Behörde zu ICE-Unglück Lebensgefahr für eine "Vielzahl von Menschen"

Die ICE-Entgleisung im Kölner Hauptbahnhof hätte in einer Katastrophe enden können: Nur dank des Schritttempos wurde ein Unglück wie in Eschede verhindert - zu diesem Urteil kommt die zuständige Aufsichtsbehörde.


Erfurt/Köln - Nach Einschätzung des Eisenbahnbundesamts sind die Passagiere des notgebremsten ICE in Köln nur knapp einer Katastrophe entgangen. Ursache für die Entgleisung des ICE auf der Kölner Hohenzollernbrücke war nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen eine defekte Radsatzwelle.

Mitarbeiter der Deutschen Bahn und ein Polizist bei der Begehung der Unfallstelle vor etwa einer Woche.
DDP

Mitarbeiter der Deutschen Bahn und ein Polizist bei der Begehung der Unfallstelle vor etwa einer Woche.

Eine Sprecherin der Behörde bestätigte am Donnerstag den Wortlaut des Schreibens, das am vergangenen Freitag der Bahn zugesandt worden war. Darin wurde angeordnet, die ICE-3-Züge aus dem Betrieb zu nehmen und zu überprüfen. Ein unveränderter Weiterbetrieb der Triebzüge der Baureihen 403/406 sei "mit erheblichen Gefahren für Leib und Leben verbunden".

Wäre die Radsatzwelle des Zuges bei der normalen Streckengeschwindigkeit bis zu 300 Kilometern pro Stunde gebrochen, "hätte sich mit nicht unerheblicher Wahrscheinlichkeit eine Katastrophe wie zum Beispiel in Eschede ereignen können", heißt es in einem Bescheid der Aufsichtsbehörde an die Bahn.

Der Bruch einer Radsatzwelle führe unweigerlich zum Entgleisen des Zuges, schrieb das Eisenbahnbundesamt weiter: "Das Leben einer Vielzahl von Menschen ist unmittelbar in äußerster Gefahr." Am vergangenen Mittwoch war ein ICE 518 bei der Abfahrt am Kölner Hauptbahnhof wegen einer defekten Radsatzwelle entgleist.

Der ICE 3 ist die modernste Baureihe der deutschen Hochgeschwindigkeitszüge. Die Radsatzwelle wird nun von einem unabhängigen Gutachter untersucht.

reh/amz/dpa/AP



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Meinungsmarktbeiträger 11.07.2008
1. Erfahrungen mit der Bahn
Zitat von sysopService, Sicherheit, Komfort: bei der Bahn stets Argumente, auf der Schiene zu reisen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Über "Service, Sicherheit, Komfort" konnte ich mich nie beklagen. Wenn ich - meist wiederwillig und aus beruflichen Gründen - mit dem ICE unterwegs war, dann fand ich es im nachherein immer wieder sehr angenehm. Bahnfahren ist nach meinem Empfinden allerdings nach wie vor viel zu teuer und deswegen so wenig attraktiv.
der_durden 11.07.2008
2. Nichts gelernt...
Zitat von sysopService, Sicherheit, Komfort: bei der Bahn stets Argumente, auf der Schiene zu reisen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Die DB hat nichts gelernt. Der arrogante Abschluss von Eschede ist das Eine, dass die Bahn aber ein weiteres Mal gewillt ist, solche Risiken auf Kosten der Reisenden auf sich zu nehmen verschlägt mir die Sprache...
Rochus 11.07.2008
3. Entgleisung in Köln
Zitat von sysopService, Sicherheit, Komfort: bei der Bahn stets Argumente, auf der Schiene zu reisen. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Bahn?
Da ist die Bahn mal wieder erwischt worden: Profit geht über Sicherheit. Radreifen werden erneuert, wenn sie den Kunden um die Ohren fliegen, verrottete Bahnschwellen, wenn sie endlich zerbröseln und defekte Lager, wenn's nicht anders mehr geht. Bahnkunden brauchen einen sehr guten Draht zu einem leistungsfähigen Schutzengel. Jeder anderer Spediteur hätte schön längst seine Lizenz verloren. Rochus
derweise 11.07.2008
4. Würzburg, Köln
Vor Würzburg entgleiste der Hochgeschwindigkeitszug (!) ICE, weil einige Schafe auf dem Gleis waren. Das hätte schon stutzig machen müssen bezüglich der Erfüllung von sicherheitstechnischen Anforderungen. Nun ist wieder eine Engleisung: wegen Materialproblemen. Hier scheint die Routineüberprüfung nicht ausreichend. Gab es bei der Konstruktion des ICE überhaupt ein Sicherheitskonzept? Gibt es eine laufende Überwachung von Materialverschleiß usw.? Der ICE stellt eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit dar!
fraunicole 11.07.2008
5.
Zitat von der_durdenDie DB hat nichts gelernt. Der arrogante Abschluss von Eschede ist das Eine, dass die Bahn aber ein weiteres Mal gewillt ist, solche Risiken auf Kosten der Reisenden auf sich zu nehmen verschlägt mir die Sprache...
Mit der Privatisierung wird das Risiko noch größer werden. Profit ist Profit. Sicherheit kostet...
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