Bundesregierung Tourismusbeauftragter wirbt für Urlaub in der Türkei

"Es gibt keinen Grund, nicht in die Türkei zu reisen", sagt der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung. Seine werbenden Worte kommen kurz nach der Verhaftung eines weiteren Deutschen.

Antalya
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Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung hat ungeachtet der Krise in der Türkei für Reisen in das Land geworben. "Es gibt für mich keinen Grund, nicht in die Türkei zu reisen und dort Urlaub zu machen", sagte Thomas Bareiß (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er selbst habe gerade dort erst seine Ferien verbracht.

Die Türkei wird derzeit von einer Wirtschafts- und Währungskrise beherrscht, die die türkische Lira in den vergangenen Wochen auf Talfahrt geschickt hatte. Für ausländische Touristen wird Urlaub in der Türkei derzeit deshalb immer billiger. Der Währungsverfall lockt etwa Schnäppchenjäger, die in den Luxusläden im Istanbuler Edelviertel Nisantasi teure Markenartikel shoppen.

Tourismus baue persönliche Brücken zwischen Ländern, sagte der CDU-Politiker. "Das brauchen wir derzeit mehr denn je." Stabilität und Partnerschaft lägen im Interesse Deutschlands, aber auch der türkischen Bevölkerung. Die Menschen in der Türkei zeichneten sich zudem durch eine große Gastfreundlichkeit aus. Unlängst hatte das Auswärtige Amt seine 2017 nach der Inhaftierung deutscher Bürger und wachsender Defizite in Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verschärften Hinweise für Reisen in die Türkei wieder gemildert.

Doch Bareiß' werbende Worte kommen kurz nachdem erneut ein Deutscher wegen Terrorvorwürfen in der Türkei verhaftet wurde. Ein Gericht verhängte Untersuchungshaft gegen den 46-Jährigen aus Hamburg. Ihm wird vorgeworfen, über soziale Medien Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verbreitet zu haben.

kry/AFP



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crunchy_frog 17.08.2018
1.
Ne klar, und wenn man dann als Geisel... äh natürlich Terrorismusunterstützer in der Zelle hockt, darf die Regierung wieder ein paar Panzer schicken, um einen frei zu bekommen. Nein danke, in dieses Land zu reisen ist nicht nur gefährlich, sondern auch unverantwortlich. Ich frage mich nur, warum die Bundesregierung sind vor einem Erdogan dermassen in die Knie geht.
cmann 17.08.2018
2. Zurückhaltung wäre im Moment
wohl eher angebracht. Solange man als Tourist extrem vorsichtig mit seinen Äußerungen, was die Türkei und die dort herrschenden Zustände betrifft, sein muss. Was die Bundesregierung und solche "Vollpfosten" wie der Tourismusbeauftragte da tun ist eher mit Skepsis zu betrachten. Wenn es nämlich erst mal zu Problemen aufgrund eventueller unbedachter Äußerungen kommt ist weder der Tourismusbeauftragte, noch andere Stellen der Bundesregierung im Stande wirksam zu intervenieren. Der Wilkür sind in der Türkei derzeit wegen sogenannter "Gummiparagraphen" Tür und Tor geöffnet. Nachdem jetzt auch schon Kritik wegen "wirtschaflicher Probleme oder Fehlleistungen" unter Strafe gestellt wurde. Wer Risiken meiden will sollte trotz der günstigen Preise ein anderes Urlaubsziel buchen.
allesmussraus 17.08.2018
3. Der beste Grund
um nicht in die Türkei zu reisen ist Erdogan. Wer so mit der Meinungsfreiheit umgeht darf auf keinen Fall unterstützt werden. Da gibt es für mich kein wenn und aber. Die Menschen in der Türkei die ihn nicht gewählt haben tun mir leid. Sie müssen jetzt darunter leiden.
mucfort 17.08.2018
4. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Neigungen
Mich im Urlaub unnötig in eine nicht einmal Mindeststandards an Abenteuer erfüllende Gegend zu begeben, entspricht nicht meinen Veranlagungen. Ich kann schon verstehen, dass es manche reizt, mal in einem Land zu verweilen, wo man die politische Uhr um vielleicht 100 Jahre zurückgedreht hat. Ein bisschen Kerker, ein wenig Rechtsbeugung durch willfährige Richter, schon herrscht bei manchen offenbar eitel Urlaubsfreude. Oder es ist eine Übung, mal die Klappe zu halten, damit man auf der Straße nicht weggefangen wird.
Sissy.Voss 17.08.2018
5. Entweder sind an Bareiß die letzten Jahre spurlos vorübergegangen
Entweder sind an Bareiß die letzten Jahre mit politischen Nazi-Beschimpfungen durch das sog. Staatsoberhaupt Erdogan spurlos vorbeigegangen oder er hat sich ein Lira-finanziertes Teflon-Outfit zugelegt und ist durch den Sultan selbst geschützt. Das ist nicht unwahrscheinlich, weil der gerade bereit ist in jede Öffnung zu kriechen, die sich ihm bietet, solange seine Diktatur öffentlich auch nur die geringste Unterstützung erfährt. Peinlich genug für den CDU-Politiker. Immerhin ist eben erst wieder ein aus Deutschland stammender Kurde türkischer Provenienz verhaftet worden. Gut, sehr helle kann der nicht sein, wenn er auf seiner Homepage für die Kurdische Arbeiterpartei PKK wirbt und dann in die Türkei fährt. Aber das sollte ihn Bareiß ja als Bruder im Geiste erscheinen lassen. Bareis muss sich auch keine Gedanken um ausbleibende Touristen machen: die kommen schon. Es ist ja wie immer - Pack schlägt sich…
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