Berliner Gericht Bier-Bikes dürfen auch am Wochenende auf Tour

Riesenfahrräder mit Musikanlage und Bierfass an Bord in Berlin durften bisher nur eingeschränkt unterwegs sein. Dagegen ist der Anbieter solcher Touren vor Gericht gezogen.

Bier-Bike fährt am Berliner Reichstag
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Bier-Bike fährt am Berliner Reichstag


Über die Friedrichstraße mit einer Theke auf Rädern und Bierversorgung zu radeln - viele Touristen würden das wohl gut finden, der Stadt Berlin ist es ein Dorn im Auge. Das Bezirksamt Mitte hat daher dem Betreiber Bigbike Beschränkungen für den Betrieb auferlegt: Unter den Linden, Friedrichstraße und Leipziger Straße waren bisher tabu, für Zeiten mit viel Verkehr an Werk- und Samstagen galten Fahrverbote.

Gegen die Einschränkungen hat Bigbike vor dem Verwaltungsgericht der Hauptstadt geklagt. Am Donnerstag kam es zu einem Vergleich. Bigbike-Geschäftsführer Ulrich Hoffmann-Elsässer zog seine Klage zurück. Im Gegenzug sicherte ihm das Amt nun eine weitere Sondererlaubnis bis Februar 2019 zu. Zudem dürfen künftig Touren samstags und sonntags ohne zeitliche Einschränkung angeboten werden. Jedoch bleiben wie bisher einige große Straßen tabu für die Gefährte.

Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) hatte damit gerechnet, dass der Kurs seiner Behörde vom Gericht bestätigt werde. Bigbike-Geschäftsführer Ulrich Hoffmann-Elsässer sagte vor der Verhandlung, er halte die Straßenauswahl für willkürlich. Es komme auch nicht zu Verkehrsbehinderungen. Unfälle habe es auch nicht gegeben.

"Wir lassen keine Sauftouristen auf die Straße", sagte Hoffmann-Elsässer der Deutschen Presse-Agentur. "Wer nicht nüchtern ist, kommt nicht drauf." Nach Kritik an lärmenden, angetrunkenen Gästen auf den Gemeinschaftsrädern, die auch schon mal als rollende Partytheke bezeichnet wurden, hat das 2009 gestartete Unternehmen laut Hoffmann-Elsässer sein Image gewandelt. Die Bier-Bikes wurden auch in Bigbikes umgetauft.

Seit Kurzem auch in Amsterdam verboten

Für die Touren mit Fahrer - zwei Stunden etwa am Samstag kosten 300 Euro - können bis zu 30 Liter Bier im Fass mitgeordert werden. Der Geschäftsführer spricht von einem "sportlichen Sightseeing" mit festen Regeln, bei dem dann "auch gern ein gepflegtes Bier getrunken werden kann". Mit an Bord sind jedoch auch "eine Beleuchtungsanlage, eine Soundanlage mit CD-Player (und Eingang für USB, MP3 und iPod) für Ihre Wunschmusik", heißt es auf der Webseite - viel Ablenkung für eine Sightseeingtour.

Berlins Tourismuschef Burkhard Kieker hatte sich schon 2012 dafür ausgesprochen, die Gefährte komplett zu verbieten. Sie förderten ein Ballermann-Image und seien eine Belästigung. In Nordrhein-Westfalen dürfen sie seit 2011 nur noch mit Sondergenehmigungen auf die Straße - auch hier gelangte der Streit vor ein Gericht. Düsseldorf entschied damals, im Zentrum keine Bier-Bikes zuzulassen.

In der niederländischen Hauptstadt Amsterdam sind Touren mit solchen Rädern im Stadtzentrum seit November vergangenen Jahres verboten. Das Amsterdamer Bezirksgericht stimme mit dem Stadtrat überein, dass "die Kombination von Verkehrsbehinderungen, unsozialem Verhalten und dem geschäftigen Stadtzentrum ein Verbot rechtfertigt", hieß es in einer Erklärung zum Urteil. Rund 6000 Amsterdamer hatten zuvor einen Petition für ein Verbot unterzeichnet.

SPIEGEL TV: Saufen auf Rädern

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Jutta Schütz, dpa



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ambulans 22.02.2018
1. mit
der StVO müsste doch eigentlich noch was zu machen sein: rollendes verkehrshindernis, alkoholisierte teilnehmer, davon ausgehende gefahren für jeden anderen verkehrsteilnehmer, lärmbelästigung, und und und ...
Lexington67 22.02.2018
2.
Zitat von ambulansder StVO müsste doch eigentlich noch was zu machen sein: rollendes verkehrshindernis, alkoholisierte teilnehmer, davon ausgehende gefahren für jeden anderen verkehrsteilnehmer, lärmbelästigung, und und und ...
Wohl eher nicht... sogar motorbetriebene Fahrzeuge bis 6 Km/h sind führerscheinfrei auf deutschen Straßen zugelassen, also kann man wohl kaum einen "Verkehrshindernisparagraphen" bemühen. Es gibt sicher die Auflage das der Fahrzeugführer nüchtern bleiben muss, aber das betrifft ja weniger die Mitfahrer, ich darf ja auch als Mitfahrer im Auto oder im Bus ein Bier trinken, vom Gefährt "ausgehende Gefahren" wären im Einzelfall nachzuweisen, sicher aber nicht durch die blosse Existenz eines Pedal- und Muskelkraftgetriebenen Fahrzeugs in Autogröße anzunehmen und die Lärmbelästigung ist sicher angesichts rollender Bum-Bum-HipHop-Assi-Prollkarren oder knatternder Harley Auspuffanlagen auch relativ... Wenn es denn so einfach wäre, würden die Parteien sich kaum vor Gericht treffen...
ambulans 22.02.2018
3. >lexington67 (#2, oben),
Zitat von Lexington67Wohl eher nicht... sogar motorbetriebene Fahrzeuge bis 6 Km/h sind führerscheinfrei auf deutschen Straßen zugelassen, also kann man wohl kaum einen "Verkehrshindernisparagraphen" bemühen. Es gibt sicher die Auflage das der Fahrzeugführer nüchtern bleiben muss, aber das betrifft ja weniger die Mitfahrer, ich darf ja auch als Mitfahrer im Auto oder im Bus ein Bier trinken, vom Gefährt "ausgehende Gefahren" wären im Einzelfall nachzuweisen, sicher aber nicht durch die blosse Existenz eines Pedal- und Muskelkraftgetriebenen Fahrzeugs in Autogröße anzunehmen und die Lärmbelästigung ist sicher angesichts rollender Bum-Bum-HipHop-Assi-Prollkarren oder knatternder Harley Auspuffanlagen auch relativ... Wenn es denn so einfach wäre, würden die Parteien sich kaum vor Gericht treffen...
freue mich zuerst einmal darüber, dass sie sachlich auf dieses thema einsteigen; aber - besagt §1 STVO nicht, dass man grundsätzlich auf andere verkehrsteilnehmer rücksicht auszuüben hat? wie soll sowas unter alkohol (das berühmte "pusten" sowieso einmal außen vor) eigentlich möglich sein? alkohol-delikte landen doch ziemlich oft vor gericht ...
harry_buttle 22.02.2018
4.
Zitat von ambulansfreue mich zuerst einmal darüber, dass sie sachlich auf dieses thema einsteigen; aber - besagt §1 STVO nicht, dass man grundsätzlich auf andere verkehrsteilnehmer rücksicht auszuüben hat? wie soll sowas unter alkohol (das berühmte "pusten" sowieso einmal außen vor) eigentlich möglich sein? alkohol-delikte landen doch ziemlich oft vor gericht ...
Vorweg: Ich kann dieser "Attraktion" auch nichts abgewinnen. Ihre benannten "Alkoholdelikte" beschränken sich maximal auf die Mitfahrer, der "Steuermann" hat nach StVO die Promillegrenze einzuhalten. Ich weiß es nicht, hoffe aber auf Anschnallpflicht der Mitfahrenden, um "Alkoholdelikte" (besoffenes aus dem Fahrzeug fallen zB.) zu vermeiden. Ansonsten darf man im Rahmen auch angeschickert in der Öffentlichkeit auftreten.
ansch 22.02.2018
5. Rollende Verkehrshindernisse
Jeder eizelne Punkt trifft exakt auf Autos zu, die kann man also gleich mitverbieten.
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