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Wie Reisende den Bahnstreik umgehen: Aus der Mitte entspringt ein Bus

Trotz Bahnstreiks an diesem Herbstferien-Wochenende bleibt das große Chaos aus. Die Bahn stemmt sich mit Ersatzfahrplänen gegen den Ausstand, und viele Reisende haben offenbar schon umgeplant.

Andrang beim Hauptbahnhof Karlsruhe auf einen Fernbus: Die meisten Reisenden haben offenbar rechtzeitig umdisponiert Zur Großansicht
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Andrang beim Hauptbahnhof Karlsruhe auf einen Fernbus: Die meisten Reisenden haben offenbar rechtzeitig umdisponiert

Berlin/Hamburg - Die Deutsche Bahn stemmt sich mit Ersatzfahrplänen gegen den Streik der Lokführer, doch viele Zugreisende müssen an diesem Wochenende umdisponieren.

Im Fernverkehr gilt bereits seit Mitternacht ein Notfahrplan. Die Bahn versprach den Reisenden ein gewisses Maß an Planungssicherheit. Ob tatsächlich jeder dritte Fernzug wie geplant fahren werde, könne aber nicht garantiert werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Auch im Regional- und S-Bahn-Verkehr rollen die Züge nach einem Notfahrplan. Zahlreiche Züge fielen bereits aus.

An den Bahnhöfen blieb das große Chaos aber aus: Viele Reisende hätten sich vorab informiert und Alternativen gesucht, sagte ein Bahnsprecher. Von den Zugausfällen profitierten vor allem Fernbusanbieter. Auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) an der Messe Berlin war die Wartehalle am Samstagmorgen fast bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt. Einige Unternehmen setzten wegen des erwarteten Ansturms Zusatzbusse ein. "Aus der Mitte entspringt ein Bus", so spotten Twitter-Nutzer seit Tagen über den plötzlichen Massenandrang auf diese Reisealternative.

Auch am Hamburger Hauptbahnhof ist am frühen Nachmittag von Chaos keine Spur:

Andreas Limbach am Hamburger Hbf: Auf dem Weg von Rostock nach Bonn Zur Großansicht
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Andreas Limbach am Hamburger Hbf: Auf dem Weg von Rostock nach Bonn

Andreas Limbach: Ich war etwas früher am Bahnhof in Rostock und bin dann mit einem Großraumtaxi nach Hamburg gefahren worden. Das fand ich einen guten Service. Jetzt warte ich auf meinen Zug nach Bonn. So muss ich zwar ein Mal umsteigen, aber wenn alles klappt, komme ich sogar ohne Verspätung dort an.

Carola und Bodo Ablass am Hamburger Hbf: Auf dem Weg von Niebüll nach Büchen Zur Großansicht
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Carola und Bodo Ablass am Hamburger Hbf: Auf dem Weg von Niebüll nach Büchen

Carola und Bodo Ablass: Wir haben richtig Glück gehabt. Die Nord-Ostsee-Bahn hat uns großzügigerweise mit unserem Deutsche-Bahn-Ticket von Niebüll nach Hamburg mitgenommen. Unsere Regionalbahn nach Büchen fällt jetzt zwar aus, aber zur Not können wir uns von Bekannten abholen lassen. Uns hat es also nicht so schlimm getroffen wie viele andere. Außerdem kommen wir grade aus dem Urlaub und sind sehr entspannt.

Hamburg Hbf: Die Gleise am frühen Nachmittag Zur Großansicht
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Hamburg Hbf: Die Gleise am frühen Nachmittag

Ganz so locker sehen das nicht alle Reisende. Eine Frau, die anonym bleiben möchte, hat kein Verständnis für die Lokführer. "Ich musste jetzt mit dem ADAC-Postbus von Dortmund nach Hamburg fahren", sagt sie. Jetzt geht es mit einer Freundin zusammen weiter nach Westerland - aber nicht wie ursprünglich geplant mit der Deutschen Bahn, sondern mit der Nord-Ostsee-Bahn. "Wir kommen mehr als eine Stunde später an."

Streik ausgerechnet während der Herbstferien

Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder seit Samstagmorgen um 2 Uhr zum Streik aufgerufen. Dieser soll erst am Montagmorgen um 4 Uhr enden. Noch am Freitag hatte die Bahn ein neues Angebot vorgelegt und versucht, den Ausstand abzuwenden. Die GDL lehnte die Offerte jedoch ab, GDL-Chef Claus Weselsky sprach von einem "Scheinangebot".

Die Bahn berichtete bis Samstagmittag von bundesweiten Einschränkungen im S-Bahn- und Regionalverkehr. Mit Ersatzfahrplänen im Nahverkehr will der Konzern den Verkehr auf wichtigen Linien sichern. "Dies ist auf den Hauptlinien auch gelungen", teilte die Bahn mit. Auf einigen Nebenstrecken würden aber keine oder nur wenige Züge fahren. Teilweise würden Busse als Ersatz eingesetzt. Informationen zu den Ersatzfahrplänen veröffentlicht die Bahn hier.

Laut dem Unternehmen wirken sich die Streiks je nach Bundesland unterschiedlich aus:

  • In Bayern fährt demnach die Hälfte aller Züge im Regionalverkehr. In München wird laut Bahn der S-Bahn-Verkehr zum Flughafen aufrechterhalten.
  • Auch im Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen können wichtige Strecken bedient werden, meldete die Bahn. Darunter die Verbindung Aachen-Paderborn und die S-Bahn-Linie 1 Solingen-Dortmund.
  • In Sachsen und Sachsen-Anhalt greife der Ersatzfahrplan weitgehend, hieß es. In Thüringen wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.
  • In Hessen, im Großraum Frankfurt, in Rheinland-Pfalz und im Saarland funktionieren die Ersatzfahrpläne laut Bahn. Es könne aber zu einzelnen Ausfällen kommen.
  • In Niedersachsen und Schleswig-Holstein werden die Hauptlinien laut Bahn im Stundentakt bedient. Ausfälle auf Nebenstrecken können demnach zum Teil mit Bussen ersetzt werden.
  • In Großstädten wie Berlin, Hamburg und Stuttgart fahren die S-Bahnen nach Angaben der Bahn mit Einschränkungen. In Berlin sollen die beiden wichtigen Ringbahnlinien S41 und S42 am Wochenende komplett ausfallen.

Insgesamt wolle man mit dem Ersatzfahrplan mindestens ein Drittel des Angebotes aufrechterhalten und nach Streikende am Montagmorgen die Verfügbarkeit der Züge absichern, teilte die Bahn mit. SPIEGEL ONLINE hat für Reisende einen Überblick über die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Der Streik trifft Bahn-Kunden diesmal besonders hart. Denn in sieben Bundesländern beginnen an diesem Wochenende die Herbstferien, in zwei enden sie, darunter Nordrhein-Westfalen. Ein Bahn-Sprecher berichtete, Millionen Menschen seien mit Kindern und Gepäck unterwegs. Tausende Mitarbeiter seien zusätzlich im Einsatz, um sich um Kunden zu kümmern. Die Bahn stellte auch Züge unter anderem in Frankfurt, Berlin, München und Hamburg zur Verfügung, in denen Reisende übernachten konnten.

Trotz des Streiks und Herbstferien in elf Bundesländern gab es bisher auf den Straßen laut ADAC nur wenige Staus.

Auch der Güterverkehr wird seit Freitagnachmittag bestreikt. Noch ist unklar, welche finanziellen Belastungen genau auf den Konzern zukommen. "Ein Streiktag kostet schnell einen einstelligen Millionenbetrag", sagte Personalvorstand Ulrich Weber der "Bild"-Zeitung.

Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn und eine kürzere Arbeitszeit. Im Kern allerdings geht es bei dem Tarifstreit um einen Machtkampf zwischen Bahn-Gewerkschaften. Die GDL will künftig bei Tarifverhandlungen auch für Zugbegleiter und andere Bahn-Mitarbeiter verhandeln, die bislang von der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten werden. Die Bahn will aber keine konkurrierenden Tarifabschlüsse für dieselbe Berufsgruppe.

Die Bundesregierung will mit einem neuen Gesetz verhindern, dass es in Betrieben unterschiedliche Tarifverträge für einzelne Berufsgruppen gibt. Einen Entwurf will Arbeitsministerin Andrea Nahles im November vorlegen. Eine Lösung gilt als kompliziert, weil in Deutschland die Tarifautonomie im Grundgesetz garantiert ist.

Alles zum Bahnstreik am 18. und 19. Oktober

mmq/wit/dpa/Reuters

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insgesamt 96 Beiträge
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1. Das
shark 18.10.2014
gibt doch der DB Möglichkeit, sich von ungeliebten Lokführer zu trennen. Soll doch die GdL für sie weitere Zahlungen leisten bzw. fürs Alter vorzusorgen. Ich gehe davon aus, das es genug Jugendliche bzw. Arbeitssuchende gibt , die das ausfüllen können.M.E. ist eine Ausbildung nur 1 Jahr notwendig. Im 2. Weltkrieg wurden Piloten auch mit 18 Jahren und 1 Jahr Ausbildung fit gemacht.
2. Streik muss wehtun
chagall1985 18.10.2014
Was hat der sonst für einen Sinn. Ich kann das immer gar nicht fassen das alle Medien hier Arbeitgeberstandpunkte verbreiten. Natürlich ist das ärgerlich! Das soll es ja auch um daran zu erinnern, dass uns die schöne Normalität auch was wert sein sollte. Nämlich faire und angemessene Löhne. Wenn Spitzenmanager und Aktienanalysten für 4 Wochen Streiken würden bekäme das kaum einer mit. Die verdienen aber 100 Mal mehr als Krankenschwestern, Feuerwehrleute und eben Lokführer.....
3. Sehr großer Fehler, nie wieder gut zu machen
hesse 18.10.2014
Die Bahn hätte nie privatisiert werden dürfen.
4.
royal_flush 18.10.2014
Lässt sie streiken, bis die Streikkasse leer ist, dann ist erst mal eine Weile Ruhe. Bin zwar dieses Mal auch betroffen, aber ich hoffe, die Bahn bleibt hart!
5. Lokführer sind entbehrlich
bin verwirrt 18.10.2014
Nun...jetzt ersetzen Busse die Bahn samt Lokführer. Weiter so, es geht doch scheinbar auch ohne Lokführer. Sie sind also nicht zwingend nötig und haben bestens bewiesen, wie unwichtig sie doch sind.
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Bahngewerkschaften
Welche Gewerkschaften spielen eine Rolle in der Bahnbranche?
Mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gibt es in der deutschen Bahnbranche zwei rivalisierende Gewerkschaften. Bis Ende 2010 waren es sogar drei - bis Transnet und die Verkehrsgewerkschaft GDBA zur EVG fusionierten.
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Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist mit 240.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Beschäftigten in der Bahnbranche. Sie ist Ende 2010 aus der Fusion von Transnet und GDBA hervorgegangen, die zuvor schon kooperiert hatten. Die EVG gehört dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) an. Ihre Mitglieder kommen aus allen Bereichen der Deutschen Bahn sowie von privaten Bahn- und Busgesellschaften.
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GdL)
Die 1867 als Verein Deutscher Lokomotivführer gegründete GDL hat 34.000 Mitglieder. In ihr sind nach Gewerkschaftsangaben rund 75 Prozent der Lokführer bei der Deutschen Bahn und ein Drittel der Zugbegleiter organisiert. Die GDL gehört dem Beamtenbund an.
Deutsche Bahn
Der Konzern
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Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
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Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.

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