Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Buenos Aires: Taxifahrt auf Leben und Tod

Wer in Buenos Aires in ein Taxi ohne gültige Lizenz steigt, erwartet keine gemütliche Spazierfahrt. Aber auch keinen derartigen Horrortrip, wie ihn SPIEGEL-ONLINE-Leser Constantin Rohrbach erlebte – inklusive Polizei-Verfolgung und durchbrochener Schranken.

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Constantin Rohrbach:
Wir hatten uns vorher schlau gemacht: Mit den Taxifahrern am Flughafen in Buenos Aires solle man hart verhandeln, hieß es im Reiseführer. Ein vernünftiger Preis seien 35 US-Dollar vom Flughafen in die Innenstadt, und wir, das waren drei Freunde und ich, wollten uns nicht abzocken lassen.

Der erste Cabbie, der uns nach der Ankunft mit einem Flieger aus São Paólo gegen 22 Uhr begegnete, war ein sogenannter grauer oder eben illegaler Taxifahrer ohne Lizenz. Nach einem unnachgiebig geführten Verhandlungsgespräch einigten wir uns auf einen Schnäppchenpreis von 30 Dollar - doch das sollte Folgen haben.

Denn die etwa 35 Kilometer lange Tour, die über eine Stadtautobahn mit zwei Mautstationen führt, schaffen normale Taxifahrer vielleicht zweimal am Tag, und die Kosten dafür sind locker mit denen in Europa vergleichbar.

Elchtest ohne Licht

Als wir - vier Männer zwischen 1,80 und 1,90 Metern Länge mit geschätzten 360 Kilo Personengewicht, plus Gepäck und Taxifahrer - uns in den Renault 14 aus dem Baujahr 1982 quetschten, war klar, dass dies keine Vergnügungsfahrt werden würde.

Insbesondere angesichts des Fahrstils des Chauffeurs, gegen den ein orientalischer Verkehrsrowdy als gemäßigt gelten muss. Die vorgeschriebenen 100 km/h waren schnell um 50km/h überschritten, und bei jedem Schlagloch, dem dieser Henker am Steuer auswich, wurde die Fahrt zum unfreiwilligen Elchtest. Das Ganze erfolgte zwar auf einer beleuchteten Stadtautobahn, jedoch ohne eingeschaltetes Fahrlicht - was offenbar nicht unüblich ist in Buenos Aires.

So gesehen kam uns die erste Mautstation als willkommene Verschnaufpause für den mittlerweile erhöhten Puls, der allerdings schnell wieder auf 180 war. Denn die ausgestreckte Hand des Mannes im Mautkabuff wartete vergeblich auf die zwei geforderten Pesos, stattdessen gab der junge Mann in unserem roten Sarg Vollgas.

Dies führte dazu, dass sich hinter uns die bereitstehende Policia Urbana in Bewegung setzte, woraufhin unser Fahrer die Tachonadel auf bis zu 160 km/h hochjagte. Wohlgemerkt auf einer Straße, die in üblerem Zustand war als der letzte Abschnitt der DDR-Transitautobahn.

Mit Vollgas durch die Schranke

Der Höhepunkt kam an Mautstation Nummer zwei, denn die hatte eine Schranke. Unser junger Nachwuchs-Schumi, vielleicht 20 Jahre alt und ziemlich wortkarg, steuerte mit etwa 60 Sachen auf den Schalter zu und guckte sich ein Fahrzeug aus, das gerade die zwei Pesos in den Münzkorb warf. Sofort gab er ohne abzubremsen erneut Vollgas und fuhr auf das vor uns anfahrende Auto zu, während sich die Schranke automatisch öffnete - und wieder schloss: vor unserer Nase! Mit lautem Knall und abermals Vollgas im zweiten Gang ging es durch die geschlossene Schranke, die von unserer Dachkante abgemäht wurde und durch die Luft flog.

Hatten die ersten 15 Minuten noch Unterhaltungswert, so war, spätestens seit sich argentinische Obrigkeit an unserer kleinen Spazierfahrt beteiligte, aus dem Spaß Todesangst geworden. Daran änderte sich auch nichts, als es dem Hazardeur an unserem Steuer gelang, die Polizei im Slalom im dichter werdenden Verkehrs Richtung Innenstadt abzuschütteln. Wir kamen an! An unserem Hotel! Nach dem Aussteigen muss der Jüngling wohl damit gerechnet haben, von uns im nächsten Gully versenkt zu werden. Stattdessen gaben wir ihm wie abgesprochen die geforderten Dollar und bedankten uns - für unser Leben.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Buenos Aires: Mit Vollgas in die Innenstadt