BGH-Urteil: Zehn Stunden früherer Rückflug kann Reisemangel sein

Pauschalurlauber müssen es künftig nicht mehr hinnehmen, wenn der Veranstalter den Rückflug um zehn Stunden nach vorne verlegt. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs dürfen Reisende einen passenden Flug selber buchen - sofern der Anbieter innerhalb einer Frist nicht handelt.

Hamburg - Verlegt ein Reiseveranstalter den Rückflug, ist er unter Umständen zu Schadenersatz verpflichtet. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in einem am Dienstag verkündeten Urteil. In solchen Fällen haben Reisende demnach das Recht, selbst einen termingerechten Rückflug zu organisieren und die Kosten dafür vom Veranstalter einzufordern.

Laut Urteil müssen sie dem Veranstalter vor der Flugbuchung aber eine sogenannte Abhilfefrist setzen. Dies sei nur dann unnötig, wenn der Reiseveranstalter die Vorverlegung des Flugs "bewusst verursacht" hat und als unvermeidlich darstellt.

Ob dies im Ausgangsfall so war, muss nun die Vorinstanz prüfen: Geklagt hatten zwei Urlauber, die eine einwöchige Pauschalflugreise in die Türkei gebucht hatten. Ursprünglich war der Rückflug für einen Nachmittag geplant. Doch am Vortag wurde mitgeteilt, dass der Flug um zehn Stunden auf 5.15 Uhr vorverlegt wird, wozu die Reisenden um 1.25 Uhr am Hotel abgeholt werden sollten.

Die Klägerin und ihr Lebensgefährte bemühten sich deshalb um einen anderen Rückflug, den sie an dem vorgesehenen Rückflugtag um 14 Uhr antraten und zunächst selbst bezahlten.

BGH, Aktenzeichen Az: X ZR 76/11

jus/AFP

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1.
urlauber1974 17.04.2012
Das ist doch genauso schlimm es fehlt dann auch ca. 1 Tag
2. Pacta sunt servanda
MtSchiara 17.04.2012
Manche Reisende lassen sich halt vom Veranstalter nicht gerne herumschupsen. Verträge sind dazu da, normalerweise auch eingehalten zu werden. Wenn der Reiseveranstalter nachträglich und ohne höhere Gewalt die Reise um 5% und ein Frühstück kürzen will und den Tagesflug zu einem stressigen Nachtflug umwandeln möchte, kann er bei den Teilnehmern darum werben - zwingen kann er sie nicht. Und selbst bei höherer Gewalt ist er zumindest schadenersatzpflichtig. Es dürfte allerdings nicht ganz leicht für Reisende sein, Belege für die Aufforderung an den Reiseveranstalter zu sammeln, Abhilfe zu schaffen. Der Reiseveranstalter wird ihnen die Kenntnisnahme der Aufforderung nicht unbedingt schriftlich bestätigen wollen, da dies ja zu seinem eigenen Nachteil ist.
3.
ArnoNym 17.04.2012
Zitat von MtSchiaraManche Reisende lassen sich halt vom Veranstalter nicht gerne herumschupsen. Verträge sind dazu da, normalerweise auch eingehalten zu werden. Wenn der Reiseveranstalter nachträglich und ohne höhere Gewalt die Reise um 5% und ein Frühstück kürzen will und den Tagesflug zu einem stressigen Nachtflug umwandeln möchte, kann er bei den Teilnehmern darum werben - zwingen kann er sie nicht. Und selbst bei höherer Gewalt ist er zumindest schadenersatzpflichtig. Es dürfte allerdings nicht ganz leicht für Reisende sein, Belege für die Aufforderung an den Reiseveranstalter zu sammeln, Abhilfe zu schaffen. Der Reiseveranstalter wird ihnen die Kenntnisnahme der Aufforderung nicht unbedingt schriftlich bestätigen wollen, da dies ja zu seinem eigenen Nachteil ist.
Die Flugzeiten bei Pauschalreisen sind sehr oft beschi..senen, was man vor Buchung oft nur schwer und dann auch oft nur "unverbindlich" in Erfahrung bringen kann. Wenn dann noch ein vermeintlich zeitlich günstiger Flug durch Tricksereien wie im Artikel beschrieben zum Chaosflug mutiert, ist die Freude besonders groß. Von Pauschalreisen bin ich genau deswegen inzwischen ganz abgekommen. Bei Linienmaschinen hat man dieses Problem jedenfalls nicht. Dort muß man bestenfalls aufpassen, ob's ein Umsteigeflug ist (versuche ich möglichst zu vermeiden, auch wenn's teurer ist). Rechtlich gesehen: Zeugen besorgen und gut isses. Trotzdem hat man den ganzen Ärger, und den möchte ich mir im Urlaub nicht antun. Wie schon gesagt, können die Reiseveranstalter solche Spielchen gern mit anderen Leuten machen. Viel teurer ist das Selbstorganisieren auch nicht, und man ist viel flexibler. Ortswechsel? Selbst organisiert ist das kein Problem, pauschal geht das fast garnicht.
4.
fahrgast07 18.04.2012
Warum die Aufregung? Das hat man davon, wenn man unbedingt so billig wie möglich wegfliegen muss. Einen Traumurlaub für EUR 59,99 gibts eben nur im Katalog. Da fahre ich lieber mit der S-Bahn an den Starnberger See. Da ist es auch schön, man kann auch baden, und ich spare mir den ganzen Stress. Leider kann man dann am ersten Arbeitstag nicht groß rumjammern - vielleicht ist es ja das, was die Leute wollen?
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ArnoNym 18.04.2012
Zitat von fahrgast07Warum die Aufregung? Das hat man davon, wenn man unbedingt so billig wie möglich wegfliegen muss. Einen Traumurlaub für EUR 59,99 gibts eben nur im Katalog. Da fahre ich lieber mit der S-Bahn an den Starnberger See. Da ist es auch schön, man kann auch baden, und ich spare mir den ganzen Stress. Leider kann man dann am ersten Arbeitstag nicht groß rumjammern - vielleicht ist es ja das, was die Leute wollen?
Wenn ich für eine Woche incl. Flug nur 59,99 € zahle (das Angebot hätte ich gern mal gesehen), nehme ich dafür viel in Kauf, bei 599,99 € sehe ich das schon ganz deutlich kritischer, und bei 1599,99 € nehme ich eine Vorverlegung um 10 Stunden definitiv nicht hin. Das Problem bei Pauschalreisen ist, daß man vor solchem Ungemach auch bei High-End-Preisen nicht zuverlässig geschützt ist.
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