Online-Buchungsportale für Campingplätze Digitales Zelten

Für Hotels gibt es Booking.com und HRS, für Privatunterkünfte Airbnb. Campingurlauber dagegen konnten im Internet bislang kein vergleichbares Angebot finden. Das ändern nun gleich zwei deutsche Start-ups.

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Ein Online-Buchungsportal für Campingplätze? Das ist eine dieser Business-Ideen, bei denen man sich wundert, dass es so etwas nicht schon seit Jahren gibt. Doch es dauerte bis zum Frühling 2016: Gleich zwei Anbieter in Deutschland schalteten nun ihre Webseiten live, um künftig am Trend zu Zelt- und Wohnmobilurlaub mitzuverdienen. Und damit quasi nebenbei eine etwas verschnarchte Nische des Tourismus ins Jahr 2016 zu befördern.

Getacamp und CampDay heißen die beiden Start-up-Portale, die der Old Economy à la gedrucktem ADAC-Campingführer oder ACSI-Guide das Fürchten lehren wollen.

"Die Idee hatte mein Bruder, als er im Dänemarkurlaub merkte, wie umständlich es ist, Campingziele zu finden", sagt Getacamp-Mitbegründer Fabian Gartmann, der vorher jahrelang als Journalist arbeitete. Zwar gibt es Reisebüros, die Festverträge mit Campingplätzen haben und so den Kunden eine Auswahl bieten können. Und es gibt Portale wie camping.info mit Zehntausenden Bewertungen oder das ADAC-Portal mit einem gigantischen Verzeichnis an Plätzen. Doch eine Plattform, auf der man auch direkt ohne Umweg buchen kann - ähnlich den immens erfolgreichen Hotelportalen booking.com oder HRS - gab es bislang nicht.

Das Prinzip ist einfach: Man gibt seinen geplanten Reisezeitraum und die gewünschte Region ein, schon erhält man Vorschläge für Unterkünfte. Bei Getacamp bekommt man gleich den Endpreis angegeben und kann per Klick buchen, bei CampDay handelt es sich bislang nur um eine Buchungsanfrage, die dann schnellstmöglich vermittelt wird.

Startseite von Getacamp.com
getacamp.com

Startseite von Getacamp.com

Beide Portale sind erst ein paar Tage auf dem Markt, sodass die Auswahl an Campingplätzen bislang klein ist (563 bei CampDay, das zu dem mächtigen Start-up-Konglomerat Rocket Internet gehört, 14 bei dem stark nach Qualität selektierenden Getacamp, das derzeit ein Drei-Mann-Unternehmen ist). Wesentlich mehr Plätze und neue Features sollen bald dazukommen, beide Portale planen beispielsweise ein Bewertungssystem und für die Zukunft auch Angebote außerhalb von Deutschland.

"Wir machen das Schritt für Schritt, Deutschland ist die erste Phase", sagt CampDay-Chef Philipp Hillenbrand, der vorher als Betriebswirt unter anderem beim Unternehmensberater McKinsey Erfahrungen sammelte. Die Inspiration für die neue Webseite sei aus den USA gekommen, wo Hipcamp.com ziemlich erfolgreich ist. Bei einem Großteil der dortigen Angebote handelt es sich um Zeltplätze auf Privatgrundstücken. Damit würde man in Deutschland möglicherweise in einer rechtlichen Grauzone landen. "Wir haben gedacht, ein Portal für Privatplätze würde in Europa nicht funktionieren. Aber ein Anlaufpunkt, der alle Campingplätze bündelt, fehlte noch."

Milliardenumsätze mit Outdoor-Urlaub

Es geht um einen lukrativen Markt: Laut Zahlen von Statista betrug der Gesamtumsatz im deutschen Campingtourismus im Jahr 2014 mehr als 3,3 Milliarden Euro, es gibt 2857 Campingplätze mit insgesamt 220.000 Stellplätzen. Knapp 28 Millionen Übernachtungen wurden in dem Jahr gezählt, Tendenz steigend, denn "zurück zur Natur" ist gerade ziemlich angesagt. Mit ihren Provisionen können sich also Vermittler dieser Unterkünfte ein hübsches Stück am Kuchen sichern - und gleichzeitig können Campinganbieter darauf hoffen, mehr Gäste anzulocken.

Startseite von CampDay.de
campday.de

Startseite von CampDay.de

Benutzerführung und Design beider Seiten erinnern an die Privatwohnungsbörse Airbnb - in übersichtlichen Zeltplatz-Profilen werden dem Nutzer Fotos, Landkarten und Details der Anlagen präsentiert. "Bei der Auswahl der Plätze achten wir beispielsweise sehr auf gute Sanitärbereiche", sagt Getacamp-Mann Gartmann. "Für viele ist Camping nur attraktiv, wenn dort gewisse Standards erfüllt werden." Attraktiv soll das auch auf der Webseite aussehen: Gerade baut er ein Netzwerk an Fotografen auf, die professionelle Bilder der Campingplätze liefern werden.

Von einer Fortsetzung des Camping-Trends sind jedenfalls beide Unternehmer überzeugt: "Die Welt wird immer komplexer. Das Bedürfnis, rauszukommen in die Natur, mal Pause zu machen, das wird noch wachsen", ist Hillenbrand von CampDay überzeugt.

Gartmann sieht gerade für Familien große Vorteile beim Camping: "Sobald man den Zeltreißverschluss oder die Wohnmobiltür öffnet, finden Kinder sofort eine Beschäftigung. In einem Hotel oder Ferienhaus hat man immer viel mehr damit zu tun, für ihre Unterhaltung zu sorgen."

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