Cancún in Mexiko: Skulpturenpark im Meer

Abtauchen zur "Gärtnerin der Hoffnung": Hunderte Figuren aus Zement sollen mit Algenschmuck und phantasievollen Namen vor der mexikanischen Insel Isla Mujeres Taucher anlocken. Nebenbei hat das riesige Kunstprojekt auch ökologische Vorteile.

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Isla Mujeres: Dauerausstellung unter Wasser
Cancún - Das Schnellboot des Marine Nationalparks von Cancún hat den Hafen verlassen und pflügt mit voller Fahrt durch die ruppige See. Ziel ist die vorgelagerte Isla Mujeres, die Fraueninsel.

An Bord ist auch Parkdirektor Jaime González Cano. Er will sich Skulpturen ansehen, die vor der Insel auf dem Meeresboden abgestellt worden sind. Sie sind die ersten Exponate einer gigantischen Unterwasserausstellung, die dort entstehen soll. Am Ende sollen bis zu 400 tonnenschwere Figuren des britischen Künstlers Jason de Caires Taylor vor der mexikanischen Küste auf dem Meeresgrund stehen.

Der Park hat den Biologen Juan Carlos Huitron mit dem Projekt beauftragt. Er taucht an diesem Tag mit seinem Chef Gonzáles Cano zu den ersten Figuren hinunter. Durch das türkise Wasser sind sie sofort in etwa zehn Meter Tiefe auf dem weißen Sandboden der Bucht zu erkennen. "Wir haben jetzt genügend Erfahrung gesammelt, um die Skulpturen auf dem Meeresgrund zu installieren", sagt Huitron. Als erste wurden die Figuren "Mann im Feuer", "Gärtnerin der Hoffnung" und "Archiv der verlorenen Träume" in der karibischen See versenkt.

Das "Archiv der verlorenen Träume" zeigt einen Mann, der sich an ein hüfthohes Regal lehnt und in einem Buch blättert. In dem Regal befinden sich Flaschen mit Botschaften über Hoffnung, Angst und Verlust. Der "Mann im Feuer" ist eine einzelne Figur, in die 75 Löcher gebohrt sind. Dort werden rote Korallen eingepflanzt, die später wie Flammen aus dem Leib des Mannes züngeln sollen. Und die "Gärtnerin der Hoffnung" ist ein junges Mädchen, das auf einem Podest liegt. Sie ist umgeben von einer Gießkanne und Töpfen, in die ebenfalls Korallen gepflanzt werden.

Künstliches Riff auf Zement

Die Figuren sind allesamt aus weißgrauem Spezialzement mit ausgeglichenem Säuregehalt gefertigt. Im Laufe der Zeit sollen sie zunächst Algen und dann weitere Meereslebewesen anziehen und so zu einem künstlichen Riff werden. "Bald werden wir das erste Grün sehen", sagt Jason Taylor. Die Dauerausstellung auf dem Meeresboden soll Taucher anlocken und so das natürliche Riff entlasten, das sich von hier über mehrere hundert Kilometer bis nach Honduras zieht.

Denn vor Cancún haben die Wirbelstürme des Jahres 2005 und die Massen von Tauchern und Schnorchlern dem Riff schwer zugesetzt. "Nach dem ersten Sturm im Juni hatten wir einen großen Teil der Korallen wieder zusammengesetzt", sagt González, "zu 90 Prozent mit Erfolg, sie wuchsen wieder an." Doch Mitte Oktober des gleichen Jahres machte der Hurrikan "Wilma" die mühevolle Arbeit wieder zunichte.

"Rund 750.000 Menschen besuchen Jahr für Jahr die umliegenden Nationalparks", sagt der promovierte Biologe González. Die Parks befinden sich in einem Meeresgebiet, das sich von Cancún über die Isla Mujeres und die Isla Contoy mit ihrem Vogelschutzpark um die Nordspitze der Halbinsel Yucatáns bis zur Isla Holbox zieht.

Das sind aber längst nicht alle Besucher. "Wir schätzen, dass etwa 450.000 zum Tauchen und Schnorcheln in das nur vier Hektar große Gebiet von Punta Nizuc fahren", erklärt González. Die Punta Nizuc liegt südlich vor der Hotelzone der Touristenhochburg. Dort ragt das Riff über die Wasseroberfläche hinaus und wird täglich von Hunderten Besuchern umlagert.

Vor der Karibikinsel Grenada hat Taylor bereits eine Unterwasserausstellung geschaffen. Cancún soll aber weitaus imposanter werden. Und nur wenige Kilometer weiter nördlich laufen bereits Vorbereitungen, um vor der Isla Contoy ein Unterwasser-Schiffsmuseum anzulegen: Über historischen Kanonen und Ankern soll ein weiteres künstliches Riff wuchern.

Franz Smets, dpa

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