BGH-Urteil Pauschalurlauber bekommen Rückflug auf eigene Faust erstattet

Der Heimflug verspätet, die Maschine umgeleitet und dann noch ein nächtlicher Bustransfer: Das wollte eine Familie nicht mitmachen und buchte kurzerhand einen anderen Flug. Der BGH spricht ihr Erstattung zu.

Warten auf den Flug
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Warten auf den Flug


Pauschalurlauber, die vom Veranstalter nicht ordnungsgemäß über ihre Pflicht zur Anzeige von Reisemängeln aufgeklärt wurden, dürfen das Problem ohne finanziellen Nachteil selbst aus der Welt schaffen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden und damit Pauschaltouristen bei Unannehmlichkeiten im Urlaub den Rücken gestärkt.

Grundsätzlich müssen Urlauber zunächst den Veranstalter auffordern, den Mangel zu beheben, und ihm dafür eine Frist setzen. Zumindest die Pflicht, das Problem zu melden, muss aber schon aus der Reisebestätigung klar hervorgehen. In dem Fall, der am Dienstag vor dem BGH verhandelt wurde, war der Hinweis in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt.

Die Kläger hatten am Ende ihres Türkeiurlaubs auf eigene Faust einen anderen Flug nach Hause gebucht, weil sich abzeichnete, dass sich die Ankunft mit der vorgesehenen Maschine deutlich verspäten würde.

Schon der Start des Rückfluges im türkischen Antalya hatte sich um mehr als zweieinhalb Stunden verzögert. Wegen des Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen wurde die Maschine nach Köln umgeleitet, von dort gab es einen Bustransfer. Insgesamt ergab sich so eine Verspätung in Frankfurt von sechseinhalb Stunden.

Die Urlauber - Mutter, Vater und zwei Kinder - wollten das nicht mitmachen, nahmen mit der Reiseleitung aber vor der Flugbuchung keinen Kontakt auf. Vom Reiseveranstalter verlangten sie den Ersatz der Mehrkosten in Höhe von 1235 Euro. Dieser lehnte eine Erstattung ab. Schließlich habe die Familie den Mangel nicht angezeigt und auch keine Frist zur Abhilfe gesetzt, argumentierte er.

Verbraucherschützer: Kunden bekommen oft nicht alle Infos

In den Vorinstanzen hatten die Urlauber keinen Erfolg. Das Landgericht Köln folgte den Argumenten des Veranstalters. Der BGH sieht das anders: Weil der Veranstalter auf diese Pflichten nicht korrekt hingewiesen habe, könne er auch nicht auf die Einhaltung pochen. Er müsse den Klägern die Kosten für den Ersatzflug erstatten.

Seit dem 1. Juli gelten für Pauschalreisen neue Regelungen. Die Reise, um die es in Karlsruhe ging, fand 2014 statt, als noch das alte Recht galt. Auch nach neuem Recht muss der Veranstalter seine Kunden aber über ihre Pflicht zur Mängelanzeige aufklären. Nach Auskunft des Verbraucherzentrale Bundesverbands kommt es oft vor, dass Touristen nicht alle vorgeschriebenen Informationen bekommen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil die Seite des Reiseveranstalters in der Verhandlung am Dienstag nicht vertreten war. Sie kann die Entscheidung noch anfechten. Der Senat machte aber klar, dass er alle rechtlichen Fragen vollständig geklärt sieht.

abl/dpa/AFP

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