Billigflieger-Boom Zwei neue ausländische Airlines am Start

Während die deutschen Billigflieger ihr Angebot ständig erweitern, drängen zwei neue ausländische Fluggesellschaften auf den deutschen Low-Cost-Carrier-Markt. Platz scheint für alle da zu sein, die Zahl der Billigflug-Kunden hat sich nach Branchenschätzung versechsfacht.


 V wie V-Bird: Einer der beiden Chefs des neuen Billigfliegers, Roberto Stinga, feiert den Jungfernflug auf dem Airport Niederrhein
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V wie V-Bird: Einer der beiden Chefs des neuen Billigfliegers, Roberto Stinga, feiert den Jungfernflug auf dem Airport Niederrhein

Während 2002 rund zwei Millionen Reisende mit Billigfluglinien flogen, seien es 2003 wohl rund zwölf Millionen Passagiere, schätzt der Geschäftsführer des Flughafens Köln/Bonn Michael Garvens. Damit habe sich die Zahl der Billigflug-Nutzer binnen eines Jahres versechsfacht. Und auch das Angebot wächst: In diesen Wochen expandiert der deutsche Markt mit zwei neuen ausländischen Fluggesellschaften und zusätzlichen Verbindungen bereits bestehender Anbieter.

Am Montag nahm die von amerikanischen und niederländischen Investoren gestützte Gesellschaft V-Bird ihren Flugbetrieb mit einer Airbus-A320-Flotte auf: Vom Flughafen Niederrhein bei Kleve im deutsch-niederländischen Grenzgebiet startet die neue Billigairline gen München und Helsinki. Bis zum 17. November werden nach und nach auch die Ziele Berlin, Maastricht, Nizza und Wien angeboten. Zum Beispiel kostet ein Flug vom Niederrhein in die finnische Hauptstadt ab 69 Euro, nach Nizza 49 Euro. Novum unter Billigfliegern: V-Bird wird eine Business Class anbieten und plant, auch in der Economy Class für mehr Komfort zu sorgen. Mit größeren Sitzabständen und breiteren Ledersitzen mit Videoschirm wollen die V-Bird-Betreiber, zwei ehemalige KLM-Manager, vor allem preisbewusste Geschäftskunden ansprechen.

Bereits am Sonntag ging die im Februar dieses Jahres gegründete italienische Fluggesellschaft Volareweb.com an den Start. Volareweb.com verbindet erstmals den bereits von der irischen Billigairline Ryanair genutzten Flughafen Hahn bei Frankfurt und Berlin-Schönefeld und berechnet dabei für einen einfachen Flug rund 52 Euro. Mit derselben Maschine werden im Anschluss die italienischen Städte Venedig und Brindisi/Apulien angeflogen. "Der Berliner Fluggast, der nach Venedig oder Brindisi fliegen will, muss nicht in Hahn umsteigen, sondern kann in der Maschine sitzen bleiben", gab der kaufmännische Direktor der Volare Group, Edgardo Badiali, bekannt. Außerdem fliegt volareweb.com mit je einer täglichen Non-Stop-Verbindung Rom-Fiumicino und Mailand-Linate von Berlin-Schönefeld an. Wenn die Auslastung stimme, werde das Angebot ausgeweitet, sagte Badiali, vor allem osteuropäische Ziele seien interessant.

Unter den deutschen Billigfliegern kündigte das erst im Juni gestartete Unternehmen Germania Express Anfang der Woche den Ausbau ihrer Flugverbindungen ab Hamburg an und macht damit den beiden Billigfliegern Air Berlin und Hapag-Lloyd Express am größten Airport Norddeutschlands Konkurrenz. Mit der Deutschen BA (dba) steht bereits die vierte Gesellschaft in den Startlöchern: Ab dem 10. November will auch die Airline des Textilunternehmers Rudolf Wöhrl von Fuhlsbüttel aus mit besonders günstigen Tickets Kunden in die dba-Jets gen Stuttgart locken.

Die beiden führenden deutschen Billiggesellschaften, Germanwings und Hapag-Lloyd-Express, haben pünktlich zu ihrem ersten Geburtstag die Zahl ihrer Verbindungen erhöht. Seit Sonntag hat die TUI-Tochter Hapag-Lloyd Express Stuttgart zu ihrem dritten deutschen Hub ernannt und fliegt von hier aus täglich Rom und viermal pro Woche Venedig an. Vom 6. Dezember an kommen tägliche Flüge nach Pisa und Neapel hinzu, und gleichzeitig ab Köln/Bonn die Zielflughäfen Bilbao und Sevilla.

Germanwings fliegt bereits ab 15. September von Stuttgart aus und weist zehn Verbindungen ab der neuen Billigflieger-Drehscheibe in ihrem Flugplan auf. Von ihrem Standpunkt Köln/Bonn aus werden diesen Winter neun Ziele mehr und damit insgesamt 20 Ziele angeflogen. Auch die Tochter der Lufthansa-Beteiligung Eurowings hat Interesse am Osten: Wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, werde die Airline vor allem in Richtung Skandinavien, Osteuropa und Ferienziele in Südeuropa expandieren, kündigte Geschäftsführer Joachim Klein an.

Noch scheint der Markt nicht gesättigt. Einer Studie der Marktforschungsagentur Monitor Company zufolge wird bis 2010 die Zahl der Passagiere in Europa jährlich um ein Fünftel wachsen. Vor allem die "neuen" Passagiere kurbeln den Markt an: Laut der Studie wären 59 Prozent der Billigflieger-Kunden ohne Niedrigpreise überhaupt nicht geflogen.



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