Lokführerstreik am Wochenende Bahn streicht Sonderzüge zu Bundesligaspielen

Die Lokführer streiken wieder - und Millionen sind betroffen. Schon am Freitagnachmittag gilt ein Notfahrplan, Züge fallen aus. Am Wochenende erwartet nicht nur Urlauber ein Verkehrschaos, sondern auch Fußballfans: Die Sonderzüge zu den Spielen sind gestrichen.

Pech für Fußballfans und Urlauber: Die Lokführer wollen am Wochenende wieder streiken
DPA

Pech für Fußballfans und Urlauber: Die Lokführer wollen am Wochenende wieder streiken


Berlin - Urlauber sind verärgert, Fußballfans auch, und die Wirtschaftsverbände Deutschlands ebenfalls: Am Wochenende trifft das Land erneut ein Streik der Lokführer der Deutschen Bahn. Diesmal hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zu einem 50-stündigen Ausstand aufgerufen. Im Güterverkehr sollen die Züge bereits ab Freitag, 15 Uhr stehen bleiben, im Personenverkehr ab Samstag, 2 Uhr nachts.

Der Streik wird Wochenendreisende aber bereits am Freitagnachmittag behindern, denn die Bahn setzt einen Notfahrplan in Kraft. Wie das Unternehmen mitteilte, soll auf diese Weise wie an den vergangenen Streiktagen wieder ein Drittel des Fernverkehrs aufrecht erhalten und den Kunden eine gewisse Planungssicherheit gegeben werden. Dafür wird bereits vor Streikbeginn arbeitendes Personal und Züge anders eingesetzt.

Der Zeitpunkt des Ausstands ist denkbar ungünstig: Gerade an diesem Wochenende werden viele Urlauber mit ihren Kindern per Bahn heimkehren oder aufbrechen wollen. In elf Bundesländern enden oder beginnen Herbstferien, daher steht eines der verkehrsreichsten Wochenenden des Jahres bevor. Schon an normalen Sonntagen liegt die Auslastung der Züge laut der Bahn 30 Prozent höher als an anderen Tagen.

An den Bahnhöfen dürfte es daher umso voller werden. Und mittendrin befinden sich Tausende Fußballfans. Bremer, die sich auf den langen Weg zu einem Spiel in München machen, Augsburger auf dem Weg nach Mainz, Berliner auf dem Weg nach Gelsenkirchen. Mehr als 100.000 Fußball-Fans nutzen jedes Wochenende die Bahn - und stehen nun vor einem großen Problem: Die Fußball-Sonderzüge seien abgesagt, bestätigte eine Bahn-Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Deutsche Bahn: "GDL läuft Amok"

In ganz Deutschland werden daher viele Fans wohl auf Nummer sicher gehen und das Auto wählen. Doch auch auf den Autobahnen dürfte es, nicht zuletzt wegen der Ferien, voll werden. "Wir können die Leute nur dazu aufrufen, sehr frühzeitig loszufahren und genug Zeit einzuplanen", sagte Julia Ebert, Leiterin der Abteilung Fan- und Mitgliederbetreuung bei Werder Bremen der Agentur SID.

Die GDL bedauert nach eigener Aussage die Unannehmlichkeiten. "Gerade auch, weil Fußball eine verbindende Sportart ist", teilte die GDL auf SID-Anfrage mit, warb aber um Verständnis: "Unsere Kollegen müssen klar machen, dass sie sich vom Arbeitgeber nicht ihrer Tarifmacht berauben lassen und ihre berechtigten Forderungen in Verhandlungen zur Sprache bringen wollen. Das geht leider nur mit Streiks."

Die Deutsche Bahn wirft der Gewerkschaft jedoch vor, mit dem 50-stündigen Streik jedes Maß verloren zu haben: "Die GDL läuft Amok". Ohne Not würden Millionen Menschen die Ferien verdorben. GDL-Chef Claus Weselsky warf der Bahn hingegen Blockade vor: "Es ist Zeit, dass die DB die Fakten akzeptiert." Die Gewerkschaft sei kompromissbereit. Man bestehe aber darauf, für das gesamte Zugpersonal zu verhandeln, was die Bahn ablehnt.

Der Fahrgastverband Pro Bahn nennt den GDL kompromisslos. Die Gewerkschaft verspiele mit ihren Aktionen den Rückhalt in der Bevölkerung und bei den Fahrgästen, sagte Pro-Bahn-Bundessprecher Gerd Aschoff. Die Lokführer hatten ihre Arbeit in dieser Woche bereits am Mittwoch für 14 Stunden niedergelegt und damit den Zugverkehr in Deutschland teilweise lahmgelegt.

Am Montagmorgen um 4 Uhr wollen die Lokführer ihre Arbeit wieder aufnehmen. Damit dürften dann auch Berufspendler wieder Probleme bekommen werden, da es mehrere Stunden dauert, bis sich nach Streikende der Verkehr wieder normalisiert. Jeden Tag sind im Schnitt rund sechs Millionen Kunden mit der Deutschen Bahn unterwegs.

Gewinner sind die Fernbusunternehmer

Nicht nur Fußballfans, auch Wirtschaftsverbände reagierten verärgert auf den langen Streik. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nannte den Ausstand unverhältnismäßig und verantwortungslos.

"Die Streiks führen auch im Güterverkehr bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen", sagte auch der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks. "Denn Bahntransporte können oft nicht kurzfristig auf Straßen oder Schiffe verlagert werden." Die Güterbahn soll bereits ab Freitagnachmittag bestreikt werden.

Darunter könnte besonders die Autoindustrie leiden. Täglich fährt die Bahn nach eigenen Angaben allein für diese Branche über 200 Züge. "In Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie ist die Produktionskette komplett auf Just-in-time-Produktion ausgerichtet", sagte Dercks. Zuliefer- und Produktionstermine seien also genau aufeinander abgestimmt. "Warenlager helfen nur die ersten Tage, dann stockt die Fertigung."

Gewinner des Streiks ist jedoch der noch relativ neue Fernbusmarkt. Die Ankündigung sorgt jetzt schon für einen immensen Ansturm auf das Angebot, etwa bei MeinFernbus. Geschäftsführer Torben Greve sagt, dass seine Homepage seit dem Morgen eine Verdreifachung der Zugriffe verzeichnet. Die Buchungseingänge schnellten entsprechend in die Höhe.

Der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), Matthias Schröter, sprach vom "puren Wahnsinn". Die Webseiten einzelner Anbieter seien überlastet, es gebe mehr Anfragen als Kapazitäten. Alle Anbieter versuchten nun, mit weiteren und größeren Bussen auf den Ansturm zu reagieren.

Was Sie wissen müssen, um am Wochenende zum Ziel zu gelangen, lesen Sie in unserem Servicetext.

Alles zum Bahnstreik am 18. und 19. Oktober

abl/dpa/SID

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insgesamt 70 Beiträge
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Seite 1
TheFrog 17.10.2014
1. Die GDL bedauert die Unannehmlichkeiten....
Schon fast eine zynische Aussage. Das der Streik auf dieses Wochenende fällt, ist sicher kein Zufall. Ich bedauere jetzt schon die Familien, die mit Gepäck und Kindern irgendwo stranden werden. Das ist natürlich bedauerlich. Wenn noch ein Fünkchen Verständnis für die Streikenden irgendwo vorhanden war.....jetzt mit Sicherheit nicht mehr.
Wunderläufer 17.10.2014
2. Angst
"Die Gewerkschaft sei kompromissbereit. Man bestehe aber darauf, für das gesamte Zugpersonal zu verhandeln, was die Bahn ablehnt." Da hat die GDL wohl Angst vor der Bedeutungslosigkeit. Für diese Forderungen habe ich kein Verständnis, für mehr Gehalt und weniger Arbeitsstunden sehr wohl
ivonne.arold 17.10.2014
3. Dieser Streik ist eine bodenlose Frechheit!
Wie sich eine Gewerkschaft von Mitarbeitern eines quasi Monopolunternehmens eine derartige Unverschämtheit auf Kosten der Bevölkerung rausnehmen kann, ist mir ein Rätsel! Für Unternehmen, die einen großen Teil der Infrastruktur eines Landes lahmlegen können, müssen andere Gesetze herrschen als für die freie Wirtschaft!
till2010 17.10.2014
4.
Man sollte längerfristig über Alternativen zur Bahn nachdenken und/oder Zugführer laut Gesetzbeschluß im öffentlichen Dienst anstellen und verbeamten.
Korf 17.10.2014
5. Herrlich.
Lustig anzuschauen, wie die Lokführer und ihre GdL der Konkurrenz in die Hände spielen. Wenn sie noch ein bisschen so weitermachen, stärken sie damit die Busgesellschaften derart, dass ihre eigenen bequemen Sessel wackeln. Aber dann ist es vielleicht schon zu spät. Weselsky und Freunde finden sich irgendwo anders ein Unterkommen, aber "ihre" Lokführer sitzen auf der Straße. Selbst Schuld.
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