Kauftipps für Outdoor-Unterwäsche: Schluss mit dem Gemüffel

Von "Alpin"-Autor Johannes Wessel

Tagelang in der gleichen Unterwäsche schwitzen: Für Wanderer, die mit wenig Gepäck auf Tour gehen, ist das Alltag. Stinken muss man unterwegs trotzdem nicht, wenn man das richtige Material wählt. Eine kleine Kaufberatung.

Baselayer für unterwegs: Die Unterschicht stinkt nicht Fotos
CRAFT

Schwitzen muss jeder. Der von Millionen Drüsen ausgesonderte Schweiß ist einer der Garanten dafür, dass die Körpertemperatur bei gesunden 37 Grad Celsius bleibt. Das Ergebnis dieses Regulationsmechanismus stinkt allerdings bisweilen zum Himmel.

Verantwortlich dafür ist die Zusammensetzung unseres Schweißes. Zu 99 Prozent besteht er aus Wasser, im verbleibenden Prozent tummeln sich Harnstoff, Ammoniak, Fettsäuren, Kochsalz und Mineralien wie Kalium, Natrium und Phosphate. Schweiß stinkt zunächst nicht. Erst bei der Zersetzung durch Bakterien der natürlichen Hautflora entsteht die besagte säuerliche oder ranzige Duftnote. Vor allem im Bereich der Achselhöhlen und der Füße finden sich die Schweißdrüsen, die im Vergleich zum restlichen Körper mehr Geruchsmoleküle absondern.

Sportunterwäsche ist sozusagen direkt an der Front und bekommt die höchste Dosis an Molekülen ab. Gerade bei mehrtägigen Touren, bei denen nicht jeden Tag eine frische Unterwäsche angezogen werden kann, wird es, geruchstechnisch betrachtet, schnell eng. Schon seit Jahren versuchen Wissenschaftler und Bekleidungshersteller, die verantwortlichen Bakterien sprichwörtlich an der Nase herumzuführen.

Selbstreinigende Merinowolle

"Wie stark ein Kleidungsstück nach Schweiß riecht, hängt davon ab, wie viele Geruchsmoleküle es aufnimmt und wie viele es in entsprechender Zeit wieder freigibt, was dann als unangenehmer Geruch wahrgenommen wird", erklärt Timo Hammer, Biologe von den Hohenstein-Instituten in Bönnigheim. Je nach Material beziehungsweise Stoff funktioniert die Geruchsreduktion nach verschiedenen Prinzipien.

Die von Tieren stammende Merinowolle beispielsweise verfügt aufgrund ihrer Struktur über eine sehr aktive chemische Oberfläche und zugleich über eine natürliche selbstreinigende Wirkung. Untersuchungen bei den Hohenstein-Instituten mit radioaktiven Geruchsmolekülen haben ergeben, dass auch über einen längeren Zeitraum von rund 20 Stunden relativ wenig Geruchsmoleküle in der Wolle vorhanden waren. Sie "müffelte" somit nur gering.

Wolle stellt aber nicht in jeder Outdoor-Situation die optimale Lösung dar. Sie nimmt relativ viel Feuchtigkeit auf und trocknet langsamer. Daher greifen Verbraucher gerne zu Produkten aus Synthesefasern. Diese leiten die Feuchtigkeit konstruktionsbedingt viel schneller ab und trocknen schneller.

Um die Geruchsbildung einzuschränken, beschreiten die Hersteller hier zwei Wege, die manchmal auch kombiniert werden. Zum einen rüstet man die Materialien mit Silber oder anderen antibakteriellen Wirkstoffen aus. Diese machen die für die Zersetzung des Schweißes verantwortlichen Bakterien unschädlich, so dass es gar nicht zur Bildung von Geruchsmolekülen kommt.

Dauerhafte Geruchshemmer

Wie gut das funktioniert, hängt davon ab, wie haltbar diese Stoffe (Biozide) auf der Faser aufgebracht sind. Im Geschäft kann der Verbraucher allerdings schlecht testen, welches Funktionsunterhemd über ein gutes Geruchsmanagement verfügt. "Beim Kauf sollte man daher auf ein entsprechendes Label achten, das etwas über die Geruchsreduktion aussagt", sagt Experte Timo Hammer.

Institute wie die Hohensteiner testen nämlich Bekleidung mit den neusten Geräten und Methoden auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen Geruch hin und vergeben dafür Zertifikate. Früher sagte man den Silberionen nach, dass sie auch die Hautflora schädigen. Mittlerweile sind viele Hersteller so weit, dass die Ionen nur im Stoff, nicht aber auf der Haut wirken.

Der zweite Trick zur Vermeidung von Müffelzonen ist, Textilien zu produzieren, die den Schweiß möglichst schnell abdampfen lassen und nicht mit Geruchsmolekülen interagieren. Je schneller die Feuchtigkeit vom Körper und dem Textil abdampft, desto weniger Geruchsmoleküle können anhaften.

Seit einiger Zeit gibt es auch Mischgewebe aus Polyester oder Wolle mit Naturprodukten wie Bambus oder Kokosfasern (Cocona). Natürliche Bambusfasern verfügen über eine eigene mikrobakterielle Wirksamkeit, töten also Bakterien ab und reduzieren damit den Geruch.

Cocona ist eine Kokosfaser, die bei der Verbrennung der Kokosschale entsteht. Sie wird in das Gewebe eingearbeitet. Sie besitzt eine sehr große Oberfläche und kann sehr viele Geruchsmoleküle an sich binden, so dass diese dann nicht der Nase zur Verfügung stehen. Weitere Vorteile sind der hohe UV-Schutz und die große Feuchtigkeitsaufnahme der Fasern.

Die Meinung, Wollprodukte seien von Haus aus weniger geruchsanfällig, ist nicht mehr haltbar. "Bei unseren Tests konnten wir nachweisen, dass bei zahlreichen Synthetik-Produkten der Schweißgeruch nach 20 Stunden kaum mehr vorhanden war", so der Biologe.

Und wie sieht die Zukunft aus?

Es tauchen bereits heute Materialien auf dem Markt auf, die versprechen, beispielsweise mit "Käfigmolekülen" die Geruchsmoleküle über mehrere Tage hin fast komplett zu binden und zugleich die Bakterientätigkeit zu bremsen. Cyclodextrine heißen diese Mittel. Das klingt gefährlich, ist es aber nicht. Die Moleküle basieren auf Zucker.

Fazit: Die "Alpin"-Testredaktion hat bei den in der Tabelle aufgeführten Baselayern ausprobiert, wie anfällig sie für die Geruchsentwicklung sind. Generell konnten wir feststellen, dass die Geruchsbildung in der Unterwäsche im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich reduziert werden konnte. Auch nach mehrtätigem Benutzen war bei allen Teilen die Duftnote im erträglichen Rahmen, wobei die Merinowollteile ein kleines bisschen die Nase vorn hatten.

Baselayer im Vergleich
Firma Craft Icebreaker Löffler Marmot Rab
Modell Active Extreme Crew Neck Oasis Long Sleeve Crew Neck Transtex warm LA Wool Lightweight Tee Aeon Tee
Preis 39,95 Euro 79,95 Euro 45 Euro 50 Euro 34,95 Euro
Material 100 % Polyester 100 % Merinowolle 61% Wolle, 39% Polypropylen 71 % Polyester, 29 % Cocona 100 % Polyester
"Alpin"-Fazit Richtig warmes Teil für kalte Bedingungen. Gibt den Schweiß gut weiter, trocknet schnell. Mit mittlerer Geruchsent- wicklung auch nach mehrfachem Gebrauch keine große Heraus- forderung für die Nase. Fast geruchsneutral ist das Oasis Crew Neck, das komplett aus Merinowolle besteht. Es saugt den Schweiß sehr gut auf, trägt sich sehr angenehm und wärmt auch im (bedingt) feuchten Zustand. Zum Trocknen braucht es etwas länger. Die flauschige Innenseite aus Polypropylen trägt sich sehr angenehm und leitet die Feuchtigkeit schnell nach außen. Geruchsmäßig ist das Transtex Hemd sehr "gutmütig" und kann auch mehrmals hintereinander getragen werden. Das Lightweight Tee schmeichelt der Haut. Eher dünn eignet es sich für schweiß- treibende Aktionen, da es die Feuchtigkeit schnell weitergibt und schnell trocknet. Die Geruchsent- wicklung ist nach mehrfachem Tragen mittel intensiv. Mit seinem angenehm seidigen Tragegefühl ist das dünne und kühlende Aeon Tee eher was für schweiß-
treibende Aktionen bei wärmeren Temperaturen. Es trocknet rasend schnell und lässt sich deswegen fast überall schnell mal auswaschen. Von der Geruchs-
entwicklung her etwas "auffälliger" als Merinowollprodukte.
Quelle: "Alpin" 5/2013
Der Text stammt aus der Zeitschrift "Alpin", Ausgabe 5/2013

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Mann oder Memme
taglöhner 08.05.2013
Ein vollständiges Outdoor-Erlebnis ist ohne Aroma keins.
2. Zu frueh oder zu spaet
gehmlich 08.05.2013
Vielleicht haette man diese Produktempfehlungen vor dem vergangenen oder dem kommenden Winter herausbringen sollten. Jetzt wird wohl kaum jemand - reden wir von der Mehrheit der Leser - langaermelige Unterwaesche kaufen.
3. ...
freeride4ever 08.05.2013
Zitat von gehmlichVielleicht haette man diese Produktempfehlungen vor dem vergangenen oder dem kommenden Winter herausbringen sollten. Jetzt wird wohl kaum jemand - reden wir von der Mehrheit der Leser - langaermelige Unterwaesche kaufen.
Naja, die Alpin Saison (Bergsteigen > 3000m) geht gerade erst los, die Skitourensaison ist noch im vollen Gange, passt schon finde ich.
4.
peddersen 08.05.2013
Tja - Quatsch. Ich denke, die Leute, die das für die wirkliche Problematik brauchen - tagelang ohne Waschen und Wasser unterwegs zu sein, sind Exoten. Wahrscheinlich 3 Prozent der Leute, die sowas kaufen. Ich hab früher 14 Tage aus einem 35 Liter Tankrucksack gelebt und keine Extremmüffelei bemerkt - die andern auch nicht :) Es ist auch möglich, mit ganz normaler Wäsche einigermaßen über die Runden zu kommen. Vielleicht für den nicht, der zweimal am Tag duscht, nur frische Kleidung anzieht und ansonsten alle halbe Stunde unter seiner Achsel riecht, ob sich nicht gerade ein Düftlein einschleicht. Aber der hat noch ganz andere Probleme im Leben als Körpergeruch. Wer sich wäscht, hats nötig :))
5. Verkaufsförderung heißt es korrekterweise
albert schulz 08.05.2013
Zitat von peddersenTja - Quatsch. Ich denke, die Leute, die das für die wirkliche Problematik brauchen - tagelang ohne Waschen und Wasser unterwegs zu sein, sind Exoten. Wahrscheinlich 3 Prozent der Leute, die sowas kaufen. Ich hab früher 14 Tage aus einem 35 Liter Tankrucksack gelebt und keine Extremmüffelei bemerkt - die andern auch nicht :) Es ist auch möglich, mit ganz normaler Wäsche einigermaßen über die Runden zu kommen. Vielleicht für den nicht, der zweimal am Tag duscht, nur frische Kleidung anzieht und ansonsten alle halbe Stunde unter seiner Achsel riecht, ob sich nicht gerade ein Düftlein einschleicht. Aber der hat noch ganz andere Probleme im Leben als Körpergeruch. Wer sich wäscht, hats nötig :))
Ist ja komisch, daß keine Werbung für die maßlos überteuerte Funktionsunterwäsche aus Mikrofasern betrieben wird, die allerdings nur Teile des Schweißes durchläßt, aber schlecht wärmt, was für eine Reihe von Kunstfasern gilt. Jedes durchgeschwitzte Baumwollhemd, das über Nacht an frischer Luft hängt, ist am Morgen geruchsfrei. Bei Wolle ist es grundsätzlich problematischer, was jedem bekannt ist, der Wollsocken trägt. Das liegt vermutlich an den teilweise sehr dünnen Fasern, die eben nicht mit Frischluft in Kontakt kommen. Das gilt auch für dicke Baumwollstoffe, die man beim Bergsteigen gern benutzt. Feine Wollstoffe vermeidet man, weil sie wenig robust sind gegen Beschädigungen. Das gilt merkwürdigerweise auch für eine Reihe von Kunstfasern.
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