BGH-Urteil Kreuzfahrt geplatzt - Urlauber erhalten Entschädigung

Erst kurz vor der Kreuzfahrt erfuhren die Urlauber, dass für sie kein Platz an Bord ist. Dafür steht ihnen eine Entschädigung zu, entschied der Bundesgerichtshof. Allerdings nicht in Höhe des Reisepreises.

Kreuzfahrt in der Karibik
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Kreuzfahrt in der Karibik


Bei einer ausgefallenen Reise muss nicht auch noch eine Entschädigung in Höhe des vollen Reisepreises fällig werden. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe im Fall einer geplatzten Karibik-Kreuzfahrt. In dem konkreten Rechtsstreit bestätigte der zuständige Senat eine Entschädigung für "nutzlos aufgewendete Urlaubstage" in Höhe von knapp drei Vierteln des Reisepreises.

In dem zu entscheidenden Fall hatte ein Ehepaar für den November 2015 eine zweiwöchige Kreuzfahrt in der Karibik für knapp 5000 Euro gebucht. Die Urlauber konnten die Reise allerdings nicht antreten, weil es auf dem Schiff keine Buchung für sie gab. Davon erfuhren sie erst drei Tage vor der geplanten Abfahrt. Sie entschlossen sich daraufhin kurzfristig, mit einem Mietwagen durch Florida zu fahren. Dadurch entstanden ihnen Mehrkosten von knapp 900 Euro.

Vor Gericht machten die Kläger Entschädigung wegen Vereitelung der gebuchten Kreuzfahrt in Höhe des vollen Reisepreises geltend. Sie beanspruchten zudem Ersatz für die Mehrkosten der Florida-Rundreise. Das Landgericht Köln sprach ihnen daraufhin in erster Instanz knapp 3700 Euro zu. Im Berufungsverfahren erkannte das Oberlandesgericht ihnen zudem den Ersatz der knapp 900 Euro für die Mehrkosten zu.

Der BGH bekräftigte nun, dass Reisende bei einer vereitelten Reise neben der Erstattung des Reisepreises wegen "nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit" auch eine angemessene Entschädigung verlangen könnten. Die Bemessung sei grundsätzlich Aufgabe des Tatrichters. Der Senat hob aber hervor, dass bei einer ausgefallenen Reise nicht stets eine Entschädigung in Höhe des vollen Reisepreises als angemessen anzusehen sei. Beim Entschädigungsanspruch gehe es nicht um eine "zweite Rückerstattung" des Preises.

Der für Reiserecht zuständige Zivilsenat des BGH sah deshalb keine Rechtsfehler darin, die Entschädigung wie das Landgericht mit rund 73 Prozent des Reisepreises zu bemessen. Den Ersatz der Mehrkosten wies der Senat ab. Wenn die Reise insgesamt vereitelt worden sei, könnten die Aufwendungen für die Florida-Reise nicht gleichzeitig eine Abhilfe wegen eines Mangels der Reiseleistung darstellen.

abl/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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bluebill 29.05.2018
1. Verständnisschwierigkeit?
So wie ich den Artikel verstehe, haben die Leute 5 Tausend Euro für eine Reise bezahlt, die sie gar nicht antreten konnten. Zurückbekommen haben sie insgesamt 4600 Euro. Also haben sie immer noch 400 Euro verloren - für was? Wenn ich etwas kaufe oder buche, das ich dann nicht kriege, muss ich doch hoffentlich nichts dafür zahlen? - Andererseits würde ich das unserer wirtschaftslobbynahen Rechtsprechung durchaus zutrauen.
muellerthomas 29.05.2018
2. @bluebill
Und so wie ich es verstehe, wurde der Reisepreis zurück erstattet und zusätzlich hab es für die unnötig aufgewendeten Urlaubstage die erwähnte Entschädigung.
ctu83 29.05.2018
3. @bluebill
Es geht hier um den Schadensersatz, der zusätzlich zur Rückerstattung des Reisepreises zu zahlen war.
fanasy 29.05.2018
4. Entschädigung
natürlich zusätzlich zu der selbstverständlich zurück zuzahlenden 5000 EUR wegen Nichterfüllung des Vertrags. Sprich 5000 EUR zurück plus Entschädigung von hier 3700 EUR. wie beim Fliegen.
Günter Stalinski 29.05.2018
5. Verwirrend ...
dieser Bericht: War die Kreuzfahrt nur ein Teil der gebuchten Reise oder handelt es hier um eine zusätzliche Entschädigung und nicht um die Erstattung des Reisepreises?
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