Bahnstreik am Wochenende Das müssen Sie wissen

Der Bahnstreik am Wochenende beschert Reisenden in Deutschland viel Ärger - ausgerechnet zum Ferienbeginn in sieben Bundesländern. Was Sie jetzt wissen müssen.

Bahnstreik: Verspätungen und Ausfälle am Wochenende
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Bahnstreik: Verspätungen und Ausfälle am Wochenende


Wollten Sie mit der Bahn fahren und müssen jetzt umdisponieren? Die wichtigsten Informationen im Überblick:

Wann wird gestreikt?

Die Lokführer streiken über das gesamte Wochenende. Der Ausstand hat laut der Gewerkschaft GDL im Personenverkehr am Samstag um 2 Uhr begonnen. Das Ende der Streiks ist für Montagmorgen um 4 Uhr geplant.

Wie stark werden die Behinderungen voraussichtlich sein?

Die Lokführergewerkschaft GDL will den Zugverkehr in Deutschland am Wochenende komplett lahmlegen - sowohl den Fern-, Regional- sowie S-Bahnverkehr. Auch der Güterverkehr ist seit Freitag, 15 Uhr, betroffen.

Die Deutsche Bahn (DB) hat Ersatzfahrpläne eingeführt. Informationen zu Verkehrsbehinderungen im Fern- und Regionalverkehr veröffentlicht die Bahn auf dieser Seite.

Die Bahn wird auch dieses Mal versuchen, dass möglichst viele Fernzüge fahren können, sagte ein Sprecher der DB zu SPIEGEL ONLINE. Bis Samstagmittag fuhren laut Bahn 30 Prozent der Fernzüge.

Die Züge des Fernverkehrs verkehren laut DB bereits seit Samstag um 0 Uhr nach einem Ersatzfahrplan, der am Sonntag um 24 Uhr enden soll. Zum Ersatzfahrplan gelangen Sie hier. Zuggebundene Fahrkarten für Samstag und Sonntag wurden bereits am Freitag anerkannt.

Im Nahverkehr wird es voraussichtlich bis in die späten Nachmittagsstunden dauern, bis die Ersatzkonzepte stehen. Hier wird es laut der DB während des kompletten Streikzeitraums zu Ausfällen und Verspätungen kommen.

Wie viele Reisende werden von dem Streik beeinträchtigt sein?

Laut Deutsche Bahn mehrere Millionen.

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen streiken die Lokführer dieses mal besonders lange, ganze 50 Stunden. Zum anderen fällt der neue Ausstand mit dem Ferienbeginn in Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen zusammen. Außerdem enden die Ferien in Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Es haben dieses Wochenende also viele Menschen eine Reise gebucht.

Welche Region sind besonders betroffen?

Der Streik ist flächendeckend. Es ist davon auszugehen, dass der Osten Deutschlands - wie bei den vergangenen Streiks - wieder besonders betroffen sein wird, sagte ein Sprecher der Bahn. Im Westen würden auch beamtete Lokführer arbeiten, die einspringen könnten.

Auch die deutschen Großstädte wie Hamburg, Berlin und München sind wieder besonders betroffen, bis Samstagmittag fielen bereits viele S-Bahnen aus.

Die Bahn veröffentlicht auf ihrer Website Auskünfte zu aktuellen Fahrplanänderungen im Fernverkehr. Verkehrsmeldungen aus den Regionen können Kunden hier abrufen.

Wo bekomme ich Informationen zum Zugverkehr?

Fahrgäste können hier aktuelle Informationen zur Verkehrslage bei der Deutschen Bahn erhalten oder durch Anruf bei der kostenpflichtigen Service-Nummer 0180-6996633.

Zusätzlich hat die Bahn die kostenlose Service-Hotline 08000-996633 freigeschaltet.

Kann ich noch stornieren - und bekomme ich das Geld zurück?

Kunden der Deutschen Bahn, "die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussverlusten ihre Reise nicht wie geplant durchführen können", können ihre Fahrkarte und Reservierung in den DB Reisezentren oder DB Agenturen kostenlos erstatten lassen.

Sie können auch den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. Bei zuggebundenen Angeboten wird dann die Zugbindung aufgehoben. Ausgenommen sind laut Bahn regionale Angebote mit "erheblich ermäßigtem Fahrpreis" (Schönes-Wochenende-, Quer-durchs-Land- oder Länder-Tickets) sowie reservierungspflichtige Züge.

Falls sich durch den Streik ein Zug um mehr als 60 Minuten verspätet, bekommen die Fahrgäste einen Teil ihres Fahrpreises zurück. Im September 2013 hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass Bahnkunden auch bei höherer Gewalt eine Entschädigung bekommen.

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, müssen ihm daher auch im Streikfall 25 Prozent des Fahrpreises erstattet werden. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Der Aufpreis für den ICE-Sprinter wird schon ab 30 Minuten Verspätung des Sprinters erstattet.

Was passiert, wenn ich zu Streikbeginn noch im Zug sitze?

Vor allem Bahnreisende auf längeren Strecken sollten ihre Route vorher genau checken und Ausweichmöglichkeiten prüfen. Auch bei früheren Streiks stoppten die Züge nicht mitten auf der Strecke. Die Lokführer steuern den nächstgelegenen Bahnhof an. Die Bahn bemüht sich, Reisende von dort an ihr Ziel zu bringen.

Wie komme ich auch ohne Deutsche Bahn zum Ziel?

Betroffen von dem Streik sind nur Angebote der Deutschen Bahn, nicht jene anderer Eisenbahngesellschaften wie Veolia Verkehr oder Netinera mit der Tochter Metronom - diese können teils also eine Alternative sein.

Wer kein eigenes Auto hat, kann auf manchen Strecken im Fernverkehr auch auf innerdeutsche Flüge ausweichen und sonst Linienbusse, Mitfahrgelegenheiten oder Mietwagen nutzen.

Angebote zum Mitfahren gibt es beispielsweise auf den Seiten mitfahrgelegenheit.de, mitfahrzentrale.de, blablacar.de, fahrgemeinschaft.de, bessermitfahren.de oder drivemee.de.

Verbindungen mit Fernbussen finden sich unter anderem auf den Webseiten von MeinFernbus, Deutsche Bahn, ADAC-Postbus, Berlinlinienbus, FlixBus und Eurolines.

jkö/abl/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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f14-tomcat 17.10.2014
1. Das ist nur noch
Erpressung von der Gdl, die zu keinen konstruktiven Gesprächen bereit sind. Wenn die Bahn jetzt einbricht, dann können sie den Laden zu machen. Solche Foderungen von 2 Stunden weniger Arbeit und 5% mehr Lohn sind Realitätsfremd. Mann muss die 8 Stunden im Monat die sie weniger Arbeiten wollen noch mit drauf zählen. Wenn man das rechnet kommt man geschätzt auf eine Foderungen von 20 bis 30 Prozent.
williwuerg 17.10.2014
2. GdL beschwert sich über Überstunden?
Verstehe ich das richtig? Weselsky tönt in Leipzig und prangert die vielen Überstunden an. Da gehe ich ja noch mit - mehr Personal tut da wohl not. Aber wenn die GdL jetzt noch weniger arbeiten will, dann häufen sich ja noch mehr Überstunden an. Sind das alles Schwachköpfe oder ist das Masche um beim nächsten Streik noch mehr auf die DB einprügeln zu können? Letztendlich habe ich kein Verständnis für die abgezockte GdL. Es wird behauptet, dass die DB das auf den Rücken der Fahrgäste austrägt. Nein ihr von der GdL macht das. Die DB hat von mir echt Anerkennung bekommen, wie sie bemüht war, dem Verkehr aufrecht zu halten. Es hat recht gut, gemessen an den Umständen, funktioniert. Ihr GdLer vergesst vielleicht, dass viele DB-Mitarbeiter für euch Überstunden schruppen, damit ihr eure grössenwahsenigen Ziele umsetzen könnt. Gut das die DB hier hart bleibt.
georg69 17.10.2014
3. Die Fernbusunternehmen wirds freuen ...
Die GDL sägt mit ihren Streiks an dem Ast, auf dem ihre Mitglieder sitzen. Vielleicht sollte der eine oder andere Lokführer über einen Busführerschein nachdenken. Ich bin mir sicher, dass die GDL auch ohne Streiks gut verhandeln könnte, wenn sie nur wollte.
Ulrike E. 17.10.2014
4. Kein Verständnis!
Wie oft will die GDL dieses Spiel noch spielen? Neuerdings Streiks im 2-Tages-Rhytmus? Nein, dafür habe ich kein Verständnis. Besonders, da ich persönlich betroffen bin. Ich *muss* am Montagmorgen zu einem Vorstellungsgespräch, in einen Ort, in dem es von meinem Wohnort aus *keinen Busverkehr* gibt. Aber, egal: Hauptsache alles bestreiken: Güter, Regional und S-Bahn-Verkehr. Warum zieht man nicht endlich die Streikkasse ein und die streiklustigen aus dem Verkehr. Das eigentliche Anliegen wird doch hiermit ad absurdum geführt. Es gab *keine Verhandlungen* dadurch hat die Gewerktschaft eigentlich auch kein Recht auf Streik. Zuerst hätte es Verhandlungen geben müssen, danach darf man auf Warnstreik etc. entscheiden. Es reicht: Ich bin stark dafür, dass die Gewerkschaft GDL und Co. die Kunden aus ihrem Privatvermögen *entschädigen* müssen.
Lische 17.10.2014
5. Liebe GDL, liebe Lokführer
Langsam könnt Ihr mich mal ... Wenn ich mich mal einer Klassenkampfsprache bedienen möchte, dann streikt hier die "arbeitende Klasse" und nimmt andere Menschen aus der "arbeitenden Klasse" ungefragt als Druckmittel. Ich komme nicht mehr oder nur noch sehr schwer zur Arbeit (Ja - auch am WoE arbeiten Menschen). Wozu soll das gut sein? Das ist für mich die Degenerierung einer zivilisatorischen Errungenschaft - des Streikrechts. Wenn eines Tages das Streikrecht zu Grabe getragen werden sollte, dann steht Ihr als Totengräber in der ersten Reihe - zusammen mit den Piloten. Und bevor wieder jemand jammert: Natürlich habt Ihr das Recht zu streiken. Aber ich habe auch das Recht, jedem Lokführer den ich treffe dazu meine persönliche Meinung zu sagen. Und das werde ich tun.
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