Kaffeekochen beim Campen: Filtern, drücken oder dampfen?

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Kein Morgen ohne Kaffee! Echte Genießer wollen nicht mal beim Camping auf ihren Frischgebrühten verzichten. Wie gelingt der Genuss am besten - mit Filter, "Runterdrück-Kanne" oder Handpresse? Der Test.

Kaffee für Camper: Von Omas Filter bis zur Koffeinspritze Fotos
DPA

Die Sonne knallt aufs Zelt, bis es zu heiß im Schlafsack wird. Zeit, aufzustehen. Vor allem: Zeit für den Morgenkaffee! Und da beginnt das Elend des koffeinliebenden Campers: Die Kaffeemaschine ist weit weg, vom Espresso-Vollautomaten ganz zu schweigen. Was tun, damit die ersten Minuten des Tages ein Genuss werden?

149 Liter des koffeinhaltigen Heißgetränks konsumiert der Durchschnittsdeutsche jährlich - und legt selbst im Urlaub kaum eine Pause ein. Die Outdoor-Industrie und findige Existenzgründer basteln längst an mobilen Möglichkeiten der "Suchtbefriedigung". So wird inzwischen auch vor dem Zelteingang und in der Campervan-Küche auf verschiedenste Arten gebrüht, geschäumt, gefiltert, was die Bohne hergibt.

Worauf es bei den Zubereitungsarten generell ankommt, erklärt Thomas Schweiger, Experte in der Zubereitung von Kaffee und amtierender deutscher Barista-Meister:

  • Erstens auf die Kontaktzeit zwischen Kaffee und Wasser: Ist sie zu kurz, wird der Kaffee plörrig, ist sie zu lang, wird er zu bitter. Ideal ist es also, wenn die Extraktionszeit kontrollierbar ist.
  • Zweitens ist die Temperatur des Wassers wichtig: Ist sie zu hoch, verbrennen die feinen Kaffeearomen, ist sie zu niedrig, schmeckt es sauer. Optimal liegt sie zwischen 92 und 96 Grad.

Wichtiger jedoch als die Zubereitung ist der Kaffee selbst, sagt Schweiger. Die Bohnen sollten frisch nach der Röstung gekauft und innerhalb von drei Monaten verbraucht werden. Am besten ganze Bohnen einpacken und frisch vor dem Zelt mit der Handmühle vermahlen. Auch hier gibt es inzwischen leichtere, Camping-taugliche Modelle - etwa von Hario (320 Gramm, circa 34 Euro). Ein Tipp vor allem für die wirklichen Kaffeefreaks unter den Campern.

Hier sind die wichtigsten Kaffeekoch-Methoden für unterwegs (die Geräte sind im Fachhandel und bei Online-Händlern erhältlich):

  • Die Druckvollen

Die teuersten und technisch spannendsten unter den mobilen Geräten. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie erstens das Koffein mit hohem Druck aus dem Pulver austreiben und zweitens aus vielen Kleinteilen bestehen. Gehen eine Dichtung, ein Schräubchen oder ein Sieb im Campingchaos verloren, gibt es keinen Hightech-Kaffee mehr. Ein paar Beispiele:

Bacchi Espressomaschine: Die Dampfmaschine für unterwegs. Das einzige Gerät unter den mobilen Kaffeebereitern, das einen wirklichen Espresso mit feiner Crema bereitet - das heißt, die ausgeklügelte Konstruktion mit zwei Wasserbehältern erreicht den nötigen Druck von neun bar und die nötige Wassertemperatur von etwa 94 Grad Celsius. Dafür muss der Gourmet aber auch ordentlich investieren, ordentlich schleppen - und üben.
Daten: 2,3 Kilogramm schwer, 24 Zentimeter hoch, rund 310 Euro.

Handpresso Wild Hybrid: Das Gerät ähnelt einer Fahrradluftpumpe, denn hier soll mit Muskelkraft ein Druck von immerhin 16 bar aufgebaut werden - laut Schweiger eher unwichtig für den Genuss. Heißes Wasser wird dann in ein Reservoir gefüllt und durch ein ESE-Pad oder Espressopulver gedrückt. Die MyPressi Twist funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip - nur kommt hier der Druck aus einer Sahnespender-Gaskartusche. Beides sind aber teure Geräte mit schnell nachlassendem Spaßeffekt - denn das Wasser ist kaum heiß genug.
Daten: Handpresso Wild Hybrid: 480 Gramm, 22 Zentimeter lang, rund 109 Euro teuer; MyPressi Twist: 450 Gramm, Zentimeter lang, rund 120 Euro.

Italienische Espressokanne: Die bewährte Schraubkanne für die Herdplatte kann auch auf dem Campingkocher gute Dienste leisten. Da allerdings hiermit nur rund 1,3 bar Druck aufgebaut werden kann, sagt Schweiger, erhält man einen Mokka statt eines Espressos. Das meist zu heiße Wasser verbrenne zudem die feinen Kaffeearomen. Bei manchen Kocher-Konstruktionen kann man mit Zeltheringen für einen sicheren Stand sorgen. Hersteller sind Bialetti (hier wurde die Kanne in den dreißiger Jahren erfunden), Relags, Cilia und viele andere.
Daten: ab 420 Gramm, 20 Zentimeter hoch, ab rund 10 Euro (Sechs-Tassen-Aluversion).

Für wen geeignet? Für wen nicht?

Gourmets, Technikbegeisterte, Wohnmobilbesitzer, Espressoabhängige

Wanderer, Radfahrer und andere Leichtgepäckler, Sparfüchse (bis auf die Espressokanne)

  • Die Französischen

Wer sich nicht mit Kaffeefiltern herumplagen will, kann das French Press, Stempelkanne, Cafetière oder schlicht "Runterdrück-Kanne" genannte Gerät vor dem Zelt einsetzen. Pulver in die Kanne, kochendes Wasser aufgießen, ein paar Minuten warten, Siebkolben drauf und den Satz langsam runterdrücken. Der Kaffee sollte allerdings schnell umgefüllt werden, denn sonst wird die Extrahierzeit zu lang, sagt Experte Schweiger. Die reisetauglichen Varianten sind aus Metall oder Kunststoff statt aus Glas. Leichtgewichtige Beispiele sind:

Relags "Java Press": Bruchfestes Polycarbonat macht dieses Gerät für das Campen geeignet, zudem ist es ein echtes Leichtgewicht. Der Kolben ist allerdings auch vollständig aus Kunststoff, daher eher empfindlich.
Daten: 144 Gramm (0,3 Liter) oder 314 Gramm (1 Liter), ab circa 16 beziehungsweise 19 Euro.

GSI Commuter Java Press: Hier sind Kunststoff-Trinkbecher und French Press eine Verbindung eingegangen. Der hier Pressstempel genannte Kolben hat die Form des Gefäßes und hält beim Trinken den Satz am Boden.
Daten: 295 Gramm (0,45 Liter), fast 20 Zentimeter hoch, circa 22 Euro.

Für wen geeignet? Für wen nicht?

Camper mit mittlerem Platzbudget, Teetrinker (Geräte kann man auch für losen Tee verwenden), Kaffeevieltrinker, Gruppen

Wanderer, Radfahrer und andere Leichtgepäckler

  • Der Wettkampf-Kolben

Aerobie Aeropress: Die Koffeinspritze aus den USA. Heißes Wasser wird in diesem Polycarbonatgerät auf mittelfein gemahlenes Kaffeepulver geschüttet und nach einigen Minuten mit einem Kolben durch einen Filter direkt in die Tasse gepresst. Ein Kenner serviert Filterkaffee in seiner Bar nach dieser Methode: Kontaktzeit und Wassertemperatur seien gut kontrollierbar, sagt Schweiger. Sogar internationale Meisterschaften gibt es inzwischen. Der Kaffeepulververbrauch ist in diesem Maschinchen allerdings recht hoch.
Daten: 230 Gramm, rund 20 Zentimeter hoch, circa 30 Euro (samt 350 Filter).

Für wen geeignet? Für wen nicht?

Gourmets, Camper mit mittlerem Platzbudget, Solo-Camper

Koffein-bedürftige Familien oder Großgruppen

  • Omas Liebling

Filter, Kaffee, Wasser - fertig. Barista Schweiger zieht gefilterten Kaffee dem aus der French-Press-Kanne vor. Hier sei die Kontaktzeit besser steuerbar. Und die Kombination hat einen unschlagbaren Vorteil: das Gewicht. Natürlich kann man die gute alte Melitta-Porzellanausgabe mitschleppen. Es gibt aber auch Camper-angepasste Alternativen - wie zum Beispiel diese:

GSI Faltbarer Kaffeefilter: Klippklapp - diese Silikon-Konstruktion kann zu einem 1,6 Zentimeter hohen Rundling zusammengeschoben werden und passt beim Verpacken in manche Kochgeschirre hinein.
Daten: 136 Gramm, 13 Zentimeter im Durchmesser, circa 13 Euro.

Ortlieb Filtertüten-Halter: Die Firma, die ansonsten versucht, ihre Taschen möglichst dicht zu halten, hat hier ein Produkt mit Loch hergestellt. Unzerstörbar, passt in die kleinste Lücke des Gepäcks und lässt sich mit zwei Heringen aufspannen.
Daten: 30 Gramm, 13 Zentimeter breit, circa 9 Euro.

Coghlans Kaffee-Filtertüten: Die Selbstbau-Methode. Mit einem Spießchen lässt sich der Kaffeefilter über einer Tasse aufhängen.
Daten: 18 Gramm, circa 5 Euro (für 40 Ein-Tassen-Filter).

Für wen geeignet? Für wen nicht?

Wanderer, Radfahrer und andere Leichtgepäckler, Minimalisten, Pragmatische, Sparfüchse

Expresso- und Mokka-Liebhaber, Technikverliebte

  • Ex-und-Hopp-Erfindungen

Grower's Cup Coffeebrewer: Eine PE-abgedichtete Tüte mit Filter. Wer es schafft, die rote Versiegelung zu entfernen, füllt 0,5 Liter kochendes Wasser hinein, wartet ein paar Minuten und genießt dann. Im Inneren fließt das Wasser durch einen Filter. Die dänische Firma legt Wert auf fair gehandelten Biokaffee - lästig ist nur, dass pro drei Tassen eine Tüte als Abfall übrig bleibt.
Daten: 45 Gramm, davon 26 Gramm Kaffee (drei Portionen), circa 2,45 Euro; extra Halter für 2,45 Euro.

Pronto Café: Kaffeebeutel in der Aromatüte. Den kleinen mit acht Gramm Kaffee gefüllten Filter kann man mit einem Papierhalter in eine Tasse hängen, kochendes Wasser drüber - voilá! Der selbständige Fernsehtechniker Jochen Knöll aus Schwaben hat das Patent in Seoul gesehen, sich mit einer italienischen Rösterei zusammengetan und bringt die Filterchen jetzt im Zehnerpack auf den Markt.
Daten: 140 Gramm, 7,90 Euro (Zehnerpackung).

Für wen geeignet? Für wen nicht?

Instant-Fans, Fairtrade-Anhänger, Spontanurlauber, Hotelgäste

Abfallvermeider, Espressosüchtige

Das Fazit des Barista-Meisters Thomas Schweiger: "Ich halte Aeropress für die beste Kaffeekoch-Methode für unterwegs. Wenn ich den Genuss will, nehme ich mein Equipment mit. Wenn ich Kaffee nur als Aufwachgetränk will und mir der Geschmack egal ist, könnte ich auch Instantkaffee nutzen."

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insgesamt 54 Beiträge
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1. optional
sidermin 31.07.2013
Sehr schöner und kompetenter Artikel. Aus eigener Erfahrung kann ich das Fazit von Herrn Schweiger (AeroPress) nur bestätigen!
2. Baumwolle
dasbeau 31.07.2013
Die simpelste, billigste, leckerste und umweltfreundlichste Methode fehlt: der Baumwollbeutel. Erhältlich in jedem Teegeschäft und seit jeher DIE Filtermethode, die auch in den Kaffeenationen Mittel- und Südamerikas genutzt wird.
3. Hochgebirge
hermann gottschewski 31.07.2013
Zitat von sysopKein Morgen ohne Kaffee! Echte Genießer wollen nicht mal beim Camping auf ihren Frischgebrühten verzichten. Wie gelingt der Genuss am besten - mit Filter, "Runterdrück-Kanne" oder Handpresse? Der Test. Camping: Welche Methode beim Kaffeekochen die beste ist - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/blog-packliste-kaffee-kochen-beim-camping-und-outdoor-leben-a-867605.html)
Da es ja unter anderem um Frau Kaltenbrunner am K2 geht (1. Bild), fehlt mir in dem Artikel der Hinweis darauf, wie weit sich die vorgestellten Methoden der Kaffeezubereitung auch für das Hochgebirge eignen. Die "optimale Zubereitungstemperatur" von 92 bis 96 Grad ist jedenfalls in einem richtigen Höhenlager ohne Druck nicht erreichbar. (Der Siedepunkt des Wassers liegt in 3000 Meter Höhe unter 90 Grad, bei 6000 Meter schon deutlich unter 80 Grad.) "Der Test" der verschiedenen Zubereitungsweisen auf dem letzten Höhenlager am K2 mit Geschmacksvergleich wäre also erst noch durchzuführen.
4. Da fehlt doch was
iridium87 31.07.2013
In dieser Liste fehlt doch eindeutigt die einfachste Methode zum Kaffee machen überhaupt. Blechkanne nehmen Kaffeepulver rein, Zucker dazu, Wasser rein, umrühren und aufs Feuer stellen. Kurz kochen lassen ein wenig zeit zum absetzten geben und fertig.
5. Kaffee beim Camping minimalistisch...
psion1977 31.07.2013
Kaffemehl in die Tasse, kochendes Wasser drüber, kurz ziehen lassen. Umrühren (gerne mit dem Titan-Spork...), dabei sinkt der Kaffee auf den Boden. Dann einfach trinken. Kosten: 0 Euro (0 Gramm).
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