Bis zu 45 Euro pro Flug Bundestag verabschiedet neue Luftverkehrssteuer

Flüge aus Deutschland werden ab 2011 teurer: Der Bundestag hat die umstrittene Flugsteuer verabschiedet. Für Kunden und Fluglinien ist das ein schwerer Schlag - ein Bundesland kündigte bereits eine Klage gegen die Neuerung an.

DPA

Trotz heftiger Kritik aus der Wirtschaft hat der Bundestag die Flugsteuer verabschiedet. Das Parlament billigte das umstrittene Vorhaben als Teil des Sparpakets der schwarz-gelben Koalition am Donnerstagabend in Berlin. Damit werden Tickets für Flüge von deutschen Airports ab dem 1. Januar 2011 nach Entfernung gestaffelt um bis zu 45 Euro teurer.

Für Inlandsflüge und Kurzstreckenrouten werden acht Euro fällig, für Mittelstrecken 25 Euro und für Langstrecken 45 Euro. Dies gilt schon seit 1. September bei Buchungen für Abflüge ab 1. Januar 2011. Wie sehr die Aufschläge das Fliegen tatsächlich verteuern werden, ist angesichts des scharfen Preiskampfes in der Branche aber ungewiss. Bei Inlandsflügen werden zu den acht Euro noch 19 Prozent Mehrwertsteuer addiert.

Bei großen Anbietern hat die Steuer vorerst nicht zu auffällig weniger Buchungen geführt. Reaktionen der Passagiere seien bislang nicht zu spüren, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin untersucht derzeit, inwiefern die Steuer auf die Nachfrage drückt oder Kunden auf grenznahe Flughäfen im Ausland ausweichen. Noch sei dies nicht zu sagen, erklärte ein Sprecher. Beim größten deutschen Reisekonzern TUI hieß es, nach Einführung der Ticketsteuer habe es keine spürbaren Rückgänge bei den Buchungen gegeben. Die Nachfrage sei ungebrochen.

Bei Industrie und Ländern hatte die Sparmaßnahme in den vergangenen Wochen für Empörung gesorgt. Das Bundesland Rheinland-Pfalz kündigte am Donnerstag an, gegen die Neuerung vor Gericht ziehen. "Wir sind entschlossen zu klagen", sagte Landeswirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) dem "Handelsblatt". In Rheinland-Pfalz liegt der Flughafen Hahn, das deutsche Drehkreuz von Ryanair. Der irische Billigflieger hatte am Mittwoch angekündigt, im kommenden Jahr fast 30 Prozent seiner Flüge von Hahn zu streichen und dies mit der Ticketabgabe begründet. Die Abgabe ist Teil des Sparpakets der Bundesregierung.

Die Ticketsteuer führe "zu einer klaren Beschädigung des Standorts", sagte Hering. Die Folgen seien nun noch dramatischer als in mehreren Gutachten befürchtet, die Rheinland-Pfalz in Auftrag gegeben hatte. Die öffentlichen Haushalte würden trotz der durch die Luftverkehrsteuer erwarteten Einnahmen von einer Milliarde Euro am Ende mit mehr als 500 Millionen Euro belastet.

Die meisten Airlines und Reiseveranstalter geben die Steuer an die Kunden weiter, einige Reiseveranstalter sogar mit einem zusätzlichen Aufschlag. Ein Überblick:

  • Lufthansa und Air Berlin: Die beiden größten deutschen Airlines, Lufthansa und Air Berlin, reichen die Steuer eins zu eins durch. Wer also ein Ticket für einen Flug der Lufthansa oder von Air Berlin für das kommende Jahr bucht, muss entsprechend der Steuer je nach Fluglänge acht, 25 oder 45 Euro mehr zahlen. Tickets für dieses Jahr gibt es weiter ohne Steuer. Die 99-Euro-Tickets inklusive aller Steuern und Gebühren will die Lufthansa weiter anbieten.
  • Billigflieger: Auch Ryanair, TUIfly und Germanwings geben die Mehrkosten bereits jetzt an ihre Kunden weiter. Bei Sonderangeboten - etwa bei Zehn-Euro-Flügen - übernimmt der irische Billigflieger Ryanair hingegen die Steuer. Ryanair will seinen Flugplan aber deutlich ausdünnen, weil sich bestimmte Strecken nach Angaben der Airline wegen der Steuer nicht mehr lohnen. So kündigte das Unternehmen an, fast 30 Prozent der Flüge ab Hahn zu streichen. Der Billigflieger Easyjet will die Luftverkehrsabgabe nicht immer voll weitergeben. Je nach Strecke und Zeitpunkt des Fluges soll der Betrag variieren oder gar nicht verlangt werden.
  • Reiseveranstalter: Die großen Veranstalter schlagen auf die Flugsteuer weitere Extra-Gebühren auf. Bei Deutschlands größtem Reiseveranstalter TUI müssen die Kunden für Flugpauschalreisen demnach künftig für die Kurzstrecke zehn Euro, für die Mittelstrecke 28 Euro und 50 Euro für die Langstrecke zahlen. Die im Vergleich zur Steuer höhere Abgabe begründet TUI mit den Kosten für die Umstellung der Verwaltung und Provisionen für Reisebüros. Bei Thomas Cook verteuern sich die Angebote in gleichem Maße, nur die Abgabe für Kurzstreckenflüge ist mit neun Euro einen Euro billiger. Der Rewe-Konzern, zu dem unter anderem ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg gehören, erhebt die Steuer ebenfalls - im Endpreis ist sie allerdings nicht extra ausgewiesen.

sto/AFP/dpa

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