Bambusrad auf Weltreise Strampeln für sauberes Trinkwasser

Zwei Studenten schicken ein Bambusrad um die Erde und wollen damit auf die Ressourcenknappheit aufmerksam machen. Die Etappen sollen unter vielen Radlern aufgeteilt werden - Interessenten aus der Türkei, Iran, Australien, Uganda und Amerika haben sich bereits für eine Tour angemeldet.

DPA

Würzburg - Matthias Kalla hält den Haartrockner nah an ein langes, schmales Stück Bambus. Der flache Halm ist mit einer Schraubzwinge auf der Werkstattbank festgeklemmt und nach oben gebogen. Er soll das Schutzblech für ein ungewöhnliches Fahrrad werden - ein Bambusfahrrad, das auf eine Reise rund um die Welt geschickt wird. Mit dem rollenden "Staffelstab" soll Geld für ein Trinkwasserprojekt von "Viva con Agua" gesammelt werden. Der Verein setzt sich für verschiedene Wasserprojekte in der Dritten Welt ein.

"So viele Menschen reisen allein um die Welt. Nun schicken wir ein Rad allein auf Tour", sagt der Geoinformatik-Student Kalla. Gemeinsam mit seiner Mitbewohnerin Sabine Metzger hat er das Projekt "GlobalBikeTrotting" vor zwei Monaten auf die Beine gestellt. Entstanden ist die Idee an einem Abend bei einem Glas Wein in der Wohngemeinschaft. "Das Rad soll aus Bambus sein, weil es ein robuster, schnell nachwachsender Rohstoff ist", sagt die 26 Jahre alte Pädagogik-Studentin.

Auf seiner Welttour soll das Bike nicht nur Menschen verbinden, sondern auch auf einen nachhaltigen Lebensstil aufmerksam machen. "Es steht symbolisch für die Rohstoffwende", sagt Metzger.

Die beiden Studenten erhielten eine kleine Anschubfinanzierung einer Initiative, die Jugendprojekte fördert. Auch Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD) sagte schließlich seine Unterstützung zu und übernahm die Schirmherrschaft für den Auftakt des Projektes. "Die Mission des Bambus-Bikes lautet: Möglichst viele Menschen spielerisch auf die Trinkwasserknappheit und einen verantwortungsvollen Umgang mit weiteren Ressourcen und Rohstoffen aufmerksam zu machen", sagt Rosenthal.

Die Idee für die Weltreise des Bambusrads ist denkbar einfach: Wer mit dem Rad fahren möchte, kann sich im Internet anmelden. Hier gibt der potentielle Biker auch die Route an, die er gerne fahren möchte. "Es ist egal, ob es die Strecke schon gibt oder ob sie in der Nähe der bisherigen Route liegt", sagt Metzger. "Je mehr mitmachen, desto flexibler können wir planen."

Schon jetzt haben sich Interessenten für Strecken in Amerika, Afrika und Australien gemeldet. "Für die Tour durch Deutschland dürfen es gern noch mehr werden", sagt Kalla. Dass dem Projekt die Teilnehmer ausgehen könnten, fürchten die beiden nicht. "Wir sind gut vernetzt. Und selbst, wenn das Rad im Winter länger steht - danach geht es auch wieder weiter."

"Wir vertrauen den Leuten"

Den Bambusrahmen für das Fahrrad haben die beiden in Berlin in einem Workshop selbst gezimmert. "In der WG haben wir danach weiter gesägt, gefeilt und lackiert", sagt Kalla. Ein Fahrradladen aus der Region sponserte Reifen, Sattel, Lenker und Zubehör. "An dem Projekt hat mich das Soziale und das Außergewöhnliche gereizt", so Laden-Inhaber Felix Schmitt.

Seine Mechaniker standen wie Kalla und Metzger vor baulichen Herausforderungen. "Für den Bambusrahmen passte nix von der Stange. Alles musste individuell zusammengestellt und verbaut werden." Aber die Arbeitsstunden hätten sich gelohnt. Das 17 Kilogramm schwere 26-Zoll-Fahrrad sei sehr stabil und ein Hingucker geworden.

Die größte Sorge der Initiatoren ist, dass jemand das Rad klauen könnte. Es wird mit einem Zahlenschloss gesichert - den Code sollen nur angemeldete Fahrer erfahren. "Wir vertrauen den Leuten", sagt Metzger. Die erste fest geplante Etappe ist Indien. "Vielleicht reisen wir sogar dorthin und schauen, wie es dem Rad geht", sagt der Geoinformatik-Student, der jetzt nicht nur Räder bauen und Internetseiten programmieren kann, sondern sich nun auch mit Rechtsgrundlagen und Öffentlichkeitsarbeit auskennt. "Das ist besser als jede Uni-Vorlesung."

Wann die beiden das Bambusrad danach wiedersehen werden, steht in den Sternen. "Vielleicht in 20 Jahren? Vielleicht schon eher und dann mit völlig neuen Einzelteilen? Es ist alles möglich." Zuversichtlich ist Kalla auf jeden Fall: Beim Guinnessbuch der Rekorde in London hat er das reisende Bambusrad schon angemeldet. "Wer weiß, vielleicht wird jeder Fahrer Teil eines gelungenen Weltrekordversuches sein."

Christiane Gläser/dpa/lei

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
geotie 19.07.2012
1. Yoooh
Und dann gibt es Leute die niemals auf das Rad steigen würden, weil es eben kein USB-Anschluß hat, keine 28 Gänge, keine ... Ich finde Innovationen gut, obwohl ich mir nicht vorstellen kann das daraus eine Serienproduktion geben wird. Solche Geister brauchen wir!
spon-facebook-684631756 23.09.2012
2. Jaaaaaaa!
Ich möchte unbedingt ein solches Fahrrad aus Bambus, weil die Idee wunderbar ist. Es ist gut für die Menschen in Ghana, es ist umweltfreundlich, aus Naturprodukten, leicht und sehr innovativ. So stelle ich mir, nebenbei bemerkt, sinnvolle Hilfe für Afrika vor.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.