Lufthansa-Programm Miles & More: Vielfliegern droht Niederlage im Meilenstreit

Von Martin U. Müller

Darf die Lufthansa Bonusmeilen entwerten? Im Rechtsstreit über das Vielflieger-Programm von Deutschlands größter Airline könnten Kunden das Nachsehen haben. Denn im Berufungsverfahren folgt das Gericht in Köln bislang den Argumenten der Lufthansa-Juristen.

Streitbares Vielflieger-Programm: Miles-&-More-Kreditkarte der Lufthansa Zur Großansicht
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Streitbares Vielflieger-Programm: Miles-&-More-Kreditkarte der Lufthansa

Köln/Hamburg - Zwischen Streik, Tarifkampf und schlechten Geschäftsaussichten ist ein weiteres Problem der größten deutschen Fluglinie Lufthansa beinahe in Vergessenheit geraten: Die Auseinandersetzung um die Entwertung von Bonusmeilen für das Vielfliegerprogramm Miles & More.

Hintergrund: Der Hamburger IT-Professor und Lufthansa-Vielflieger mit Senator-Status Tobias Eggendorfer hatte geklagt, nachdem Lufthansa zum 3. Januar 2011 hin mehr oder weniger ohne langfristige Ankündigung die für Prämienflüge einzusetzenden Meilenwerte hochschraubte.

Heute nun fand vor dem Oberlandesgericht Köln die Berufungsverhandlung in dem Verfahren statt. Ein Urteil soll zwar erst am 8. Januar 2013 verkündet werden, allerdings machte das Gericht deutlich, dass es die Sicht der Vorinstanz nicht teile. Dort sah man "die Abänderung des Prämienkatalogs" der Lufthansa als unwirksam an - zumindest für bis zu diesem Zeitpunkt gesammelte Meilen.

Das OLG Köln stellte nun fest, dass die Tabelle, aus der hervorgeht, wie viele Meilen für einen Prämienflug eingesetzt werden müssen, nicht direkter Bestandteil des Programms sei. Man könne nur gegen die Teilnahmebedingungen widersprechen. Das Gericht folgte damit mehr oder weniger der Argumentation der Lufthansa-Juristen. Somit könnte Lufthansa die Meilenwerte für Prämienflüge offenbar nach Belieben ändern.

Die Frist von nur einem Monat, mit der die Lufthansa die Neuregelung in Kraft gesetzt hatte, stelle nach vorläufiger Einschätzung keine unangemessene Benachteiligung der Kunden dar, sagte Richter Zingsheim. Er und seine Kollegen übten deutliche Kritik an der Entscheidung aus erster Instanz.

Das Landgericht habe in seinem Urteil zu sehr auf die persönliche Situation des Vielfliegers abgestellt. Entscheidend seien aber die Auswirkungen der Änderung auf einen durchschnittlichen Kunden, der kaum dazu in der Lage sei, genug Punkte für einen Interkontinental-Flug erster Klasse anzusammeln. Für den Normalkunden habe sich die Prämiensituation durch die Neufassung aber in einigen Punkten sogar verbessert. Von einer Benachteiligung wider Treu und Glauben könne deshalb wohl nicht die Rede sein.

Mächtige Schattenwährung

Das Gericht ließ allerdings das Rechtsmittel der Revision zu. Kläger Eggendorfer: "Wir warten das Urteil ab und werden dann aber nach jetzigem Stand der Dinge auf jeden Fall Revision einlegen. Ich halte die Argumentation für schwierig. Theoretisch könnte Lufthansa über Nacht für einen Prämienflug von Frankfurt nach München eine Million Meilen verlangen, und auch dagegen wäre kein Widerspruch möglich."

Für Lufthansa ist das Problem der Meilen nicht ganz unwesentlich. Längst sind die Meilen zu einer mächtigen Schattenwährung geworden. Die Airline musste allein im Geschäftsjahr 2010 für ihr Bonusprogramm 620 Millionen Euro an Rückstellungen in ihrer Bilanz bilden - um nicht weniger als 201 Milliarden noch nicht eingelöste Meilen geht es.

So wichtig das Programm für die Kundenbindung ist, so viel Ärger verursacht es auch. So verärgerte Lufthansa Kunden mit der Nachricht, dass seit September dieses Jahres HON-Circle-Meilen nur noch in Business und First Class gesammelt werden können. Auch wurden bestimmte Vorteile wie Buchungsgarantien oder Lounge-Zugangsregeln verschlechtert, Upgrades sind nicht mehr aus allen Buchungsklassen möglich, und selbst in der Business Class werden in bestimmten Buchungsklassen weniger Meilen kreditiert.

Mit Material von dapd

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insgesamt 104 Beiträge
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1. Der Ausgang
sinnfindung 20.11.2012
Zitat von sysopDarf die Lufthansa Bonusmeilen entwerten? Im Rechtsstreit über das Vielflieger-Programm von Deutschlands größter Airline könnten Kunden das Nachsehen haben. Denn im Berufungsverfahren folgt das Gericht in Köln bislang den Argumenten der Lufthansa-Juristen. Bonusmeilen: Vielflieger droht Streit mit Lufthansa zu verlieren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/bonusmeilen-vielflieger-droht-streit-mit-lufthansa-zu-verlieren-a-868206.html)
dieses Rechtsstreites wird sicher von den meisten SPON-Teilnehmern geradezu sehnsüchtig erwartet :).
2. Juristen und die Wahrnehmung von außen...
oxgino 20.11.2012
Wieder einmal tun Juristen ihre Arbeit - eigentlich korrekt, hinterfragen aber nicht den Sinn ihres Handelns. Eigentlich geht es hier um Kundenbindung, nicht Vergrämung. Hauptsache es gibt einen ( kurzfristigen ) monetären Benefit für die Firma, die Kunden haben aber diesen "Service" im Hinterkopf. Haben die Marketingleute eigentlich gar nichts mehr zu sagen ?
3. Schafft die Bonusmeilen ab !
zimbor 20.11.2012
Dieser völlig überflüssige Anreiz zum Vielfliegen verhöhnt jede Anstrengung, den CO²- Ausstoss zu reduzieren und sollte weltweit verboten werden - genau wie die Steuerbefreiung für Flugbenzin.
4. Der Kunde ist König?
Assynt 20.11.2012
Die Lufthansa Funktionäre scheinen nicht zu beachten das es nach wie vor auf den meisten Strecken die Ihre Airline fliegt, sehr starke Konkurrenz gibt. Interessant das die Lufthansa nicht nur bereit ist den Service für ihre wichtigsten Kunden so start zu verschlechtern, sonder sogar auch dafür durch mehrere Instanzen vor Gericht zu ziehen. Meine Reaktion - und ich hoffe auch die von vielen anderen Vielfliegern - wird sein, in der Zukunft mit der Konkurrenz zu fliegen und darauf zu warten das das Geschrei losgeht wenn die Umsatzzahlen bei der Lufthansa nicht mehr stimmen.
5. Standardkommentare
fin2010 20.11.2012
>>>zimbor>>>Dieser völlig überflüssige Anreiz zum Vielfliegen verhöhnt jede Anstrengung, den CO²- Ausstoss zu reduzieren und sollte weltweit verboten werden - genau wie die Steuerbefreiung für Flugbenzin.
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