Bis zu mehr als 25 Prozent Preiserhöhung: Mietwagen sind dauerhaft teurer

Die Zeit der billigen Mietwagentrips ist vorbei. Nicht nur Urlaubsregionen wie Mallorca sind betroffen, wo die Preise mehr als 25 Prozent gestiegen sind. Auch im Inland müssen Privat- und Geschäftsleute deutlich mehr zahlen - zudem ist die Preisgestaltung komplizierter geworden.

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Mietwagen: Bis zu zehn Prozent teurer im Inland, über 25 Prozent Anstieg auf Mallorca

Berlin - Alle großen Autovermieter haben ihre Listenpreise seit einem Jahr um bis zu zehn Prozent im Inland erhöht. Wie eine AP-Umfrage am Mittwoch ergab, liegen in den Urlaubsländern die Steigerungsraten zum Teil deutlich darüber. Auf Mallorca etwa übertrafen sie teils sogar die 25 Prozent, mit denen das Statistische Bundesamt die Branche als zweitgrößten Preistreiber im Oktober nach PC-Anwendersoftware ausmachte.

Die 25 Prozent der Statistiker wollen die "Großen Vier" - Hertz, Avis, Sixt und Europcar - allerdings nicht pauschal bestätigen. Dennoch räumen sie Preiserhöhungen ein. Ein Schlagwort nennen die Firmen für die eigentlich komplexen Ursachen: die Abwrackprämie. Sie habe einerseits für einen Engpass bei den im Urlaub sehr gefragten Kleinwagen gesorgt, weil die Hersteller ihre Autos lieber in den Privatmarkt gegeben hätten als mit den üblichen "Buy-Back"- (Kauf-zurück-) Verträgen an die Vermieter.

Diese Verträge bestehen darin, dass die Autohersteller den Vermietfirmen die Wagen nach einem halben Jahr wieder abkaufen und sie dann Privatkunden anbieten. Voraussetzung für gute Preise dafür sind unbeschädigte Fahrzeuge mit einer vertraglich festgelegten, relativ geringen Kilometerzahl. Auch dieser Markt sei aber schlechter geworden, sagte ein Branchenexperte. Zudem habe die Prämie den Gebrauchtwagenmarkt im Inland erschüttert.

Dazu kommen nach übereinstimmenden Angaben höhere Finanzierungskosten wegen der Finanzkrise. So lieferten die Engpässe den Vermietern die Chance zu den bis vor einem Jahr stets erfolglos versuchten Preiserhöhungen. Hertz-Geschäftsführer Elyes M'Rad, der im Schnitt von sechs Prozent Erhöhung für Privatkunden spricht, sagte: "Auch die Veränderungen auf den Automobilmärkten machen sich für uns bemerkbar: Die Hersteller haben ihre Produktionskapazitäten mit dem Einsetzen der Finanzkrise gesenkt, so dass heute weniger Neuwagen auf dem Markt sind."

Preisdschungel macht Vergleich schwierig

Vor allem sind die Preise inzwischen wesentlich schwerer zu vergleichen. Stefanie Dargel von Europcar und Frank Elsner von Sixt räumen ein, dass die Vermieter immer mehr zu einem Yield-Management übergehen, wie es von Fluggesellschaften bekannt ist, bei denen sich die Tarife je nach Nachfrage und Auslastung stündlich ändern können.

"So weit ist es aber bei uns noch nicht", beruhigt Dargel, die von knapp fünf Prozent "über alle Segmente" für ihr Unternehmen spricht. Bei Sixt lauten die Zahlen laut Elsner drei bis fünf Prozent für Privatkunden und fünf bis zehn Prozent für Geschäftskunden. Avis-Geschäftsführer Wolfgang Neumann erklärt: "Wir haben in den vergangenen Monaten die Preise für Privatkunden insgesamt um zehn Prozent erhöht."

Vielfach ist neuerdings auf den ersten Block nicht erkennbar, dass es teurer wird. So sind manchmal die Inklusiv-Kilometer begrenzt, manchmal nicht. Oder es werden Zuschläge erhoben. M'Rad kündigte an: "Ab der kommenden Woche werden auch wir - wie andere Autovermieter vor uns - eine Einweggebühr einführen. Wer in einer anderen Stadt das Fahrzeug abgibt, als er es gemietet hat, muss dann einen Aufpreis von 15 Euro bezahlen. Außerdem führen auch wir ab dem 16. November auf einen Teil der Tarife eine Kilometerbegrenzung von 250 Kilometern pro Tag ein."

Erhöhungen sollen langfristig gelten

Diese Begrenzungen sind unterschiedlich hoch. Bei Sixt werden sie nach Angaben von Sprecher Frank Elsner nur an Wochenenden erhoben. Sie betragen täglich 300 Kilometer. Jeder zusätzliche Kilometer kostet 21 Cent, was den Tagesmietpreis für die Kompaktklasse schnell über 100 Euro steigen lässt. Bei Europcar gibt es ebenfalls eine Kilometerbegrenzung am Wochenende, aber in unterschiedlicher Höhe je nach Wagenklasse. An Werktagen entfällt sie zwar, dafür ist - im Gegensatz zu Sixt - der Grundpreis deutlich höher. Wer eben mal von Hamburg nach Lübeck und zurück fährt, zahle nun weniger als derjenige, der in einem Tag quer durch Deutschland reise, sagte Dargel.

Ihren Angaben zufolge sind besonders in den Urlaubsgebieten wie Mallorca die Mietpreise drastisch gestiegen, "manchmal möglicherweise sogar über die 25 Prozent", weil dort die Kleinwagen nicht in der nötigen Menge zur Verfügung gestanden hätten. Wenig Hoffnung machen die Vermieter auf mögliche Preissenkungen. "Da der Kostendruck sich in nächster Zeit voraussichtlich nicht abschwächen wird, ist davon auszugehen, dass die Erhöhungen langfristig Bestand haben", erklärt M'Rad.

Thomas Rietig, AP

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