Berliner S-Bahn-Chaos Fahrwerke sind unterdimensioniert

Die durch einen Radbruch aufgefallenen und in die Werkstatt beorderten Züge der Berliner S-Bahn erfüllen nach SPIEGEL-Informationen die Zulassungsvoraussetzungen nicht. Jetzt erwägt die Bahn Regressforderungen gegenüber den Herstellern.


S-Bahn in Berlin: "Die Materialschlacht kann so nicht weitergehen"
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S-Bahn in Berlin: "Die Materialschlacht kann so nicht weitergehen"

Hamburg - Bahn-Vorstand Ulrich Homburg sagte im Gespräch mit dem SPIEGEL, die Fahrwerke der betroffenen S-Bahn-Züge seien "nicht dauerfest im Sinne der Vorschriften", die Radscheiben "schlicht unterdimensioniert".

Homburg kritisiert "einen Trend zu grenzwertigen Dimensionierungen beim Einsatz immer hochfesterer Stahlsorten", was besonders heikel sei, da sich Risse in solchen Werkstoffen schneller fortsetzten als bei konventionellem Stahl.

Homburg weiter: "Die Materialschlacht, mit der wir derzeit den Betrieb aufrechterhalten, kann so nicht weitergehen." Die Bahn, erklärt er, behalte sich Regressforderungen gegenüber den Herstellern vor.

Das Eisenbahn-Bundesamt hatte zwei Drittel der mehr als 500 S-Bahn-Züge wegen nachlässiger Wartung von Rädern aus dem Verkehr gezogen. Wegen der fehlenden Züge kappte die S-Bahn für zwei Wochen den gesamten Ost-West-Verkehr durch die Innenstadt. Von 551 Zugeinheiten waren am vergangenen Montag nur rund 165 im Einsatz. Normalerweise befördert die Berliner S-Bahn 1,3 Millionen Passagiere am Tag.

Die Bahn hat ab 10. August stufenweise Besserung versprochen. Am 15. August beginnt im Olympiastadion die Leichtathletik-Weltmeisterschaft. Eine vollständige Normalisierung des S-Bahn-Verkehrs wird erst für Dezember erwartet.



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