Billigflieger auf Expansionskurs Langstrecke zum Schnäppchenpreis

Für 69 Dollar von Europa in die USA: Billigflieger wollen Kunden bald zu Schnäppchenpreisen in die Ferne fliegen. Doch die Langstrecke birgt für die Airlines auch Risiken.

AFP

Wenn Billigflieger neue Verbindungen ankündigen, wittern Reisende die nächsten Flugschnäppchen und überdenken gern mal ihre Urlaubspläne. Für diesen Sommer haben Europas Low-Cost-Carrier jede Menge neue Ziele angekündigt - und verstärken damit ihren Expansionskurs.

Ryanair steigert die Zahl seiner Strecken aus Deutschland auf 245 nach 190 vor einem Jahr. Das entspricht rund 2000 Flügen in der Woche von und nach Deutschland, wie die Iren mitteilen. Zusätzliche Flüge gibt es bei ihnen vor allem ab Berlin, Nürnberg und Hamburg.

In Berlin-Schönefeld will auch der sonst zurückhaltende europäische Branchenzweite Easyjet wachsen. Die Lufthansa-Tochter Eurowings erweitert das Angebot im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls stark - und hat auf ihrer Website eine lange Liste an neuen und kürzlich aufgenommenen Direktflügen veröffentlicht. Und auch die ungarische Wizz baut nach vorläufigen Erhebungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ihr Angebot um mehr als ein Viertel aus.

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Europas Billigflieger: Die neuen Strecken - nah und fern

Zusätzlich fallen an den deutschen Flughäfen in diesem Sommer die letzten Bastionen der Linienflieger. In Frankfurt - dem deutschen Airport mit dem niedrigsten Billigfliegeranteil von knapp vier Prozent - geht im März Ryanair mit zwei Maschinen an den Start und versetzt allein damit den Platzhirsch Lufthansa in helle Aufregung.

Deren Manager wettern zwar über die Billiggebühren, mit denen die Flughafengesellschaft Fraport den Neuankömmling pudert, planen aber auf der anderen Seite, im Sommer 2018 die eigene Eurowings zu gleichen Bedingungen an den Start zu bringen.

Risiko Langstrecke

Am zweiten Lufthansa-Drehkreuz München tritt Eurowings ab Sommer gleich mit vier neuen Flugzeugen an, um mit 30 neuen Verbindungen die Konkurrenz der französischen Billigairline Transavia, einer Tochter von Air France-KLM, in Schach zu halten. Aus der Air-Berlin-Erbmasse werden zudem weitere Jets in Wien und Palma de Mallorca stationiert. Zum Jahresende will die Lufthansa-Tochter nach neuesten Angaben 114 Jets am Start haben, bevor die belgische Tochter Brussels Airlines im kommenden Jahr ebenfalls integriert wird. Eurowings soll dann auf mehr als 160 Maschinen anwachsen.

Und weil in Europa und dem angrenzenden Mittelmeerraum schon sehr viele Destinationen ausgereizt sind, nehmen immer mehr Gesellschaften auch Langstrecken in ihr Programm - nicht immer ohne Risiken.

Auf der Langstrecke fehlen den Billigfliegern viele klassische Kostenvorteile oder sie fallen zumindest deutlich geringer aus, wie der Luftfahrtexperte Stephan Nagel von der Hamburger Beratungsgesellschaft Prologis-Strategy sagt. "Das Fluggerät kann nicht intensiver genutzt werden, die Crews müssen am Zielort übernachten, und das Kerosin als Hauptkostenpunkt auf der Langstrecke ist für alle Anbieter gleich teuer."

Dennoch versuchen immer mehr Gesellschaften, die klassenlosen Billigprinzipien auf lange Flüge zu übertragen. Als vorläufig Letzte hat gerade die Iberia-Mutter IAG bekannt gegeben, künftig ab Barcelona zu Schnäppchenpreisen in die USA fliegen zu wollen. Bereits aktiv sind unter anderem die Eurowings und Norwegian.

Für 69 Dollar in die USA

"Punkt-zu-Punkt funktioniert über den Atlantik bislang nur auf wenigen Strecken zwischen sehr großen Quellmärkten", warnt Nagel. In Europa könnten das sicher London und Paris sein, möglicherweise auch Norditalien und Barcelona. Das dezentrale Deutschland sei schon schwieriger. Daraus folgt, dass sich auch Billigflieger überlegen müssen, wie sie mit Zubringern große Langstreckenmaschinen mit mindestens 300 Sitzen voll bekommen.

Ein weiteres Langstreckenproblem sind die sogenannten weißen Elefanten, also einzelne Flugzeuge, für die es in der Flotte keinen schnellen Ersatz gibt. Bei Pannen kann es dann zu erheblichen operativen Problemen kommen, wie die Eurowings ganz zu Beginn ihrer Langstreckenflüge mit einem auf Kuba gestrandeten Airbus erfahren musste.

Die Airlines schauen daher sehr genau auf neue Flugzeugtypen, die sowohl im Kontinentalverkehr als auch über den Atlantik eingesetzt werden können. Modernisierte Mittelstreckenjets wie die A321 Neo LR oder die Boeing 737 Max 8 werden dort den Wettbewerb erheblich verschärfen. Als erster Billigflieger will Norwegian die kleineren und damit auch leichter zu füllenden Jets über den Atlantik schicken, ohne Zwischenlandung auf Island.

Bereits im Mai soll Boeing die erste von mehr als 100 bestellten 737 Max 8 ausliefern. Von Westeuropa bietet Norwegian dann Flüge zu den Provinzflughäfen Providence und Newburgh an der US-Ostküste an - zu Kampfpreisen ab 69 Dollar. Und für 2018 stehen Fernflüge ab Düsseldorf auf der Expansionsliste der Norweger.

Christian Ebner, dpa



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winki 10.02.2017
1. 69 Euro und weiter, ...
wie sieht es mit dem Service aus? Sind Speisen und die wichtigen Getränke mit im Flugpreis enthalten. Darf man kostenlos auf die Toilette oder muss man da erst Geld einwerfen? Viele Fragen für wenig Geld.
112211 10.02.2017
2.
Zitat von winkiwie sieht es mit dem Service aus? Sind Speisen und die wichtigen Getränke mit im Flugpreis enthalten. Darf man kostenlos auf die Toilette oder muss man da erst Geld einwerfen? Viele Fragen für wenig Geld.
Nix da, es wird trocken geflogen. Oder deftiger Aufpreis für die Bordgetränke, ohne denen man es weder aushält noch der Arzt empfiehlt. Außerdem natürlich ohne Speisen. Desweiteren wird es gerade bei Fernreisen nur selten der kleine Rollkoffer im Ablagefach sein. Und da haben Ryan, Easy & Co in der Vergangenheit immer mehr verlangt, mitunter sogar deutlich über dem Ticketpreis.
Newspeak 10.02.2017
3. ...
Fuer 69 Euro in die USA? Wann kommt der Tag, wo mir die Fluglinie etwas bezahlt, damit ich mitfliege?
toledo 11.02.2017
4. Schon jetzt
sind die Preis Unterschiede zwischen klassischen Langstrecken Airlines und Billigfliegern gar nicht so gravierend, wenn man die Inklusivleistungen (Gepäck, Verpflegung, Sitzplätze etc) berücksichtigt. Allein durch die Zwischenlandung auf Island lassen sich manche Billigflieger den Gepäckzuschlag 2x bezahlen.. Macht also auf Hin- und Rückflug 4x pro Person einen deftigen Aufschlag.. In der Regel fliegt man Langstrecke mit den klassischen Airlines nahezu preisgleich, auf alle Fälle etwas Stress freier. Ganz. besonders im Servicefall von Verspätungen oder gar Flugausfällen.
BlogBlab 11.02.2017
5.
Man sollte aber hinzufügen, dass die Flüge ab 69 Dollar in die USA nur aus England, Schottland und Norwegen angeboten werden. Für Kunden in Deutschland also uninteressant. http://www.usatoday.com/story/travel/flights/todayinthesky/2016/12/07/norwegian-air-low-cost-carrier-newburgh-stewart-airport-portsmouth-providence-portsmouth-737-max-base/95085448/
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