Blumen in der Wüste Das Tal des Todes blüht auf

Gelb, lila, weiß und orange - ein Blumenmeer bedeckt die sonst vollkommen ausgedörrte Erde des heißesten und trockensten Ortes der USA. Das Death Valley hat sich nach den Rekordniederschlägen der letzten Monate in einen Garten Eden verwandelt. Sogar ein See, der vor 10.000 Jahren ausgetrocknet war, ist wieder voller Wasser.


Blütenmeer im Death Valley: "Es riecht wie in einem Blumenladen"
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Blütenmeer im Death Valley: "Es riecht wie in einem Blumenladen"



Milliarden robuster Samen haben seit Jahren, tief im Wüstenboden versteckt, auf die Regenfälle gewartet. Die Niederschläge kamen, und zwar unerwartet heftig. In diesen Tagen erreicht die Wüstenblüte nun ihren Höhepunkt - eigentlich nichts Ungewöhnliches in den kalifornischen Wüsten. Aber niemand kann sich erinnern, im Death Valley je so viele und so schöne Wildblumen gesehen zu haben: "Dies könnte die Blüte des Jahrhunderts sein", sagte Tim Croissant, ein Botaniker vom Nationalpark-Dienst, der US-Zeitung "New York Times". "Es kommt vor, dass wir viele Jahre gar keine Blüte haben, deswegen ist dies hier umso außergewöhnlicher."

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Biologen streifen nun durch das surreale Kurzzeit-Paradies auf der Suche nach unbekannten Arten, und Touristen kommen zuhauf - unter ihnen, mit großem Gefolge, die First Lady Laura Bush. "Wir waren schockiert, als wir das hier gesehen haben", sagte ein Urlauber der Zeitung, neben ihm ein goldgelber Blumenteppich. "Es sieht natürlich nicht aus wie das Tal des Todes", fügte seine Begleiterin hinzu. "Es riecht wie in einem Blumenladen." Bald allerdings wird die Sonne bei Temperaturen von über 40 Grad bis zum Mai wieder fast alles pflanzliche Leben vernichten.

Auf dem "Lake Manly" können die Park-Ranger jetzt Kanu fahren. Der legendäre See war vor rund 10.000 Jahren ausgetrocknet. Nun hat sich das Regenwasser am tiefsten Punkt des Tals, "Badwater Basin", gesammelt - der See ist zurück. Der Legende nach ist der "Lake Manly" nur alle hundert Jahre zu sehen. In wenigen Wochen wird er vermutlich wieder verschwunden sein, denn das Wasser ist mit höchstens 75 Zentimetern nicht besonders tief.

Das Death Valley liegt zum größten Teil unterhalb des Meeresspiegels, Regen ist sehr selten. Seinen Namen bekam das Tal im Winter 1849 von einer Gruppe von Goldsuchern. Die Gruppe war unterwegs nach Kalifornien und hielt den Weg durch das verdorrte Tal für eine Abkürzung. Die Männer schafften es bis zu einer Oase, der sie den Namen Furnace Creek gaben. Von dort aus suchten sie nach einem Ausweg durch die Berge, die das Tal einschließen. Die schlechte Versorgungslage und das unzugängliche Terrain hielten die Gruppe immer wieder auf, so dass sie sich erst nach einem Monat aus der glühenden Hitze des Tals retten konnte. Auf dem Weg in die Freiheit drehte sich den Berichten zufolge einer der Männer noch einmal um, blickte in die Wüste und sagte: "Auf Wiedersehen, Tal des Todes."

Friederike Freiburg



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