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Trotz zwei schwerer Unglücke: 2015 war ein eher sicheres Luftfahrtjahr

Über 500 Menschen kamen bei Flugzeugunfällen ums Leben - dennoch war das Jahr 2015 eines der sichersten der Weltluftfahrt der vergangenen Jahrzehnte. Überschattet wurde es durch die schweren Unglücke in den Alpen und über dem Sinai.

Für die zivile Weltluftfahrt war das zurückliegende Jahr trotz verheerender Flugzeugunglücke eines der sichersten der vergangenen Jahrzehnte. Zu diesem Fazit kommt sowohl das Hamburger Flugunfallbüro Jacdec (Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre) wie auch das in den Niederlanden ansässige Aviation Safety Network (ASN).

Während die Jacdec in ihrer Unfallstatistik fürs Vorjahr 521 Opfer (449 weniger als 2014) zählte, kommt ASN aufgrund einer anderen Zählweise auf 560 Luftfahrtote. "Der gute Trend ist auch das Resultat eines desaströsen Vorjahres 2014 gewesen, in dem zwei Großraumflugzeuge der Malaysia Airlines verunglückten", sagt Jan-Arwed Richter, Jacdec-Mitgründer.

Den vorsätzlich in die Alpen gesteuerten Germanwings-Airbus stellen beide Büros als ungewöhnlich heraus - dieser Fall stellte das Vertrauen in einen ganzen Berufsstand auf den Prüfstand wie kein anderes Unglück. "Doch so erschütternd dieses Unglück ist, die Statistik zeigt: Während die Zahl der Passagiere immer weiter ansteigt, sinkt die geringe Zahl der Verunglückten kontinuierlich weiter", meint Matthias von Randow vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Terror als Absturzfaktor

Das Unfalljahr bestätige einen langfristigen Ursachentrend, schreibt Richter in einer Analyse für das Luftfahrtmagazin "Aero International". Obwohl Fliegen angesichts von Milliarden sicher beförderter Passagiere extrem sicher sei, verschiebe sich der Fokus der Unfallursachen weg von der Technik und hin zum Faktor Mensch.

Denn die Statistik wurde überschattet durch zwei schwere Unglücke im März und Oktober mit jeweils mehr als hundert Toten, die offenkundig mutwillig herbeigeführt wurden:

  • Das eine ist der Absturz des Germanwings-Airbus mit 150 Toten.
  • Das zweite große Unglück war der russische Metrojet-Charterjet mit 224 Menschen an Bord, der nach dem Start in Ägypten vom Himmel stürzte - wahrscheinlich durch einen Terrorakt.

Mit Blick auf den Faktor Terror kommt Richter zu dem Schluss: "In dieser Hinsicht war 2015 kein gutes Jahr". Insgesamt wurden noch sieben weitere Flugzeuge in arabischen Ländern durch Terrorismus oder bewaffnete Konflikte zerstört - allerdings alle am Boden und ohne Passagierschäden.

Keinen Anlass zur Euphorie gab es auch bei den "schweren Zwischenfällen" - also Beinahekollisionen, Flugbewegungen auf der falschen Piste oder selbst der Landung auf einem falschen Flughafen. Die Zahl bewegte sich nach Jacdec-Berechnungen 2015 mit 33 Fällen auf konstantem Niveau.

Insgesamt lag der Anteil tödlicher Unfälle in der zivilen Weltluftfahrt 2015 bei 2,2 Prozent (Vorjahr: 3,1 Prozent).

  • Regional bildet Afrika den Unfallbilanz-Spitzenreiter - der Absturz des russischen Metrojet-Charterjets prägte die Bilanz. "Ohne dieses Unglück wäre Afrika mit 25 Todesopfern bei neun Flugzeugtotalverlusten im gesamten Jahr relativ glimpflich davon gekommen", schreibt Richter.
  • Europa hat hinter Afrika die zweithöchste Opferzahl - aufgrund des Germanwings-Unglücks.
  • Richter bezeichnet Nordamerika als sicherste Luftfahrtregion der Erde. Der letzte tödliche Unfall in der Linienfliegerei liege mehr als sechs Jahre zurück. 2015 gab es in der Region mit ihrem enormen Verkehrsaufkommen jedoch sechs Unfälle mit kleineren Regionalfliegern, bei denen sechs Menschen starben.

Weltluftfahrt boomt weiter

Die internationale Zivilluftfahrtorganisation IATA bestätigt die ansteigende Sicherheit und weist vor allem auf die hohen Passagierzahlen des Vorjahres hin. 3,5 Milliarden Passagiere bescherten 2015 den Airlines rund um den Globus einen Umsatz von 710 Milliarden Dollar.

Bis 2034 geht die IATA von einem jährlichen Wachstum der Weltluftfahrt von im Schnitt 3,8 Prozent aus. Sieben Milliarden Menschen dürften dann als Flugpassagiere unterwegs sein, so die Prognose - doppelt so viele wie 2015. Zum Vergleich: Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung errechnete gerade, dass zum Jahreswechsel 7,4 Milliarden Menschen auf der Welt lebten.

Begünstigt durch niedrige Treibstoffpreise fahren viele Airlines wieder satte Profite ein und lassen auch Flughafenbetreiber aufatmen. Immer mehr an Bedeutung gewinnen Verkehrsdrehscheiben - nicht nur in den arabischen Emiraten: mit dem US-Airport Atlanta gibt es den ersten Mega-Airport, der die Marke von einer Milliarde Passagieren knackte.

Dazu kommen immer leistungsstärkere Maschinen, die auch extrem lange Flugstrecken ermöglichen: Emirates etwa plant mit einer zweistrahligen Boeing 777-200LR eine 13.800 Kilometer-Flug-Verbindung zwischen Dubai und Panama, die für die Passagiere einen 17,5-stündigen Nonstop-Flug bedeutet. Auch schreitet die Modernisierung der weltweiten Luftflotten voran. Beobachter befürchten allerdings, dass die niedrigen Kerosinpreise manche Airline verleiten könnten, vorerst mit mehr Sprit verbrauchenden, älteren Jets weiterzufliegen.

Ralf E. Krüger/dpa/abl

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Liebe SPONer, ...
Loddarithmus 04.01.2016
... warum schludert ihr in den Schlagzeilen so oft mit dem Genitiv? Es muss "trotz zweier schwerer Unglücke".
2. Autsch!
Loddarithmus 04.01.2016
Zitat von Loddarithmus... warum schludert ihr in den Schlagzeilen so oft mit dem Genitiv? Es muss "trotz zweier schwerer Unglücke".
Jetzt habe ich selbst geschludert, aber ich darf das, ich bin das Volk. (;-)
3. Atlanta
chiefseattle 04.01.2016
Die Milliarde von Passagieren sollte eher 100 Millionen heißen.
4.
tubolix 05.01.2016
7 Milliarden Menschen werden als Passagiere fliegen ? Das halte ich für unwahrscheinlich. Gibt es doch Leute, die auch wieder zurück fliegen und manche sogar mehrmals. Ein Mensch kann auch mehrere Passagiere verkörpern.
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