Staatlicher Knigge-Vorstoß: Chinesische Touristen sollen sich besser benehmen

Nicht spucken, die Umwelt schonen, lokale Sitten respektieren: Mit einem Katalog von Benimmregeln will China seine Bürger zu mehr Anstand im Ausland erziehen. Damit soll verhindert werden, dass rücksichtslose Urlauber dem Image ihres Landes schaden.

Touristen in Edinburgh: Nicht alle passen sich so gut den landestypischen Normen an Zur Großansicht
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Touristen in Edinburgh: Nicht alle passen sich so gut den landestypischen Normen an

Auf chinesischen Mikroblogging-Seiten im Internet wird das Benehmen chinesischer Touristen im Ausland immer häufiger zum Thema. Berichte von einer Mutter, die ihre Kinder in die Wartehalle eines Flughafens koten ließ oder von Paaren, die mit gefälschten Heiratszertifikaten Honeymoon-Vergünstigungen auf den Malediven erschwindelten, sorgen dort für Empörungen. Weltweite Aufmerksamkeit erlangte ein Bericht über einen Teenager, der seinen Namen in ein antikes Tempelrelief im ägyptischen Luxor geritzt hatte.

"Objektiv gesehen haben unsere Touristen ein relativ unzivilisiertes Verhalten", sagte Liu Simin, ein Tourismusforscher der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften. "Viele sind unerfahren und unwissend, wenn es um Regeln und Normen in anderen Ländern geht."

Nun hat Chinas Regierung eine Art Knigge für Touristen herausgegeben, die für ein besseres Verhalten der Urlauber sorgen soll. Wie die staatliche Agentur Xinhua berichtet, wird darin unter anderem dazu aufgerufen, Kulturschätze zu schützen, die Rechte anderer Menschen zu respektieren, höflich und freundlich zu sein und die Natur zu schonen. Außerdem sei es wichtig, angemessene Arten von Unterhaltung und Vergnügen zu suchen.

Kritik am Verhalten seiner Landsleute kam zuletzt von hoher Stelle: Wang Yang, einer von vier Vizepräsidenten Chinas, betonte, dass das Image des Landes beschädigt würde durch Fehlverhalten auf Reisen. Manche Touristen machten "einen fürchterlichen Lärm in der Öffentlichkeit, schreiben ihren Namen auf Touristenattraktionen, ignorieren rote Ampeln beim Überqueren der Straße und spucken überall hin", sagte Wang.

Weil sich immer mehr Chinesen Auslandsreisen leisten können, erlebt das Land derzeit einen enormen Boom. Mehr als 83 Millionen Chinesen haben im vergangenen Jahr Auslandsreisen gebucht, laut der Welttourismusorganisation waren sie im Jahr 2012 erstmals die Nation, die am meisten Geld ausgab im Urlaub. Prognosen zufolge könnten es im Jahr 2020 etwa 200 Millionen chinesische Urlauber jährlich sein.

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Tourismusboom: Urlauber aus China verändern die Reisewelt

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1. Jo
makese 30.05.2013
Zitat von sysopNicht spucken, die Umwelt schonen, lokale Sitten respektieren: Mit einem Katalog von Benimmregeln will China seine Bürger zu mehr Anstand im Ausland erziehen. Damit soll verhindert werden, dass rücksichtslose Urlauber dem Image ihres Landes schaden. China führt Knigge für Touristen ein - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/china-fuehrt-knigge-fuer-touristen-ein-a-902843.html)
Entsprechendes Verhalten lernt man zu Hause. Nicht umsonst redet man von der "Kinderstube".
2. Respektiere die Sitten; auch wir die der Anderen
raber 30.05.2013
Mit dem Artikel vollkommen einverstanden da ich auch chinesiche Touristen mehrmals erlebt habe. Das ganze fängt oft schon im Flugzeug an. Mit den "lokalen Sitten respektieren" bin ich auch einverstanden, habe aber oft bei SPON Posts gelesen, dass es erlaubt sein sollte, dass Frauen barbusig in arabischen Ländern protestieren und andere westliche Sitten entgegen ihrem Kulturverständnis übernehmen sollten. Und das ist meiner Meinung nach Blödsinn. Mit der Zeit kommen überall Veränderungen, aber man soll sie nicht von unserer Perspektive auferzwingen. Sonst müssten wir auch akzeptieren, dass Sitten anderer Länder in Deutschland akzeptiert werden. Und da gibt es viele die überhaupt nicht vermittelbar wären.
3. Die Diktatur muss natürlich auch die Nanny spielen.
Hamberliner 30.05.2013
Zitat von sysopNicht spucken, die Umwelt schonen, lokale Sitten respektieren: Mit einem Katalog von Benimmregeln will China seine Bürger zu mehr Anstand im Ausland erziehen. Damit soll verhindert werden, dass rücksichtslose Urlauber dem Image ihres Landes schaden. China führt Knigge für Touristen ein - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/reise/aktuell/china-fuehrt-knigge-fuer-touristen-ein-a-902843.html)
So einen Leitfaden hätten zwar viele Völker nötig, auch wir Deutschen, aber was geht das die Regierung an? Wir haben ein (nicht so extrem wie in China zensiertes) Internet mit Newsgroups und Foren, wir haben (nicht so extrem wie in China zensierte) Medien, so dass Kritik an Touristen nicht den Umweg über eine Regierung zu nehmen braucht.
4. Re: Respektiere die Sitten; auch wir die der Anderen
Hamberliner 30.05.2013
Zitat von raberMit den "lokalen Sitten respektieren" bin ich auch einverstanden, habe aber oft bei SPON Posts gelesen, dass es erlaubt sein sollte, dass Frauen barbusig in arabischen Ländern protestieren und andere westliche Sitten entgegen ihrem Kulturverständnis übernehmen sollten.
Was basrbusig protestierende Frauen gegen westliche Sitten einzuwenden haben verstehe ich zwar nicht, aber wie dem auch sei: Und ich habe mir z.B. gerade hier im SPON-Forum von einem Online-Siezer erklären lassen, es sei dessen gutes Recht, als Teil einer gigantischen Menschenmasse in Venedig oder Dubrovnik die Altstadt zu verstopfen, überall dicht gedrängt herumzustehen, so dass die Einwohner kaum noch ihre eigene Stadt benutzen können und nur mit Geschubse Zutritt zu ihren Wohnungen haben, und gleichzeitig mit mitgebrachter Verpflegung die örtliche Gastronomie zu boykottieren damit auch wirklich maximal viele Einwohner arbeitslos bleiben bzw. wegziehen müssen.
5. die Meinung aus china
wangqf123 30.05.2013
Ich komme aus China. Das bestimmt,dass das Verhalten es gibt. Und in China beobachten wir auch auf dies . z.m Der teenager seinen Name in ein antikes Tempelrelief geritzt hatte. In ganz China disskutieren wir daueber. In der Tat gefaellt uns immer,in Stein ritzen.Wenn ihr nach reist ,koennt ihr viele in Stein geritzte Woerte sehen. Aber die werden von bekanter Leute statt eines kindes geritzt .Ich glaube ,dass das Verhalten auf Kultur zureuckzufuehren sein kann. Natuerlich sollen wir uns immer besser benehmen.
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