Berliner S-Bahn Wowereit fordert Investitionen in Strecken und Fahrzeuge

Kein Ende in Sicht: Selbst Bahnchef Rüdiger Grube wagte in Berlin keine Prognose, wie lange die S-Bahn noch mit eingeschränktem Fahrplan verkehren wird. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit drängte zur Eile.


Berlin - Der neue Bahnchef Rüdiger Grube hat sich persönlich bei den Kunden und dem Land Berlin für das derzeitige S-Bahn-Chaos in der Hauptstadt entschuldigt. Beim ersten Berliner "Bahngipfel" am Montag konnte Grube allerdings auch keinen Zeitpunkt für ein Ende der massiven Fahrplaneinschränkungen und Ausfälle nennen.

"Die S-Bahn erhält von Seiten des Mutterkonzerns alle notwendige Unterstützung, um so schnell wie möglich zu einem normalen Verkehrsbetrieb zu gelangen", sagte Grube. Die Bahn prüfe derzeit, die geschlossene S-Bahn-Werkstatt in Berlin-Friedrichsfelde wieder in Betrieb zu nehmen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bekräftigte, dass das Land für die ausfallenden Züge vertragsgemäß nicht aufkommen wird. "So schnell wie irgend möglich muss der reguläre Fahrplan wieder gelten und verlässlich eingehalten werden", forderte Wowereit. Er verlangte "nachhaltige Investitionen in Strecken, Service und Fahrzeugpark".

Die Situation ist entstanden, weil die frühere S-Bahn-Führung die Auflagen des Eisenbahn-Bundesamtes zur Überprüfung der Räder missachtet hatte. Daraufhin legte die Behörde mehr als ein Drittel der modernsten Fahrzeuge still. Die Räder bieten nicht die verlangte Materialgüte, deshalb war am 1. Mai eine S-Bahn entgleist.

Grube bestätigte Meldungen, nach denen es bereits im Jahr 2003 Probleme mit den Rädern gegeben hatte, bestritt jedoch, dass die S-Bahn-Führung damals etwas verheimlicht habe. Er kreidete ihr lediglich an, dass sie damals nicht die Hersteller-Gewährleistung in Anspruch genommen habe. Das führe heute dazu, dass die S-Bahn für die Schäden selbst aufkommen müsse.

Deren Höhe ist noch nicht absehbar. Grube sprach von jeweils 25 Millionen Euro allein durch die ausfallenden Zahlungen des Landes Berlin und durch die vorgesehene Kundenentschädigung. Dauerkunden der S-Bahn soll im Dezember der Monatsbeitrag erlassen werden. Pro Kunde sind das mindestens rund 50 Euro.

"Stabilen Zustand wiederherstellen"

Grube versicherte, es werde "alles unternommen, so schnell wie möglich einen normalen und stabilen Zustand wiederherzustellen". Die vom Mutterkonzern Anfang Juli wegen der chaotischen Zustände ausgewechselte S-Bahn-Führung werde versuchen, in Zusammenarbeit mit der BVG zum Bundesliga-Saisonauftakt am 8. August und zur Leichtathletik-WM, die am 15. August beginnt, den Besucheransturm zu bewältigen.

Wowereit und Grube zeigten sich nach dem Treffen mit den Spitzen der jeweiligen Verwaltungen und Vorstände demonstrativ freundschaftlich. Während der Zeit Hartmut Mehdorns als Bahnchef und Thilo Sarrazins als Berliner Finanzsenator war das Verhältnis massiv gestört gewesen.

Grube sicherte nun zu, dass Berlin für die Bahn "unternehmenspolitisch der zentrale Ort ist und bleibt". Wowereit erklärte, er erwarte "danach" - also, wenn der normale Fahrplan wieder erfüllt werden kann - eine Qualitätsoffensive bei der S-Bahn, was Grube mit zustimmendem Nicken kommentierte. Die gegenüber der unmittelbaren Nachwende-Zeit gesunkenen Standards des Unternehmens waren schon vor dem Debakel mit den Rädern häufig Gegenstand von Kritik der Öffentlichkeit und des Senats.

sto/AP



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