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BGH-Urteil: Reiseveranstalter dürfen höchstens 20 Prozent Anzahlung verlangen

Der Bundesgerichtshof deckelt die Höhe der Anzahlung, die Reiseveranstalter verlangen dürfen. Die Richter entschieden, dass sie nur in Ausnahmefällen 20 Prozent übersteigen darf.

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Malediven: Die Stornierung einer Traumreise kann teuer werden

Karlsruhe - Reiseveranstalter können nur in Ausnahmefällen mehr als ein Fünftel des Preises einer Pauschalreise als Anzahlung verlangen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag entschieden. "Bei 20 Prozent sollte Schluss ein", sagte der Vorsitzende Richter Peter Meier-Beck.

Die Unternehmen können von ihren Kunden demnach zwar unter Umständen höhere Anzahlungen verlangen - sie müssten das dann aber sachlich rechtfertigen können, hieß es.

Verbraucherschützer waren bis vor den BGH gezogen, um gegen die ihrer Meinung nach zu hohen Kosten bei Pauschalreisen vorzugehen. Die Richter gaben ihnen weitgehend recht.

Geklagt haben die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegen die TC Touristic GmbH und die Urlaubstours GmbH und der Bundesverband der Verbraucherzentralen gegen TUI Deutschland. Im Detail wendeten sich die Verbraucherzentralen gegen Klauseln in den Reisebedingungen für Pauschalreisen. Demzufolge mussten Kunden 25, 30 oder 40 Prozent vom Gesamtpreis der Rechnung anzahlen.

Auch Kosten für Reisestornierungen seien nicht akzeptabel

Die Verbraucherzentrale NRW ging außerdem erfolgreich gegen prozentual gestaffelte Kosten bei Reisestornierungen vor. Die Höhe der Kosten richtet sich nach der Anzahl der verbleibenden Tage bis zum Reiseantritt. Die Veranstalter müssen dem Urteil zufolge genaue Gründe für die Höhe der Stornogebühren angeben.

Urlaubstours zum Beispiel verlangte dem BGH zufolge bei Flugreisen 40 Prozent des Reisepreises bis 30 Tage vor Reisebeginn. Ab dem 29. Tag sollten 45 Prozent fällig werden, ab dem 6. Tag 70 Prozent. Bei TC Touristik wurden etwa 25 Prozent bis 42 Tage vor Reisebeginn fällig.

Die Vorinstanzen haben den Verbraucherzentralen in allen Fällen recht gegeben: Die Gerichte hatten entschieden, dass Verbraucher durch die entsprechenden Klauseln unangemessen benachteiligt werden. Anzahlungen in Höhe von 20 Prozent des Reisepreises seien in der Regel noch in Ordnung. Was darüber liege, sei aber unangemessen. Auch die Kosten für die Stornierung der Reise seien nicht akzeptabel.

Für zukünftige Buchungen gilt also: Fordert ein Veranstalter eine höhere Vorauszahlung als 20 Prozent ohne Angabe eines Grundes, der das sachlich rechtfertigt, sollte sich der Kunde fragen, ob der Anbieter seriös ist - und vielleicht besser woanders buchen

abl/dpa

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Ein tolles Urteil für die Verbraucher!
oliver.lohrenz 09.12.2014
Was wird denn die Folge sein? a) Der Veranstalter muss seine Preise erhöhen, um uneinbringliche Forderungen zu kompensieren b) Der Veranstalter wird schwieriger kalkulieren können, sodass es schneller zu Überbuchungen kommt Ich sehe hier eigentlich keinen wirklichen Vorteil, ausser, weniger Anzahlung leisten zu müssen. Mal im Ernst: Wenn mir das nicht passt, buche ich nicht bei diesem Veranstalter.
2.
kojak2010 09.12.2014
Meine Neukunden zahlen i.d.R. mindesten 50 Prozent Anzahlung. ich bin kein Reiseveranstalter sondern Dienstleister und gehe aktiv in Vorkasse. ich wäre ja schön doof, bei wild fremden auch nur einen Finger krumm zu machen, ohne Kohle zu sehen. wer aktiv einen Urlaub bucht, sollte auch eine Vorauszahlung tätigen. warum auch nicht.
3. Wahnsinn!
tobiash 09.12.2014
Die Justiz entwickelt sich immer mehr zum Schutzengel für grenzdebile Verbraucher, die die grundlegendsten Sachverhalte nicht verstehen und so auch die grundlegendsten Verhaltensweisen nicht verinnerlichen können (oder wollen). Mittlerweile hat man den Eindruck, dass Verbraucher nicht bis zwei zählen können. Peinlicher geht's nicht mehr.
4.
irritation 09.12.2014
Genau: Der einzige Vorteil ist weniger anzahlen zu müssen. Das ist auch der einzige Gegenstand der Debatte. Warum sollte ich 50 Prozent anzahlen? Es wurde ja bisher keine Leistung erbracht. Teilweise ein Jahr vorher zahlen zu müssen, wer weiß was dem Dienstleister bis dahin passiert, bekomme ich dan nirgendetwas wieder? Ich gebe doch nicht wildfremden Agenturen einen Haufen Geld bevor die einen Finger krumm machen.
5.
Stäffelesrutscher 09.12.2014
... und bei der Bahn zahle ich drei Monate vorher 100 % an ... ... aber die ist ja auch kein Reiseveranstalter.
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