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Leipzig: Umstrittener City-Tunnel ist endlich fertig

Sechs neue S-Bahn-Linien, weniger Autos und ein attraktiveres Zentrum - der Leipziger City-Tunnel soll der Stadt mehr Komfort bringen. Jetzt ist der Bau fertig. Kosten und Dauer übersteigen anfängliche Pläne deutlich, Kritiker hinterfragen den Nutzen.

City-Tunnel: Leipzigs neuer Untergrund Fotos
DPA

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Leipzig - Das Prestigeprojekt Leipziger City-Tunnel ist jetzt nach rund siebenjähriger Bauzeit fertig. Am 15. Dezember geht der Bahntunnel unter der Leipziger Innenstadt in Betrieb. Für den Schienenverkehr im Großraum Leipzig/Halle soll der Tunnel große Vorteile bringen.

Sechs neue S-Bahn-Linien sollen durch den Tunnel fahren, dazu geht eine neue Fahrzeugflotte in Betrieb. Innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre rechnet die Deutsche Bahn im Schienennahverkehr im Großraum Halle/Leipzig mit einem Zuwachs bei den Passagierzahlen von 30 Prozent. Derzeit werden täglich gut 48.000 Fahrgäste registriert.

Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) nennt den Tunnel und die damit verbundene Neugestaltung des gesamten S-Bahn-Systems einen Quantensprung. Er sei sicher, dass das neue Nahverkehrsangebot die Stadt und das Umland vom Autoverkehr entlasten und das Oberzentrum Leipzig aufwerten werde.

In den vergangenen zehn Jahren gab es immer wieder Gründe für erregte Diskussionen. Denn ähnlich wie bei anderen großen Infrastrukturprojekten - etwa bei Stuttgart 21 oder dem neuen Flughafen Berlin-Brandenburg - gab es Bauverzögerungen und eine Explosion der Kosten.

Mitinitiiert wurde das umstrittene Projekt noch von Ex-Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) in seiner Zeit als Leipziger Oberbürgermeister. Symbolischer Baubeginn war 2003. Die Bohrung der Tunnelröhren begann 2007, die Fertigstellung war für 2009 geplant.

Eine Milliarde Euro für einen Vier-Kilometer-Tunnel

Zu den massiven Verzögerungen kam es unter anderem, weil es mit dem Baugrund immer wieder Probleme gab. Die Kosten sollten ursprünglich 572 Millionen Euro betragen, stiegen aber schließlich auf eine knappe Milliarde Euro.

Das rief auch den sächsischen Landesrechnungshof auf den Plan. Die Prüfer stellten fest, dass wohl etwas knapp kalkuliert wurde. Rund 200 Millionen Euro Mehrkosten seien von Anfang an erkennbar gewesen, sagt Minister Morlok, der den Tunnel und seine Probleme von seinem Amtsvorgänger übernommen hat.

Kritiker stellen die Frage, ob man überhaupt einen gerade mal vier Kilometer langen Bahntunnel für die gigantische Summe von einer Milliarde Euro bauen durfte. Die Grünen im Sächsischen Landtag etwa kritisieren den Tunnel als teures Prestigeprojekt und als das Gegenteil von weitblickender Bahnpolitik. "Mit den Gesamtkosten von etwa einer Milliarde Euro hätte man das gesamte sächsische Bahnnetz ertüchtigen können", sagt die verkehrspolitische Fraktionssprecherin Eva Jähnigen.

Verantwortlich für die Misere seien die Deutsche Bahn und die damalige CDU-Alleinregierung des Freistaates. Weder sei die Planung ausreichend gewesen, noch die Schätzung der Kostenrisiken.

Wirtschaftsminister Morok wies darauf hin, dass auch in den Nahverkehr im Elbtal erhebliche Summen investiert würden - rund 200 Millionen Euro. "Wir müssen in der Region die Stärken des Schienennahverkehrs ausspielen", sagt Morlok. "In 50 Jahren wird sich keiner mehr vorstellen können, wie der Nahverkehr ohne den City-Tunnel funktionieren konnte."

bon /dpa

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