"Helle Alltagsschönheit" Marburg ist Bahnhof des Jahres

Zwei sehr unterschiedliche Haltestellen wurden zu den "Bahnhöfen des Jahres" gekürt: Ein Titel ging an Marburg für eine gelungene Renovierung, die den Autoverkehr verbannt. Die zweite Würdigung erhält eine historische Bergbahn im Thüringer Wald.

Allianz pro Schiene / AndreasTaubert.com

Die Titel gehen an Marburg und an die Oberweißbacher Bergbahn im Thüringer Wald: Sie wurden zu den Bahnhöfen des Jahres 2015 gekürt. Der Lobby-Verein Allianz pro Schiene wählte sie als kundenfreundlichste Haltestellen Deutschlands aus.

Den neobarocken Bahnhof der Universitätsstadt Marburg habe ein Umbau und ein neuer, großzügiger Vorplatz zu einer "hellen, stillen Alltagsschönheit verwandelt", befand die Jury aus sechs Vertretern von Verkehrsklubs und Fahrgastverbänden. Zuvor sei er ein dunkler, vom Autoverkehr umbrauster Ort gewesen. Nun kämen auf dem "großzügigen Vorplatz" Fußgänger, Radfahrer, Busreisende und Autofahrer "gleichberechtigt zum Zug".

Das 1909 eröffnete Empfangsgebäude wird täglich von rund 11.000 Reisenden und Besuchern genutzt. Es gehört zum Teil der Deutschen Bahn, zum Teil einer Wohnungsbaugesellschaft.

An der prämierten Standseilbahn im Thüringer Wald gefiel den Juroren die Kombination aus raffinierter Ingenieurskunst, lieblicher Landschaft und herzlichen Mitarbeitern. Die Bahnhöfe Obstfelderschmiede (Talstation) und Lichtenhain (Bergstation) hätten "alles, was ein Tagestourist braucht", inklusive Bahnmuseum und bewährten Thüringer Speisen. Die Oberweißbacher Bergbahn im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wurde 1923 eröffnet und gilt als Deutschlands steilste Standseilbahn. Sie führt über 1,38 Kilometer durch eine Schlucht und bietet Ausblicke aufs Umland.

In der Allianz pro Schiene sind 22 Organisationen zusammengeschlossen, darunter Naturschutz-, Umwelt-, Verkehrs- und Verbraucherverbände. Die Auszeichnung "Bahnhof des Jahres" wird seit 2004 vergeben. Bahnfahrer können dafür Vorschläge machen.

Anhand einer Checkliste besichtigt die Jury einige Bahnhöfe und überprüft etwa das Ambiente, die Anbindung an den übrigen Nahverkehr sowie Serviceleistungen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) lobte das Engagement der Sieger: "Attraktive Bahnhöfe sind eine Gewinn für jede Gemeinde und hoch geschätzt bei allen Bahnkunden." Im Vorjahr waren Dresden und Hünfeld mit dem Titel geehrt worden.

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Bahnhöfe des Jahres 2014: Dresden in Sachsen und Hünfeld in Hessen

sto/dpa



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starskys 26.08.2015
1. mal wieder....
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) lobte das Engagement der Sieger: "Attraktive Bahnhöfe sind eine Gewinn für jede Gemeinde und hoch geschätzt bei allen Bahnkunden."... Dann soll doch der liebe Minister mal mit der S-Bahn durch München fahren, ein Bahnhof verschimmelter und herunter gekommener als der andere, besonders an Herz lege ich ihm "meinen" "Bahnhof" Esting. Aber naja, ist halt kein Geld da, erst muss der Osten noch 50 Jahre lang aufgebaut werden...
starskys 26.08.2015
2. mal wieder....
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) lobte das Engagement der Sieger: "Attraktive Bahnhöfe sind eine Gewinn für jede Gemeinde und hoch geschätzt bei allen Bahnkunden."... Dann soll doch der liebe Minister mal mit der S-Bahn durch München fahren, ein Bahnhof verschimmelter und herunter gekommener als der andere, besonders an Herz lege ich ihm "meinen" "Bahnhof" Esting. Aber naja, ist halt kein Geld da, erst muss der Osten noch 50 Jahre lang aufgebaut werden...
chb_74 26.08.2015
3. @starskys
Dass "kein Geld da" ist stimmt ja so nicht, wie man am Marburger Bahnhof sieht. Gut, umgebaut wurde er gefühlt 5 Jahre lang (real sicherlich 2 Jahre), aber jetzt ist das vormalige Dreckloch ein schöner Bahnhof geworden. Es muss eben auch der Wille da sein, einen Bahnhof zu modernisieren. Aber trösten Sie sich: im jahrzehntelang "schwarz" regierten Stuttgart rotten die S-Bahn-Stationen auch still und leise vor sich hin und dank des Multi-Milliarden-Grabs namens "S21" wird das auch so weitergehen, weil in der Tat für die S-Bahn nichts an Mitteln vorgesehen wurde. Sind ja nur die Pendler, ist unwichtig, die fahren eh'...
appel&ei 26.08.2015
4.
"Marburg ist Bahnhof des Jahres" die ganze stadt? oder gibt es die gar nicht, sondern nur einen bahnhof? journalismus unter b***-niveau!
Newspeak 26.08.2015
5. ...
Den neobarocken Bahnhof der Universitätsstadt Marburg habe ein Umbau und ein neuer, großzügiger Vorplatz zu einer "hellen, stillen Alltagsschönheit verwandelt", befand die Jury aus sechs Vertretern von Verkehrsklubs und Fahrgastverbänden. Zuvor sei er ein dunkler, vom Autoverkehr umbrauster Ort gewesen. Nun kämen auf dem "großzügigen Vorplatz" Fußgänger, Radfahrer, Busreisende und Autofahrer "gleichberechtigt zum Zug". Man könnte auch sagen, vorher war der Bahnhof keine Schönheit, aber funktional, heute ist er das typische neumodische Architektenprodukt aus der stadtplanerischen Retorte und da sich die Stadt drumherum ja nicht geändert hat (wie auch, bei der speziellen räumlichen Lage des Bahnhofs und der Lahn etc.) wirkt er ebenso als Fremdkörper wie die anderen "Erneuerungen" in Marburg, die z.B. auf die Familie Pohl zurückgehen. Modern ja, teuer ja, stilvoll in die Umgebung eingegliedert, nein. Eben der typische Neureichenstil bis hin zum völlig uneitlen Straßennamen der edlen Spender etc.
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