt 24 12
13 Bremen 24 11
14 Köln 25 11
15 Dresden 25 13
16 Saarbrücken 26 6
17 Dortmund 26 13
18 Kassel-Wilhelmshöhe 27 12
19 Berlin 27 15
20 Hamburg 31 15
Angegeben wurden die Durchschnittswerte im Erhebungszeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2011.
Quelle: Stiftung Warentest

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